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Proteste

Belarus: Oppositions­chefin nach Litauen ausgereist

Oppositionskandidatin Swetlana Tichanowskaja
Oppositionskandidatin Swetlana TichanowskajaAPA/AFP/SERGEI GAPON
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Swetlana Tichanowskaja ist „in Sicherheit", berichtet Litauens Außenminister. Sie meldete sich am Dienstag mit einer Videobotschaft. Sie sei vor einer sehr schweren Wahl gestanden. „Kinder sind das Wichtigste in unserem Leben.“

Die Oppositionskandidatin bei der Präsidentenwahl in Belarus, Swetlana Tichanowskaja, ist nach Litauen ausgereist. „Sie ist in Litauen angekommen und in Sicherheit“, teilte der litauische Außenminister Linas Linkevicius im Kurznachrichtendienst Twitter mit. Der Minister hatte sich am Montagabend angesichts der Gewalt in Belarus  besorgt gezeigt um die Sicherheit der zweifachen Mutter. Tichanowskaja hatte am Vortag noch bei einer Pressekonferenz gesagt, dass sie im Land bleiben werde und weiter kämpfen wolle. Ihr Stab hatte sie am Montag nach einem Besuch in der Wahlkommission telefonisch nicht erreichen können. Mit ihr ist die Leiterin ihres Stabs ausgereist, hieß es.

In einer Videobotschaft mit der Überschrift „Ich bin zu meinen Kindern gefahren“ meldete sich sich am Dienstag zu Wort. Tichanowskajas Kinder waren in den Wochen vor der Wahl ins europäische Ausland gebracht worden, vermutlich also nach Litauen.

Sichtlich bewegt sagt Tichanowskaja: „Ich dachte, ich halte alles aus.“ Doch habe sie für sich eine „sehr schwere Entscheidung“ treffen müssen. Sie habe sich selbstständig, ohne Beeinflussung ihrer Mitstreiter oder Freunde, entschieden. „Ich wünsche niemandem, dass er vor der Wahl steht, vor der ich gestanden bin. Liebe Leute, passt auf euch auf .... Kinder sind das wichtigste in unserem Leben.“ Die Vermutung liegt nahe, dass Tichanowskaja von den belarussischen Behörden unter Druck gesetzt wurde. Wie ihr Stab berichtete, sei sie am Montag im Gebäude der Wahlkommission mehrere Stunden lang festgehalten worden. Sie habe sich nicht freiwillig zu einer Ausreise entschieden, sagte Mitstreiterin Maria Kolesnikowa.

Staatschef droht mit Armee

Tichanowskaja war am Wochenende bei der Präsidentenwahl gegen den autokratischen Machthaber Alexander Lukaschenko angetreten. Lukaschenko behauptet, die Wahl klar gewonnen zu haben. Die Opposition und internationale Beobachter bestreiten das aber. Zahlreiche Menschen protestierten in den Straßen gegen Lukaschenkos angebliche Wiederwahl. Die Sicherheitskräfte gingen mit Gewalt dagegen vor. Auch Tichanowskaja hatte sich massiv bedroht gefühlt. Der 65-Jährige Staatschef drohte sogar mit dem Einsatz der Armee, um seine Macht auch nach 26 Jahren für eine sechste Amtszeit zu verteidigen.

Tichanowskaja hatte zuvor auch ihre Kinder außer Landes bringen lassen. Ihr Mann Sergej Tichanowski, ein regierungskritischer Blogger, sitzt in Haft. Tichanowskaja war an seiner Stelle bei der Wahl angetreten und hatte als einzige Oppositionelle eine Zulassung als Kandidatin erhalten.



(Reuters/Red.)