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Wie gefährlich ist Ammoniumnitrat?

Krater Oppau 1921
Krater Oppau 1921Wikipedia gemeinfrei
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Die Katastrophe von Beirut soll durch das Oxidationsmittel Ammoniumnitrat verursacht worden sein. Vor fast 100 Jahren hat es in Deutschland zu einem der weltweit größten Industrieunglücke geführt.

Die verheerenden Explosionen mit Dutzenden Toten und Tausenden Verletzten in Beirut könnten durch eine sehr große Menge Ammoniumnitrat ausgelöst worden sein. Regierungschef Hassan Diab erklärte, dass 2.750 Tonnen der Substanz im Hafen jahrelang ohne Sicherheitsvorkehrungen gelagert wurden. 

Ammoniumnitrat ist ein starkes Oxidationsmittel, das zur Herstellung von Düngemittel, aber auch von Sprengsätzen verwendet wird. Unter normalen Lagerbedingungen und bei mäßigen Temperaturen entzünde sich Ammoniumnitrat nur schwer, erläutert die Chemie-Expertin Jimmie Oxley von der Universität in Rhode Island. Auf Videos der Explosionen in Beirut sei zunächst schwarzer, dann roter Rauch zu sehen. "Ich gehe davon aus, dass es eine kleine Explosion gab, die die Reaktion des Ammoniumnitrats auslöste - ob diese kleine Explosion ein Unfall war oder beabsichtigt, weiß ich nicht", sagt Oxley.

Auslöser mehrerer verheerender Explosionen

Normalerweise wird die Chemikalie unter strengen Bedingungen gelagert: So muss sie etwa von Brennstoffen und Wärmequellen ferngehalten werden. In vielen EU-Ländern muss Ammoniumnitrat zudem mit Kalk versetzt werden, um es sicherer zu machen. Das geruchlose Salz war in den vergangenen Jahrzehnten bereits für zahlreiche Explosionen verantwortlich - bei Unfällen und Anschlägen.

So wurden 1921 bei einem Unfall in einer Chemiefabrik des deutschen Unternehmens BASF in Oppau mehr als 500 Menschen getötet.Die umliegenden Gemeinden wurden verwüstet, die Explosion war noch bis ins rund 75 Kilometer entfernte Frankfurt am Main zu spüren und richtete selbst über diese Entfernung Schäden an. Mehr als 1000 Menschen wurden bei dem Vorfall verletzt, der zu den weltweit bisher größten Industrieunglücken gehört und große Bestürzung auslöste. Beschreibungen und Zeichnungen, die damals von dem Geschehen entstanden, erinnern stark an aktuelle Bilder aus Beirut. Es kam direkt nacheinander zu zwei Detonationen, wobei die zweite viel stärker war. Es entstand ein riesiger Rauchpilz.

Die Düngesalzmischung explodierte in einem Silo. Ursache waren späteren Untersuchungen zufolge Fehleinschätzungen bei Lagerung und Verarbeitung. So wurde die zu Verklumpung neigende Masse durch kleine Sprengungen aufgelockert - was nur sicher ist, solange der Ammoniumnitratanteil unter einer bestimmten Schwelle liegt. Eine erste Detonation löste dann die weit größere zweite Explosion aus.

Der Attentäter des Anschlags in Oklahoma City 1995 mit 168 Toten verwendete beim Bau der Bombe zwei Tonnen Ammoniumnitrat. In einer Chemiefabrik im französischen Toulouse kamen bei der Explosion von rund 300 Tonnen Ammoniumnitrat 2001 insgesamt 31 Menschen ums Leben. Auch bei einer Explosion in einer Düngemittelfabrik in Texas starben im Jahr 2013 15 Menschen.

"Wir brauchen Ammoniumnitrat"

Trotz der Gefahren ist Ammoniumnitrat laut Oxley in der Landwirtschaft und für Sprengungen in der Bauindustrie unverzichtbar. "Ohne Sprengstoff wäre die moderne Welt nicht möglich, und ohne Ammoniumnitrat-Dünger könnten wir die heutige Bevölkerung nicht ernähren", sagt sie. "Wir brauchen Ammoniumnitrat - wir müssen nur genau darauf achten, was wir damit machen."

(APA/Red.)

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