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Betrug

Steuerfahnder holen 104 Millionen Euro

(c) Michaela Bruckberger
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Fliesen statt Smartphones, manipulierte Kassen und fiktive Obstlieferungen. Die Behörden rückten im Vorjahr Hunderte Male aus, um Abgabenbetrüger zu stellen.

Wien. Im Kampf gegen Steuerbetrug haben die heimischen Behörden im Vorjahr 104 Millionen Euro an ausstehenden Steuern eingetrieben. 561 Fälle wurden von den Steuerfahndern bearbeitet. Darunter auch so spektakuläre wie jener eines steirischen Obstbauern, der Rechnungen und Transportpapiere für fiktive Lieferungen ins Ausland vorgelegt hatte, die niemals stattgefunden hatten. Durch den Umsatzsteuerbetrug entstand ein Schaden von neun Millionen Euro.

Aufgedeckt wurde auch ein internationaler Karussellbetrug, bei dem die Täter Fliesen statt Smartphones in Verpackungen von Mobiltelefonen verstaut hatten. Die Verpackungen sollten nicht auffallen und wurden bewusst so präpariert, dass bei Gewichtskontrollen der Lieferungen im Rahmen der Verzollung niemand Verdacht schöpfen sollte. Die „Fliesen-Handys“ waren natürlich niemals für den Verkauf bestimmt, sondern sind gewiefte Instrumente zum Umsatzsteuerbetrug.

Abgabenbetrug und -hinterziehung im großen Stil betrieb auch der Lokalbesitzer eines China-Restaurants in Vorarlberg. Mithilfe eines Programmierers manipulierte er seine Registrierkasse so, dass Umsätze im Nachhinein aus dem System gelöscht werden konnten. Hausdurchsuchungen der Steuerfahndung brachten dafür zahlreiche Beweise zutage, der Lokalbesitzer zeigte sich danach geständig. Er muss 600.000 Euro an Abgaben nachzahlen.

 

72.000 Gigabyte an Daten

In einem weiteren Fall wurde vier Jahre lang gegen einen Getränkegroßhändler aus Salzburg ermittelt. Der Händler hatte es Gastronomiekunden ermöglicht, nicht registrierte Bareinkäufe zu tätigen. Stattdessen wurden Kundennamen erfunden und Scheinkundenkonten in der Buchhaltung des Getränkegroßhändlers zur Verschleierung der tatsächlichen Warenempfänger angelegt. Die abgaben- und finanzstrafrechtlichen Prüfungen bei 15 Schwarzeinkäufern führte zu abgabenrechtlichen Nachforderungen von über 4,2 Mio. Euro.

In Summe haben die Steuerfahnder im Vorjahr 85 Hausdurchsuchungen durchgeführt und dabei 72.000 Gigabyte an digitalen Daten sichergestellt, teilte das Finanzministerium in einer Bilanzaussendung mit. „Steuerhinterziehung ist kein Kavaliersdelikt und schadet nicht nur dem Standort, sondern auch dem Ruf der Wirtschaft“, sagte Finanzminister Gernot Blümel (ÖVP). Die Steuerfahndung leiste wichtige und wertvolle Arbeit im Sinn der korrekten Steuerzahler. „Wir werden auch weiterhin entschlossen gegen Steuerbetrug vorgehen.“

Die Steuerfahndung ist eine Spezialeinheit für Ermittlungen in besonderen Finanzstraffällen, die sowohl nationale Koordinationsaufgaben als auch den internationalen Kontakt in grenzüberschreitenden Fällen von Mehrwertsteuerbetrug wahrnimmt. (red.)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.08.2020)