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Bildungspolitik

Schulstart: Unterricht im Freien, Gurgeltests alle drei Wochen

Schliessung Schulen und Kitas Berlin, 16.03.2020, zum letzten mal besuchen Schueler eine Grundschule in Berlin. Wegen de
imago images/Andreas Gora
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Die Schüler sollen sich nicht „durchmischen“, die Klassen gelüftet, eine Hotline eingerichtet werden, kündigt Bildungsminister Faßmann an. Schulschließungen und „Distance Learning“ sind dennoch nicht ausgeschlossen.

In wenigen Wochen beginnt für die 1,1 Millionen Schüler in Österreich das neue Schuljahr. Doch: Wie soll dieses in Zeiten, in denen täglich neue Infektionen mit dem Erreger Sars-CoV-2 bekannt werden, aussehen? So normal wie möglich, betont Bildungsminister Heinz Faßmann am Montag: „Ich will ab Herbst einen normalen Regelbetrieb in den Schulen und Kinderbetreuungseinrichtungen.“ Die Kinder und Jugendlichen sollen „gut betreut und ordentlichen unterrichtet werden“ und zwar in „einer sicheren Umgebung“, damit sich „die Eltern keine Sorgen machen“. 

Aber der Ressortchef warnte vor zu viel Optimismus: „Es wird zu Schulschließungen kommen, es wird zu 'Distance Learning' kommen“, so Faßmann, um dann nachzusetzen: „Den generellen Lockdown werden wir aber zu verhindern versuchen.“ 

Konkret bedeutet das: Schulen und Kinderbetreuungseinrichtungen werden im Herbst „ohne Schichtbetrieb oder halbe Klassen“ wieder öffnen. Dafür aber mit einem speziellen Brief an die Eltern: In diesem Schreiben - Faßmann will es in mehreren Sprachen verfassen - sollen Hygieneregeln (etwa Händewaschen, Hust- und Niesverhalten, Abstandhalten) erklärt werden. Auch mit den Lehrern bzw. Schulen will der Ministern demnächst Kontakt aufnehmen und besprechen, wie Räume und Pausen gestaltet werden sollen.

Nicht zur Debatte stehen indes folgende Punkte:

  • Alle zwanzig Minuten sollen die Klassenräume für fünf Minuten gelüftet werden - auch, wenn es im Herbst und Winter kühler wird. Dann „nimmt man den Anorak mit in die Klasse“, so Faßmann.

  • So viel Unterricht wie möglich soll im Freien stattfinden“, betont der Minister. Ja, das sei im ländlichen Bereich sicherlich leichter umsetzbar, man möchte sich aber doch bemühen, meinte Faßmann und nannte Beispiele: Wenn man gerade die Laubbäume durchnehme, könne man das auch im Park machen. Sport und Musikerziehung seien unter freiem Himmel ebenfalls möglich. Außerdem: „Ein Aufsatz lässt sich wohl auch im Freien diskutieren, so lange das die Witterung zulässt."

  • Masken müssen im Unterricht nicht getragen werden, wohl aber mache ein Mund-Nasen-Schutz im Eingangs- und Gangbereich Sinn, sagte Faßmann. Denn: Es handele sich dabei um eine Vorsichtsmaßnahme: „Wenn alle das machen, bin ich selbst auch geschützt.“ Auch an Universitäten müssten während Vorlesungen keine Masken getragen werden.

  • Die Klassen sollen als Klassengemeinschaft betrachtet werden. Das bedeutet: Die Schüler der einen sollen sich wenig bis gar nicht mit den Schülern anderer Klassen „durchmischen“, um etwaige Infektionen zu vermeiden. Das müsse bei der Pausengestaltung beachtet werden.

  • Eine eigene Corona-Ampel für Schulen wird es nicht geben, wohl aber sollen die Schulmaßnahmen an die generelle Coronaampel, die ab Herbst in Österreich in Betrieb gehen soll, gekoppelt werden: Grün bedeute „so etwas wie Normalbetrieb“, Gelb, dass die Infektion voranschreite und außerhalb der Klassen Masken zu tragen seien. Orange signalisiere eine „deutliche Ausbreitung" der Infektion, weshalb bei älteren Schülern dann ein „hybrides Unterrichten" möglich wird (gemeint ist ein Wechsel zwischen „Distance Learning“ und Schulunterricht). Stellt die Ampel auf Rot, kommt es zum völligen Umstellung auf „Distance Learning".

  • Um auf Phasen des „Distance Learnings“ vorbereitet zu sein, soll ein eigenes Portal eingerichtet werden, an dem seit Juli gearbeitet werde. Dort zu finden sein wird u.a. ein digitales Klassenbuch.

  • Lehrer, die in Risikogruppen fallen, können sich vom Präsenzunterricht mit ärztlichen Attesten befreien lassen. Zudem soll für Lehrer Impfdosen der Grippeschutzimpfungen bereitgestellt werden, ebenso wie FFP2-Masken.

  • Mit dem Schulstart nimmt eine Corona-Schul-Hotline ihren Betrieb auf. Hier sollen Eltern, Schüler, aber auch Lehrer Antworten auf Fragen „im Zusammenhang mit Schulen" erhalten.

  • Schulveranstaltungen, Sprachreisen oder Skikurse sind nicht verboten, sondern obliegen der Schule, so Faßmann. Diese müsse vorab prüfen, wie riskant deren Abhaltung sei und sich jedenfalls mit den Stornobedingungen auseinandersetzen.

  • An den Schulen wird ein Monitoring stattfinden. Davon erhofft sich Faßmann Aufschluss darüber, wie es um das „wahre Ausmaß" der Infektionen mit dem Coronavirus bestellt ist. Aufschluss geben soll die sogenannte „Gurgelwassermethode“.


Für das Monitoringprogramm spreche, so ergänzte Michael Wagner von der Universität Wien, der die „Gurgelwassermethode“ mitentwickelt hat, dass Kinder bei einer Infektion mit dem Coronavirus meist asymptomatisch seien. Sie husten und schnupfen also nur selten und stecken dadurch weniger Personen an, als Erwachsene. Das könnte sich im Herbst jedoch ändern, wenn Kinder etwa eine Erkältung bekommen, also eine Doppelinfektion vorliege. Insofern sei es wichtig, die Kinder „Gurgeltests“ machen zu lassen.

Konkret sollen 15.000 Schülerinnen und Schüler österreichweit alle drei Wochen getestet werden, um eine repräsentative Stichprobe zu haben. Die Kapazitäten dafür seien bereits sichergestellt, so Wagner. Ist ein Schüler positiv, so sollen seine Mitschüler so lange in der Klasse bleiben, bis die Gesundheitsbehörden kommen - sofern das nicht zu lange dauert. „Die Kinder werden aber nicht 24 Stunden in der Schule bleiben müssen", räumte Faßmann sogleich ein. Eher würden sie nach Hause in die Quarantäne geschickt.

Wird ein Krankheitsfall hingegen außerhalb der Schule bemerkt, „dann sind sie (die Kinder, Anm.) nicht in die Schule zu bringen“, betonte Faßmann. Schon bei Krankheitssymptomen - sie sollen im vom Minister angekündigten Elternbrief aufgelistet werden - sei die Schule nicht der richtige Ort für Kinder.