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Interview

John Bolton: „Trump sieht in Kurz eine Alternative zu Merkel“

Das Interview mit dem ehemaligen US-Sicherheitsberater John Bolton fand via Skype statt.
Das Interview mit dem ehemaligen US-Sicherheitsberater John Bolton fand via Skype statt.imago images/Kyodo News
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Ex-Sicherheitsberater John Bolton über die „Inkompetenz" von US-Präsident Trump, die Gefahren einer zweiten Amtszeit, den Ehrgeiz von Außenminister Pompeo, den verpassten Sturz des Regimes im Iran und die erstaunliche Nähe des Bundeskanzlers zum Weißen Haus.

Die Presse: Sie dienten Donald Trump 17 Monate als Nationaler Sicherheitsberater. Wie kamen Sie zum Schluss, dass er ungeeignet für das US-Präsidenten-Amt ist?

John Bolton: Ich habe beobachtet, wie Trump Entscheidungen trifft. Er hatte keine grundlegende Philosophie, er hatte keine Strategie, er dachte nicht politisch. Er war atemberaubend uninformiert über internationale Angelegenheiten. Und er zeigte kein Interesse daran zu lernen. Kein Präsident kann am Anfang alles wissen. Aber die guten Präsidenten erkennen, was sie nicht wissen, und bemühen sich, diese Lücken zu schließen. Das war bei Trump nicht der Fall.

Hatte denn Trump gar keine Lernkurve?

Seine Grundannahme ist, dass er nicht viele Informationen braucht. Er glaubt aus seiner Zeit im Immobiliengeschäft, dass seine Stärke darin liegt, sich mit Leuten am anderen Ende des Tisches zu messen, auch mit ausländischen Staatenlenkern. Er konzentriert sich auf seine Instinkte und will schnell Deals eingehen auf Basis persönlicher Beziehungen. Fakten passen nicht unbedingt in diese Weltsicht hinein. Das ist einer der Gründe, warum Trump sich um Briefings der Nachrichtendienste nicht kümmerte.

Sie behaupten, Trump habe sich in der Außenpolitik von persönlichen Interessen leiten lassen und Chinas Präsidenten gebeten, ihm durch den Kauf von Weizen und Sojabohnen im US-Wahlkampf zu helfen. Das widerspricht der Härte, mit der Trump zuletzt gegen Peking aufgetreten ist.