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Den Schrott im Weltraum sichtbar machen

Viel Schrott kreist um die Erde. Dieser Laser hilft dabei, die Dinge zu orten.
Viel Schrott kreist um die Erde. Dieser Laser hilft dabei, die Dinge zu orten.(c) Christian Kettenbach
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In der Erdumlaufbahn gibt es Trümmer, die für Satelliten und Astronauten gefährlich werden können. Mit Lasern können sie nun auch bei Tageslicht verfolgt werden.

Seit rund sechs Jahrzehnten betreiben Menschen Raumfahrt. Das hat auch einigen Müll erzeugt. Etwa weil Teile von Raketen abgesprengt werden, wenn sie starten. Oder weil Satelliten, die nicht mehr benötigt werden, einfach weiterhin um die Erde kreisen. Räumt hier denn niemand auf?

„Nein“, sagt Michael Steindorfer, der sich damit beschäftigt, diesen Weltraumschrott sichtbar zu machen. Eine Beseitigung sei bestenfalls Zukunftsmusik. Derzeit gibt es da draußen rund 30.000 Teile, die größer als zehn Zentimeter sind. Die Zahl der Stücke, die größer als einen Zentimeter sind, beläuft sich auf rund eine Million. Sie sind gefährlich für Astronauten und Satelliten: Mit einer Geschwindigkeit von sieben Kilometern pro Sekunde bewegt sich so ein kleines Stück Schrott um die Erde, das ist die siebenfache Geschwindigkeit einer Gewehrkugel. Wenn da ein Objekt in der Größe eines Zitronenkerns einen Satelliten trifft, gibt das schon einen Krater so groß wie eine Pizza.

3000 inaktive Satelliten. „Der Schrott wird definitiv noch zunehmen“, sagt Steindorfer. Derzeit gibt es 2000 aktive und 3000 inaktive Satelliten. Viele Großfirmen wie Amazon wollen eigene Satelliten ins All schießen, etwa um schnelles Internet aus dem Weltraum anbieten zu können. Rund 10.000 Satelliten könnten das sein. Damit nimmt auch der gefährliche Schrott zu. Doch es gibt eine gute Nachricht: Wissenschaftler vom Institut für Weltraumforschung haben in Graz einen Fortschritt bei der Entfernungsmessung größerer Teile gemacht.

Ein echt starker Laser. Den Forschern ist es gelungen, die Entfernung des Schrotts auch bei Tag zu messen. Aber wie geht dieses Sichtbarmachen von Objekten? Steindorfer erklärt das vereinfacht so: „Unser Laser schickt einen Lichtstrahl, er wird reflektiert. Wir stoppen sehr genau mit, wann das Licht wieder bei uns ankommt.“ Da muss man wirklich genau messen.

Natürlich funktioniert das nicht für die kleinsten Teilchen, aber bei einem Objekt, das etwa einen Meter oder größer ist, kann man so die Entfernung auf nur einen Meter bestimmen. So kann man Satelliten besser davor schützen, mit anderen zusammenzustoßen. Das sei ein erster Schritt zu einem effizienten Überwachungsnetz für Weltraumschrott. Der Laser, den die Forscher hierfür verwenden, ist natürlich sehr leistungsstark. Er sendet 200 Laserpulse pro Sekunde. Von den vielen Lichtteilchen, die da losgeschickt werden, kommen nur ganz wenige wieder zurück. Den grünen Lichtstrahl (du siehst ihn oben im Bild), der sich aus den vielen einzelnen Laserpulsen zusammensetzt, kann man auch als Spaziergänger in der Nähe des Observatoriums bei Graz sehen.

Es ist interessant, den Weltraum zu beobachten. Aber würde Steindorfer auch gern selbst in eine Rakete steigen und ins All fliegen? „Ja, das wäre schon sehr spannend. Aber es ist sehr unwahrscheinlich, denn man muss dafür enorm viel trainieren“, sagt er. Logisch: Der Mensch ist ja nicht für lange Reisen in Isolation und Schwerelosigkeit gemacht. Früher wurden amerikanische Astronauten zur Vorbereitung auf den Weltraum sogar im Dschungel abgesetzt. Ohne zu wissen, wo sie waren, ohne Hilfsmittel oder Anweisungen.

Eine Visualisierung des Schrotts im Weltraum.
Eine Visualisierung des Schrotts im Weltraum.(c) ESA

Viele Länder wollen ins All. Es gibt eine internationale Raumstation, die ISS. Sie ist eine Art riesiges Weltraumlabor und sehr berühmt. Viele Länder arbeiten zusammen, um sie zu betreiben und zu verbessern. Eigene bemannte Raumflüge (also solche mit Menschen an Bord) führten bisher aber nur die USA, Russland und China durch. Freilich träumen viele Länder von der Erforschung des Alls und von eigenen Raumstationen. Im Sommer konnte man etwa den ersten Countdown auf Arabisch hören. Du kennst das vielleicht: Wenn eine Rakete kurz vor dem Start steht, wird rückwärts gezählt, so wie zu Silvester, wenn Mitternacht naht. Jedenfalls haben die Vereinigten Arabischen Emirate ihre erste Raumsonde losgeschickt, sie soll im Februar den Mars erreichen, den man auch den Roten Planeten nennt.

Die superreichen Scheichtümer geben schon seit rund 15 Jahren viel Geld für die Raumfahrt aus, und die Marsmission soll erst der Anfang sein: Das Emirat Dubai will in ferner Zukunft sogar einen „Raumhafen“ bauen, um Touristenflüge ins All anzubieten.

Wie jetzt, Urlaub im All? Urlaub ist wahrscheinlich nicht das richtige Wort dafür. Essen gibt es aus Tüten oder Tuben, damit nicht alles herumschwebt. Und die Schwerelosigkeit kann sehr anstrengend sein. Aber natürlich ist es ein Menschheitstraum, auf die Erde herabzusehen. Schon vor zwanzig Jahren gab es zwei Männer, die dafür zahlten, auf die ISS mitgenommen zu werden. Und zwar richtig viel: etwa 20 Millionen US-Dollar.

Obwohl das natürlich auch gefährlich ist, gab es seitdem immer wieder einzelne „Touristen“. Private Unternehmen bemühen sich auch seit langer Zeit, Trägerraketen und Raumfahrzeuge zu entwickeln. Man will den Weltraum zugänglich machen, das dürfte allerdings immer eine Sache für sehr, sehr reiche Menschen bleiben. Außerdem: Wie viel Weltraumschrott würde erst um die Erde kreisen, wenn Reisen in den Weltraum normal wären? Aber vielleicht würde man sich dann auch endlich entschließen, einmal richtig aufzuräumen.

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.08.2020)