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EU-Institutionen suchen Juristen – aber nicht nur

Anastasia Fux und Sabine Piska-Schmidt
(c) Carina KARLOVITS
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Wer für die EU arbeiten möchte, muss höchsten Anforderung entsprechen. Die Jobbörse der Republik Österreich unterstützt Bewerber im dreistufigen Verfahren.

Diese Jobs sind begehrt. Tausende Bewerbungen gehen jährlich bei EPSO ein. Aktuell lädt das Europäische Amt für Personalauswahl ein, sich bis 15. September für die 104 ausgeschriebenen Juristenstellen zu bewerben.

Nur der Vollständigkeit halber: Bis Jahresende werden auch noch andere Berufsgruppen rekrutiert - Finanzspezialisten, Sekretariat, HR; Kommunikation, Information- und Kommunikationstechnologie, Übersetzer, Psychologen. Zum Teil sind das Beamtenjobs, zum Teil zeitlich befristete Vertragsbedienstetenjobs.

Weil die Jobs so begehrt sind, seien auch die Anforderungen an die Kandidaten hoch, sagt Sabine Piska-Schmidt, im für den Öffentlichen Dienst zuständigen Ministerium für EU-Jobs und Crossmentoring verantwortlich. Sie informiert nicht nur in Newslettern über offene Stellen, sondern bietet den Bewerbern auch Coachings und Vorbereitungsunterstützung.

Drei Hürden sind zu nehmen

Es ist ein dreistufiges Verfahren, dem sich die Juristen stellen müssen: Ein erster Onlinetest in der Muttersprache, ein zweiter auf Englisch oder Französisch, bei dem auch EU-Rechtskenntnisse gefragt sind. Und ein Assessment Center in Brüssel. Wer das besteht, landet für ein Jahr auf der „Reserveliste“ und kann sich für Jobs in sämtlichen EU-Institutionen bewerben. In Summe, sagt Piska-Schmidt, muss man damit rechnen, dass der Prozess rund ein Jahr dauert.

Wer von der Reserveliste übernommen wird, hat nach neun Monaten Probezeit die Chance verbeamtet zu werden. Das bedeutet ein Einstiegsgehalt für Akademiker von 4.883 Euro ohne Zulagen.

„Gute Vorbereitung ist entscheidend“, sagt die Juristin Anastasia Fuxa, die dieses Prozedere absolvierte hat und seit knapp einem Jahr in der Generaldirektion Justiz arbeitet. Sie hatte davor schon einige Zeit für EU-Institutionen gearbeitet und schon einen Einblick in die Brüsseler Arbeitsweise erhalten. „Wer einmal international gearbeitet hat, für den ist es schwer, wieder zurückzugehen“, sagt die 33-Jährige. Ihre Jobstationen seien ein Vorteil gewesen, sagt Fuxa, aber keine Voraussetzung. Wie sich die Stellenausschreibungen immer an Berufseinsteiger wie an Erfahrene richten. Was sie so an ihrerm Job schätzt, ist die Dynamik. Die Arbeitsbelastung sei zwar hoch - sie selbst ist mit dem Thema Freizügigkeit befasst und bearbeitet unter anderem die Auswirkungen des Brexit auf die Aufenthaltsberechtigungen von EU-Bürgern in Großbritannien und von Briten in den EU-Ländern - doch man habe enorme Lern- und Entwicklungsmöglichkeiten. Und permanenten Austausch mit Menschen aus den verschiedenen EU-Ländern.

Anastasia Fuxa
Anastasia Fuxa(c) HBF

Zurück zum Aufnahmeverfahren. Es gelte, bei jedem der Tests die eigenen Kompetenzen ideal zu präsentieren. Dafür sei es wichtig zu wissen, worauf die Prüfer bei den einzelnen Testungen speziell schauen würden. Da seien, die Angebote, die Piska-Schmidt mit ihrem Team anbiete, sehr hilfreich. Aber auch die Vernetzung mit anderen Bewerbern, um sich gemeinsam vorzubereiten.


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("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.08.2020)