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"Kindsköpfe" im Kino: Adam Sandler und die Angst

(c) Sony
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Stars beim Komödianten-Klassentreffen: vielsagend müde. Die Zielgruppe muss weder auf schmerzhaften Weichteile-Slapstick verzichten noch auf sabbernde Reaktionen angesichts knackiger Mädels. Ab Freitag.

Willkommen zum Comedy-Klassentreffen! In Kindsköpfe spielt Hollywood-Star Adam Sandler mit einem Quartett anderer US-Erfolgskomödianten. Chris Rock, David Spade und Rob Schneider haben wie Sandler im Jahr 1990 bei der populären TV-Spaßshow „Saturday Night Live“ begonnen und so den Karrieregrundstein gelegt. Der vierte im damaligen Bunde, Chris Farley, ist früh gestorben. Als etwas weniger voluminöser Ersatz tut Kevin James („King of Queens“) sein Bestes, um als Zielscheibe für Scherze über Beleibtheit herzuhalten.

Von Anfang an erinnert Kindsköpfe an Filme, die in den 1990ern um „Saturday Night Live“-Komiker gestrickt wurden: Die Hauptfiguren werden als Teenager vorgestellt, die Casting-Abteilung hat sich ordentlich Mühe gegeben, dass die jugendlichen Pendants den Comedy-Stars auch ähnlich sehen. 1978 gewinnt das Bubenquintett eine Basketballmeisterschaft: „Ich will, dass ihr euer Leben genauso lebt, wie ihr dieses Spiel gespielt habt!“, ruft der Coach. 30 Jahre später gibt es ein Wiedersehen bei dessen Begräbnis: Vom jugendlichen Enthusiasmus ist nur mehr wenig zu spüren. Im einstigen Sommerdomizil wird ein gemeinsames Wochenende im erweiterten Familienkreis – vier der fünf sind verheiratet, einer ist lüsterner Junggeselle geblieben – der Anlass zur Einkehr. Die Verwechslungsgefahr mit einschlägigen Ensemblefilmen über verlorene Jugendideale (meist der 68er, wie in Der große Frust) ist aber gering: Im Dienste bewährter Humorproduktion führen sich die fünf Kindmänner noch immer auf wie Teenager.

 

Weichteile-Slapstick und Midlife-Crisis

Die Zielgruppe muss weder auf schmerzhaften Weichteile-Slapstick verzichten noch auf sabbernde Reaktionen angesichts knackiger Mädels. Subtil die Fusion von Product-Placement und Ekelwitz: Des Trainers Asche tauscht ihren Urnenplatz schließlich mit einem Kentucky-Fried-Chicken-Kübel. Und im verpflichtenden Gastauftritt hängt Steve Buscemi buchstäblich herum, mit (für ihn) verlässlich desaströsem Resultat.

Der komische Gegensatz zwischen dem deutschen Titel Kindsköpfe und dem originalen – Grown Ups, Erwachsene – ist vielsagend: Das entspannte, fast nachlässige Gefühl von Schlendrian nahe der Midlife-Crisis kollidiert mit dem pubertären Humor, dessen Anarchie unter den Umständen verpufft. So erzählt der Film, wohl unbewusst, von der Furcht auf der Schattenseite eines erfolgreichen Traumfabrik-Marktsegments: Er ist ein Lustspiel über ewige Buben, die von der Angst vor dem Aufwachsen geradezu gelähmt sind – am deutlichsten zu spüren bei Chris Rocks häuslichem Schürzenträger.

Die Frau bleibt dagegen ein unbekanntes bzw. über eine Eigenschaft definiertes Wesen: Eine Gattin ist schwanger, eine säugt dauernd ihr „48-monatiges Baby“, eine ist echt alt und eine ist Salma Hayek. Abgesehen von Sandlers Figur, die wirklich einige erwachsene Probleme plagen, reagieren die Komödianten auf die Lebenskrise mit einer rätselhaften Mischung aus Regression und Resignation: Um zum Mittelklassedasein zu reifen, gilt es offenbar, die Enttäuschung zu akzeptieren. Dem Widerspruch zwischen Blödsinn und depressiver Erkenntnis stellt man sich bei aller Trägheit aber nie. Auch als Entertainment ist Kindsköpfe seltsam enttäuschend: Viele Witze bei diesem Wiedersehen sind viel zu müde, als wäre der Spaß den Stars so selbstverständlich, dass es sich kaum noch lohnte, wirklich lustig zu sein. Das wirkt manchmal sympathisch, aber meistens eher arrogant.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.08.2010)