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Konzertkritik

Aus dem Lockdown: Die Klage eines Horns

Salzburger Festspiele: Das Klangforum Wien begeisterte im Finale der Konzertreihe „Fragmente – Stille“ mit der geräuschhaft-sinnlichen Musik Salvatore Sciarrinos.

Bocksgesang hätte man es nennen können, was da irgendwo vom Orgelbalkon herab tönte. Ungreifbar, diffus und doch präsent breiteten sich die Klänge des Solohorns in der wattigen Akustik der Kollegienkirche aus. Bocksgesang oder Gesang um den Bockspreis, so lautet der ursprüngliche Wortsinn des griechischen „tragodía“: Der Bock, das war Dionysos, zu dessen Ehren die Spiele veranstaltet wurden. Wirklich, nach Furcht und Mitleid, Jammern und Schaudern klangen die mäandernden, vielfach durchbrochenen Linien, die immer wieder wackelig ansetzten, wie durchbrochen mit Schluchzern und Schluckauf. Knappe, beinah zärtliche Floskeln kräuselten sich auf engem Tonraum, um dann plötzlich wieder große Intervalle zu durchgleiten – oder auf langen Liegetönen stark anzuschwellen; Motivpartikel, die sich in einem dynamischen Mosaik immer wieder neu zu gruppieren schienen.