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Salzburger Festspiele

„Like an Angel“: Sonya Yoncheva kann sogar Abba singen

Sonya Yoncheva besitzt keine Stimme zum bloßen Zurücklehnen.
Sonya Yoncheva besitzt keine Stimme zum bloßen Zurücklehnen.(c) Selzburger Festspiele (Javier del Real
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Auftakt zur Festspiel-Konzertreihe „Canto lirico“ mit der bulgarischen Sopranistin: elitäre Oper und populäre Klänge.

Sie habe dieses Rezital „Renaissance“ betitelt, verriet Sonya Yoncheva am Ende des offiziellen Programms. Musikhistorisch betrachtet stammte freilich der schöne Wechsel instrumentaler und vokaler Nummern, den das Publikum im Haus für Mozart gerade bejubelt hatte, hauptsächlich aus dem 17. Jahrhundert, aus Opern, Oratorien, Madrigalsammlungen und Sonaten von Monteverdi, Cavalli oder Stradella, aber auch aus Volksmusik des Mittel- und Schwarzmeerraums. Doch der Titel sei besser metaphorisch zu verstehen, betonte sie: als Wiedergeburt des Musizierens nach dem Lockdown.

Sonya Yoncheva besitzt keine Stimme zum bloßen Zurücklehnen, zum reinen Schwelgen im Wohlklang – doch das soll kein Tadel sein. Sie kann ihren Sopran zwar immer noch jugendlich schlank und hell einsetzen, sich aber genauso zu dramatischerer Fülle aufschwingen: Dann bestehen an Hoheit ihrer Opernfiguren und der Autorität ihrer musikalischen Rede kein Zweifel. Daneben wird auch das Lyrische nie dünn oder karg, sondern ist von Charakter durchpulst. Dass bei piano angesetzten Tönen genauso wie bei etwas unbequem liegenden Phrasen die Intonation manchmal minimal verrutschen, das Timbre einen Schuss Rauchigkeit bekommen und der Klang unstet werden kann, war zwar vernehmbar, verwandelte sich aber in der Regel mit sofortigem Gewinn in puren Ausdruck – in der berühmten Sterbe-Arie der Dido etwa, „When I am laid in earth“ aus Henry Purcells „Dido and Aeneas“. Zu ihr hatte „Ojos, pues me desdeñáis“ des Spaniers José Marín hingeleitet – in einer der stimmungsvollen Bearbeitungen von Quito Gato: Er drückte diesen knapp eineinhalb Stunden auch an diversen Lauteninstrumenten seinen Stempel auf, zusammen mit Leonardo García Alarcón an Orgel und Cembalo, dem Gründer und Leiter der wunderbar einfühlsamen Cappella Mediterranea und einst ein Lehrer Yonchevas.