Rapid-Sportdirektor: "Salzburg kommt genau richtig"

RapidSportdirektor Salzburg kommt genau
RapidSportdirektor Salzburg kommt genau(c) GEPA pictures/ Christian Singer
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Alfred Hörtnagl wehrt sich im Gespräch mit der "Presse am Sonntag" gegen Vorwürfe, der Spielerkader sei schwächer geworden. Der Mannschaft fehle es momentan nicht an Klasse, sondern an Teamgeist.

Zwei Meisterschaftsspiele, zwei Niederlagen und jetzt kommt Salzburg. Nennt man so etwas Horrorszenario?

Alfred Hörtnagl: Ganz im Gegenteil. Salzburg kommt genau richtig.

Wieso ist Salzburg jetzt der richtige Gegner?

Weil ich davon überzeugt bin, dass sich jeder Spieler gegen diesen Gegner weiter steigern wird. Die Spieler haben bereits in der letzten halben Stunde gegen Wiener Neustadt den Rapidgeist gezeigt, den wir uns von ihnen erwarten, und haben alles unternommen, es hat aber leider nicht gereicht. Auch im Europa-League-Spiel in Sofia waren gute Phasen dabei. Ich gehe davon aus, dass sich die Mannschaft nun Schritt für Schritt steigern wird.

Es geht nicht nur um einen verpatzten Meisterschaftsstart. Tatsächlich hat Rapid auch in der Frühjahrssaison nicht mehr die Leistungen des Vorjahrs abrufen können.

Wir haben das Minimalziel in der Meisterschaft erreicht. Nachdem wir Herbstmeister waren und in der Europa League sensationelle Leistungen gegen Aston Villa, den HSV oder Celtic Glasgow geboten hatten, haben wir dies im Frühjahr nicht mehr ganz bestätigen können.

Hätten Sie als Sportdirektor da mehr gegensteuern müssen?

Da muss man vorsichtig sein. Wir haben 73 Punkte erreicht. Zu sagen, man hätte unbedingt reagieren müssen, ist an den Haaren herbeigezogen.

Trainer Peter Pacult ist der Meinung, dass der Kader nicht stärker ist als in der vorigen Saison...

Das muss man tiefer betrachten. Wir haben in den letzten Jahren eine kontinuierliche Kaderplanung gemacht. Und die punktuellen Verstärkungen sind jedes Mal aufgegangen. Wir haben die Abgänge immer wieder aufgefangen.

Wenn aber zu viele Leistungsträger abgegeben werden, wird die Suppe irgendwann dünn. Nun wird Nikica Jelavic von den Glasgow Rangers umworben. Kann sich Rapid diesen Aderlass noch leisten?

Es ist natürlich immer eine große Herausforderung, dann die richtigen neuen Leute zu finden und die richtige Entscheidung zu treffen. Aber schauen wir nicht in die Zukunft, sondern wie sich die aktuelle Situation darstellt. Und da haben wir in der Mannschaft in allen Formationen Qualität. Absolut. Und es herrscht auf allen Positionen ein großer Konkurrenzkampf.

Im Mittelfeld herrscht nach dem Abgang von Branko Boskovic eher ein Loch...

Es ist zu einfach, alles nur auf den Abgang von Boskovic aufzuhängen. Wir haben mit Hinum und Saurer in diesen Positionen zwei sehr gute junge Spieler bekommen. Veli Kavlak hat sich gut entwickelt und kann diese Position im Zentrum gut ausfüllen. Es ist eine sehr gute Struktur in der Mannschaft. Wir haben Qualität in allen Bereichen.

Die Leute auf der Tribüne sehen das anders. Dort wird vor allem die Innenverteidigung mit Jürgen Patocka und Hannes Eder heftig kritisiert.

Gut, dass Sie das ansprechen. Sonnleitner und Soma sind ausgefallen. Und wer hat schon vier Verteidiger von dieser Qualität? Und auch wenn Patocka und Eder da oder dort kritisiert werden, sie waren immerhin ein wichtiger Bestandteil im Meisterjahr 2008 und sind erfahrene Spieler. Es wäre fatal, jetzt auf zwei Innenverteidiger loszugehen. Es hängt immer vom gesamten Auftreten der Mannschaft ab. Tatsache ist, dass wir im Moment als Mannschaft nicht so kompakt und sicher auftreten, wie wir es gewohnt sind.

Warum ist das so?

Wenn wir das wüssten, würden wir es doch sofort abstellen. Tatsache ist, dass wir momentan mannschaftlich nicht so geschlossen auftreten.

Dass heißt also: Der Mannschaft fehlt es nicht an Klasse, sondern am Zusammengehörigkeitsgefühl?

Mit den neuen jungen Spielern ist ein Konkurrenzkampf entstanden. Und Spieler, die in der Vergangenheit fixer Bestandteil des Teams waren, sehen jetzt plötzlich ihre Position gefährdet. Da kommen Hierarchien ins Wanken. Das ist grundsätzlich positiv, aber im Moment stört dies ein wenig das Gefüge. Aber jetzt kommt Salzburg, die Hütte ist voll. Das kann nun auch ein Befreiungsschlag sein.

Ein Sieg gegen Salzburg, und die grün-weiße Welt ist wieder in Ordnung?

Die Vergangenheit hat gezeigt, dass die Mannschaft in schwierigen Situationen immer eine Antwort gefunden hat.

Apropos grün-weiße Welt: Haben Sie erwartet, dass Christoph Saurer von manchen Fans derart angefeindet wird, nur weil er vor dem Lask auch bei der Austria war?

Bis zu einem gewissen Grad kann ich verstehen, dass ihn die Fans nicht auf Händen tragen. Aber wenn Fans ihn mit Bier anschütten und beim Aufwärmen attackieren, dann ist das nicht mehr zu akzeptieren. Bevor die Fans auf den Spieler losgehen, sollen sie auf den Sportdirektor losgehen, der hat den Spieler schließlich geholt.

Wird sich Rapid noch auf der einen oder anderen Position verstärken?

Sollten wir keine Abgänge haben, werden wir auch über keine Verpflichtungen nachdenken. Die meisten Trainer in Österreich würden sich alle zehn Finger abschlecken, wenn sie so einen Kader hätten.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.08.2010)

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