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Antisemitismus-Debatte

Kabarettistin Lisa Eckhart von Hamburger Literaturfestival ausgeladen

Lisa Eckhart bei der Aufzeichnung der WDR Talkshow K�lner Treff im WDR Studio BS 2 K�ln 14 12 2018
Lisa Eckhart(c) imago/Future Image (Christoph Hardt)
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Lisa Eckhart hätte am 14. September in Hamburg auftreten sollen. Die Veranstalter rechnen mit Protesten, denn der Kabarettistin wird Rassismus und Antisemitismus vorgeworfen.

Die steirische Kabarettistin Lisa Eckhart ist nach Protesten vom "Harbour Front Literaturfestival" in Hamburg ausgeladen worden, berichtet das deutsche Nachrichtenmagazin "Der Spiegel". Eckhart hätte im Rahmen des Literaturwettbewerbs am 14. September im "Nochtspeicher" lesen sollen. Der Club sagte die Veranstaltung laut dem Artikel aber wegen Sicherheitsbedenken ab.

"Der Spiegel" zitiert aus einem Mail des Clubs an die Festivalleitung, in dem es heißt: "Es ist unseres Erachtens sinnlos, eine Veranstaltung anzusetzen, bei der klar ist, dass sie gesprengt werden wird, und sogar Sach- und Personenschäden wahrscheinlich sind. Wir haben in den letzten Tagen bereits aus der Nachbarschaft gehört, dass sich der Protest schon formiert".

Die Festivalleitung habe Eckhart daraufhin nahegelegt, freiwillig "auf eine Teilnahme zu verzichten", wozu Eckhart und ihr Verlag nicht bereit gewesen seien. Mittlerweile heißt es auf der Homepage des Festivals: "Leider muss diese Veranstaltung entfallen."

Umstrittener Auftritt in den "Mitternachtsspitzen"

Kritiker werfen Eckhart antisemitische und rassistische Aussagen vor. Auslöser dafür war ein Auftritt für die Sendung "Mitternachtsspitzen" (WDR) aus dem Jahr 2018, in dem sie sich über Political Correctness lustig machte. Mit Verweis auf die MeToo-Debatte, Harvey Weinstein, Woody Allen und Roman Polanski, sagt Eckhart unter anderem: "Am meisten enttäuscht es von den Juden. Da haben wir immer gegen diesen dummen Vorwurf gewettert, denen ginge es nur ums Geld. Und jetzt plötzlich kommt raus, denen geht's wirklich nicht ums Geld, denen geht's um die Weiber und deswegen brauchen sie das Geld."

Eckhart hätte in Hamburg ihren demnächst erscheinenden Roman "Omama" präsentieren sollen, mit dem sie für den Klaus-Michael-Kühne-Preis nominiert war. Die mit 10.000 Euro dotierte Auszeichnung für das beste deutschsprachige Romandebüt des Jahres wird jährlich im Rahmen des Harbour Front-Literaturfestivals vergeben. In Wien wird Eckhart ihren Debütroman am 27. August bei den O-Tönen im Museumsquartier vorstellen.

Veranstalter hofft noch auf Lösung

Die Veranstalter des "Harbour Front Literaturfestivals" in Hamburg bemühen sich, die österreichische Kabarettistin Lisa Eckhart doch noch am Wettbewerb teilnehmen zu lassen. "Wir sind im Gespräch mit der Jury des Wettbewerbs und mit dem Management, ob wir nicht doch eine Lösung finden, die durchführbar und für alle Teilnehmer fair ist", sagte Nikolaus Hansen von der Festivalleitung. "Es geht uns überhaupt nicht darum, Frau Eckhart loszuwerden, im Gegenteil, wir haben alles versucht, sie drinzuhalten", betonte er. Das Festival befinde sich in "keiner schönen Rolle", es weiche der Gewaltandrohung. Allerdings hoffe, er eine Lösung zu finden, die einen fairen Wettbewerb gewährleistet.

Hamburgs Kultursenator Carsten Brosda (SPD) zeigte sich besorgt. Es müsse darauf geachtet werden, dass künstlerische Räume zum Beispiel durch Androhung von Gewalt nicht verengt würden. Wer das mache, schade unmittelbar der Kunst und der Freiheit, erklärte Brosda am Nachmittag. "Dass im konkreten Fall dieser Eindruck entsteht, besorgt mich. Ich werde daher kurzfristig mit den Veranstaltern über die genauen Hintergründe ihrer Entscheidung reden." Lisa Eckharts Kabarettkollege Dieter Nuhr bezeichnete die Ausladung indes als "Skandal": "Der Protestmob auf der Straße entscheidet also darüber, wer hier bei uns seine Kunst ausüben darf", schrieb er auf Facebook.

(APA)