So weit sollen sie auseinander bleiben in einem Park in Santiago. Immerhin können sie einander zurufen. Anderen erging es ärger.
Psyche

Höhlt Isolation das Hirn?

Studien nutzen das unfreiwillige Großexperiment, das zur Eindämmung der Pandemie läuft, um die psychischen Folgen der Distanz zu klären.

Nach vielem Zögern näherte sich Mus der Marmelade, ich bemerkte ihre glänzenden Augen und das seidige Fell. Dann schlage ich das Kochgeschirr hinab. Es ist gelungen! Wenigstens habe ich jetzt einen Gefährten in meiner Einsamkeit. Zum ersten Mal, seit ich in der Höhle bin, fühle ich eine Woge der Freude. Sorgfältig hebe ich die Kasserolle hoch. Mus liegt auf der Seite, sie ist still. Verzweiflung überwältigt mich.“

So schilderte der französische Höhlenforscher Michelle Siffre – wie alle Menschen ein animal sociale – 1972, wie es ihm erging nach fast einem halben Jahr in selbst gewählter Isolation: Er hatte sich, in einem Auftrag der Nasa, zurückgezogen in die „Midnight Cave“ in Texas, um die Auswirkungen der Abgeschiedenheit von der Außenwelt auf die innere Uhr zu erkunden. Ausgestattet war er mit Lebensmitteln und Büchern. Über Erstere machten sich Mäuse her – er schlug sie tot –, Letztere wurden von Schimmel zerfressen, und er wurde bald auch zerfressen, von der Abgeschiedenheit, sie stürzte ihn in Depressionen, Panikattacken, Selbstmordgedanken.