Der DAX-Konzern meldet "wesentliche Fortschritte" bei Verkaufsgesprächen. Die betreffende Sparte Wireless Solutions entwickelt Funkchips für Handys und hat im abgelaufenen Geschäftsjahr 917 Mio. Euro Umsatz erwirtschaftet.
Wien (mar/ag). Der deutsche Halbleiterhersteller Infineon treibt die Gespräche über den Verkauf seiner Mobilfunkchipsparte voran. In den Verhandlungen seien „wesentliche Fortschritte“ erzielt worden, teilte der DAX-Konzern mit, der mit Infineon Technologies Austria auch über einen großen Standort in Österreich verfügt.
Zu den Verkaufsgesprächen wollte ein Sprecher auf Anfrage keine weiteren Details nennen. Zuvor hat die US-Zeitung „Wall Street Journal“ unter Berufung auf mehrere Eingeweihte gemeldet, es würden Gespräche mit dem US-Chiphersteller Intel, dem südkoreanischen Konzern Samsung Electronics und dem US-Technologiekonzern Broadcom geführt.
Die betreffende Sparte Wireless Solutions (WLS) entwickelt Funkchips für Handys. Die Sparte hat im abgelaufenen Geschäftsjahr 917 Mio. Euro Umsatz erwirtschaftet, das ist rund ein Drittel der gesamten Konzernerlöse von 3,027 Mrd. Euro. Laut der US-Bank Citigroup ist die Sparte zwischen 900.000 und 1,5 Mrd. Dollar wert. Infineon verlangt dafür Beteiligten zufolge 1,5 Mrd. Euro.
Bei den Verhandlungen hat Intel offenbar die Nase vorn. Die Gespräche mit dem Technologieriesen aus Kalifornien seien in einem fortgeschrittenen Stadium, hieß es aus Finanzkreisen. Dafür spricht, dass Intel mit dem Kauf in den boomenden Markt mit Smartphones einsteigen könnte. Erst vor wenigen Wochen äußerte der US-Hersteller sein Interesse an entsprechenden Akquisitionen.
Rentabilität von sieben Prozent
Am heutigen Mittwoch tagt in München der Aufsichtsrat von Infineon. Eine Entscheidung zu WLS wird allerdings noch nicht erwartet– ein Verkaufsabschluss sei sowohl innerhalb weniger Tage als auch nach einigen Wochen denkbar, hieß es. Nachdem die Sparte jahrelang Verluste geschrieben hatte, wurde sie von Konzernchef Peter Bauer saniert und erwirtschaftet inzwischen die meisten Umsätze von Infineon. WLS wächst stark und beliefert unter anderem Nokia, Samsung und Apple.
Die Rentabilität der Mobilfunksparte liegt allerdings deutlich unter jener anderer Bereiche von Infineon. So erwirtschaftete der Konzern heuer im dritten Quartal eine Rendite (Ebit-Marge) von 13Prozent, während WLS sieben Prozent schaffte. „Es ist auch in Zukunft nicht absehbar, dass die Margen von Wireless Solutions auf das Niveau der Gruppe steigen“, sagt Theo Kitz, Analyst von Merck Finck in München.
Kitz äußert wie andere Branchenexperten die Hoffnung, dass Infineon mit dem Verkaufserlös von WLS seine Kernsparten Automotive sowie Industrie stärkt und hier die Margen weiter steigert. Auch neue Akquisitionen würden hier Kitz zufolge Sinn haben. Schließlich könnte Infineon mit dem Abstoßen von WLS vermeiden, in dem hart umkämpften Mobilfunkgeschäft erneut ins Hintertreffen zu geraten.
Intel wiederum würde damit nach dem verlustreichen Verkauf seiner Mobilfunkchip-Bereiche 2006 einen neuen Versuch in diesem Segment unternehmen.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.08.2010)