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Frauenpolitik

Frauen in der Politik weiter Randthema

Head of SPOe Rendi-Wagner talks to head of NEOS Meinl-Reisinger during a session of the Parliament in Vienna
Österreich hat eigentlich viel weibliches Spitzenpersonal in der Politik. Abgebildet sind Neos-Parteichefin Beate Meinl-Reisinger (l.) und SPÖ-Vorsitzende Pamela Rendi-Wagner im Nationalrat (Archivbild)REUTERS
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Der höhere Frauenanteil hat kaum Effekt auf die Sichtbarkeit.

Wien. Frauen sind von den Konsequenzen der Coronakrise besonders betroffen. Doch in der politischen Arena bleiben sie weiter ein Randthema. Das zeigt eine aktuelle Studie von Media Affairs, Arbeiterkammer, Industriellenvereinigung und RHI Magnesita.

So befassten sich lediglich 1,6 Prozent der Debatten im Vorjahr mit Frauenpolitik, wie die Studie zeigt. Seit sieben Jahren erhebt diese jährlich die bundespolitische Berichterstattung von sechs großen Tageszeitungen hinsichtlich der darin vorkommenden Frauen, darunter auch der „Presse“. Mit dem Ergebnis, dass sich ein höherer Frauenanteil in der Politik „nur marginal“ auf deren mediale Sichtbarkeit auswirke, wie Media-Affairs-Geschäftsführerin Maria Pernegger betont. Während es etwa einen „historischen Höchststand beim Frauenanteil“ gebe (39 Prozent der Bundespolitiker sind weiblich), kommen Frauen nur in 21,4 Prozent der Berichterstattung vor.

Für Wahlkampf zu „uncool“

Warum das so ist? „Ich glaube, dass immer noch die Meinung herrscht, dass man mit Frauenpolitik keinen Wahlkampf gewinnt“, sagt Pernegger. Das Thema sei zu uncool „und im linken Eck verortet“. Trotz engagierter Abgeordneter und inzwischen zwei Parteichefinnen „fehlt der Mut, sich mit frauenpolitischen Themen auseinanderzusetzen“.

Trotz Coronakrise und deren Effekte auf Frauen würden frauenpolitische Themen nicht „in der ersten Reihe von Kanzler oder Frauenministerin diskutiert“, sagt Pernegger. Hinsichtlich der strategischen Ausrichtung der Parteien – auch für die kommende Wien-Wahl – stellt sich für die Medienexpertin deshalb eine Frage: „Wann, wenn nicht jetzt, sollte man diese klassischen frauenpolitischen Themen aufgreifen?“ (juwe)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.08.2020)