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Nach Explosion

Über 250 Millionen Euro Soforthilfe für Libanon

Die Hoffnung Überlebende unter den Trümmern in Beirut zu finden schwindet
Die Hoffnung Überlebende unter den Trümmern in Beirut zu finden schwindetimago images/ITAR-TASS
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Bei der Geberkonferenz für den Libanon sind 252,7 Millionen Euro Soforthilfe zusammengekommen. Unterdessen gibt es neue gewalttätige Demonstrationen in Beirut. Die Hoffnung, noch Überlebende zu finden, schwindet .

Bei der internationalen Geberkonferenz für den Libanon sind nach Angaben aus dem Élyséepalast 252,7 Millionen Euro Soforthilfe zusammengekommen. Frankreich trage davon einen Anteil von 30 Millionen Euro, berichteten Élyséekreise am Sonntag nach der Videokonferenz. Der deutsche Außenminister Heiko Maas hatte zuvor im ZDF von über 200 Millionen Euro Hilfe gesprochen.

Deutschland stellt laut Maas 20 Millionen Euro zu Verfügung. Das französische Präsidialamt war neben den Vereinten Nationen (UN) Mitveranstalter der Konferenz.

Neue Zusammenstöße - Feuer am Parlamentsplatz

In Beirut ist es am Sonntag zu neuen Zusammenstößen zwischen der Polizei und regierungskritischen Demonstranten gekommen. Diese warfen mit Steinen auf Beamte, die eine Straße in Richtung des Parlaments abriegelten, wie auf Fernsehaufnahmen zu sehen war. Die Polizei setzte Tränengas ein. Demonstranten brachen zudem in die Ministerien für Verkehr und Wohnungsbau ein.

Am Zugang zum Parlamentsplatz brach ein Feuer aus. Ein Reuters-Reporter berichtete von Tausenden Demonstranten, die dort und auf dem nahe gelegenen Märtyrer-Platz zusammenströmten. "Wir wollen die Regierung zerstören und töten", sagte ein 19-jähriger Mann. "Sie hat uns weder Jobs noch Rechte gegeben."

Bereits am Samstag war es zu Zusammenstößen im Zentrum der libanesischen Hauptstadt gekommen. Dabei waren ein Mensch getötet und mehr als 170 verletzt worden. Am Dienstag waren durch eine schwere Explosion am Hafen von Beirut 158 Personen ums Leben gekommen und mehr als 6.000 verwundet worden. Viele Libanesen machen Regierung und Behörden für das Unglück verantwortlich. Zudem prangern die Demonstranten Korruption und Misswirtschaft an. Der Libanon leidet unter einer Wirtschaftskrise und kämpft zudem gegen die Coronavirus-Pandemie.

Hoffnung auf Überlebende schwindet

Fünf Tage nach der Explosionskatastrophe in Beirut sinkt die Hoffnung, noch Überlebende zu finden. Die erste Phase, "in der noch die Möglichkeit bestand, Lebende zu finden", sei abgeschlossen, sagte ein Vertreter des libanesischen Militärs am Sonntag bei einer Pressekonferenz in Beirut.

"Als technisches Personal, das vor Ort arbeitet, können wir sagen, dass unsere Hoffnung schwindet, Überlebende zu finden", so der Militärangehörige.

Am Dienstag hatten zwei gewaltige Explosionen die libanesische Hauptstadt Beirut erschüttert. Nach Behördenangaben wurden dabei mehr als 150 Menschen getötet und mehr als 6.000 weitere verletzt. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums werden noch immer mindestens 21 Menschen vermisst. Rettungskräfte aus Deutschland, Frankreich, Russland, Katar und anderen Ländern unterstützten die libanesischen Behörden bei den Bergungsarbeiten.

Deutsche: „Konnten keine Überlebenden mehr finden“

Das deutsche Technische Hilfswerk (THW) stellte die Rettungsarbeiten in Absprache mit den Behörden vor Ort am Sonntag ein. "Wir konnten unter den Trümmern keine Überlebenden mehr finden. Das ist einerseits traurig - andererseits können wir so die Gewissheit haben, dass auch wirklich keine Überlebende und kein Überlebender übersehen wurde", erklärte Jörg Eger, Teamleiter der Schnell-Einsatz-Einheit Bergung Ausland.

Ein Großteil des Teams wird demnach am Montag zurück nach Deutschland fliegen. Insgesamt 18 Helfer bleiben jedoch noch bis Donnerstag im Libanon. Sie werden weiterhin Gebäude auf ihre Stabilität hin prüfen und klären, ob sie weiterhin betreten werden dürfen oder etwa einsturzgefährdet sind.

Französische Experten hatten unter anderem nach acht oder neun Hafenarbeitern gesucht, von denen angenommen wurde, dass sie seit der Explosion lebendig in einem Kontrollraum festsaßen. "Wir haben ab Donnerstagmorgen 48 Stunden durchgearbeitet, um diesen Kontrollraum zu erreichen. Leider haben wir keinen einzigen Überlebenden gefunden", sagte der Leiter des französischen Rettungsteams, Vincent Tissier. Stattdessen entdeckten die Helfer fünf Leichen.

(APA)