Schnellauswahl
Thailand

Der Krimi um die Fahrerflucht des Red-Bull-Erben

Der Ferrari von Vorayuth Yoovihy nach dem Unfall in Bangkok im Jahr 2012.
Der Ferrari von Vorayuth Yoovihy nach dem Unfall in Bangkok im Jahr 2012.APA/AFP/STR
  • Drucken

Vorayuth Yoovihy überfuhr vor acht Jahren mit seinem Ferrari einen Polizisten in Bangkok. Ende Juli wurden alle Anklagepunkte fallen gelassen. Doch nach dem Tod eines Schlüsselzeugen scheint die Polizei neue Beweise gegen den Red-Bull-Erben gefunden zu haben.

Es waren die frühen Morgenstunden des 3. September 2012, als es passierte. Ein Ferrari krachte in der thailändischen Hauptstadt Bangkok in das Motorrad eines Polizisten. Der Polizist wurde von seinem Gefährt geschleudert und vom Ferrari etwa 100 Meter mitgeschleift und getötet. Die Vorwürfe gegen den Mann am Steuer des Ferrari: Übertretung der Geschwindigkeitsbeschränkung, Fahrerflucht, rücksichtsloses Fahren mit Todesfolge. Fast acht Jahre später lässt die Staatsanwaltschaft die Anklage fallen. Der Name des Ferrari-Fahrers: Vorayuth „Boss“ Yoovidhy, geschätzt 20 Milliarden schwerer Erbe des thailändischen Red-Bull-Clans.

Der Fall galt als eklatantes Beispiel für das Zwei-Klassen-Strafrecht in Thailand. Vor allem viele ärmere Thailänder sind wütend. Doch der Ermittlungskrimi ist nun um eine weitere Wende reicher - bis 20. August hat die Polizei Zeit, erneut Zeugen zu befragen. Es gibt neue Vorwürfe.

Neue Zeugen, neue Experten

Mehrere der Taten, die der Anklage gegen den "Boss" zugrunde lagen, sind inzwischen verjährt. Doch der schwerwiegendste Punkt - rücksichtsloses Fahren mit Todesfolge - kann bis 2027 geahndet werden. Dafür drohten dem Red-Bull-Erben bis zu zehn Jahre Haft. Sein Großvater hatte in den 1980er-Jahren zusammen mit Dietrich Mateschitz Red Bull gegründet. Bei seinem Tod hinterließ Chaleo Yoovidhya der Familie Berichten zufolge seine Anteile an Red Bull sowie mehr als 20 Milliarden Dollar.

Seit dem Unfall hat die thailändische Justiz äußerst schleppend gegen Vorayuth ermittelt. Trotz schwerwiegender Beweise erließ die thailändische Justiz erst fünf Jahre nach dem Geschehen unter dem Druck der Öffentlichkeit Haftbefehl. Bis dahin reiste der zum Tatzeitpunkt 30-Jährige frei ein und aus und erschien regelmäßig auf Partys der Bangkoker "Rich-Kid"-Szene.

Am 23. Juli 2020, als die Anklage fallen gelassen wurde, gab es keine offizielle Begründung dafür. CNN berichtet von einem Brief des Staatsanwalts an die Polizei. Vorayuth soll demnach doch nicht zu schnell gefahren sein. Der Polizeiexperte habe seine Schätzung revidiert - auf 79 Km/h, also knapp unter dem Limit. Außerdem seien „zusätzliche Zeugen“ aufgetaucht, die den Ferrari mit deutlich geringerer Geschwindigkeit zum Unfallzeitpunkt gesehen haben wollen, heißt es in dem Dokument.

Doch der Aufschrei in Thailand ist groß. So groß, dass selbst Premierminister Prayut Chan-ocha nicht anders kann, als eine Untersuchung des Umstände anzuordnen, unter denen die Anklage fallen gelassen wurde. Einen Tag später, am 30. Juli, stirbt einer der Zeugen, bei einem Motorradunfall. Er kollidierte mit einem anderen Motorradfahrer. Die Polizei spricht von einem Unfall. Auch dass das Handy des Mannes kurzfristig verschwunden war, sorgte für weitere Verschwörungstheorien.

Am 4. August schließlich die jüngste Wende. Das eingesetzte Komitee zur Überprüfung des Falles spricht von „neuen Beweisen“. Ein Physik-Dozent der Chulalongkorn-Universität schätzt die Geschwindigkeit des Ferraris beim Unfall erneut auf 177 Km/h. Diese Erkenntnis auf Basis von Überwachungskameras sei bisher nicht in die Ermittlungen einbezogen worden, die vor wenigen Wochen noch zur Einstellung des Falles geführt haben sollen. Das Komitee schlägt auch vor, die Drogen-Vorwürfe gegen Vorayuth noch einmal zu überprüfen. Es gäbe Bluttests von nach dem Unfall, die Spuren von Drogenkonsum zeigten, erklärte ein Sprecher. Die Lage ist also kompliziert. Und für den „Boss“ selbst scheint sich die Situation doch nicht zu entspannen. Wo sich der Erbe des Red-Bull-Erfinders derzeit aufhält, ist nicht bekannt. In den vergangenen Jahren war der "Boss" immer wieder in London gesehen worden, wo er an den Partys der High Society teilnahm. Der Haftbefehl ist noch aufrecht. Die Polizei hat noch bis 20. August Zeit, Zeugen zu befragen und der Staatsanwaltschaft ihren Bericht zu übergeben.

>> Der bericht auf CNN

(APA/APF/Red)