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Kolumne

Sauregurkenzeit für Traumjobs

Trotzdem Abheben zum Traumjob
Trotzdem Abheben zum Traumjob(c) Getty Images (pinstock)
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Auf zum Traumjob. Folge 20. Traumjobs fallen nicht vom Himmel, aber...

Aufgrund der Trockenheit im Sommer hören auch die Traumjobs auf zu wachsen, meint so manche BewerberIn. Was also bleibt zu tun wenn die nächste Hitzewelle anrollt und der Regen ausbleibt?

„Im Sommer brauche ich mich ja eh nicht zu bewerben“ – ich mache erst im Herbst mit meinen Bewerbungen weiter oder jetzt sind ja sowieso alle auf Urlaub“ – das und ähnliches höre ich regelmäßig von meinen New/Outplacement KandidatInnen.

 Und wieder verstreichen so zumindest zwei Monate Bewerbungszeit, was in weiterer Folge dazu führt, dass spätestens im Herbst die große Panik ausbricht, weil weit und breit keine Interviews Sicht sind und sich die Existenzängste verstärkt haben.

Dieser unangenehme Zustand ist dann jedoch hausgemacht, weil ja sonnenklar ist, dass der Einladung zu einem Interview auch gewisse Bewerbungsaktivitäten vorausgehen müssen. Viele BewerberInnen sind in dieser Zeit hin und hergerissen zwischen dem Wunsch nach Erholung einerseits und ihrem Ziel den nächsten Job zu finden andererseits.

Urlaubsgefühle während Jobsuchzeit

Selbstverständlich gehen die Recruitingaktivitäten von Unternehmen während der Urlaubszeit zurück bzw. verlängern sich durch die Abwesenheit von RecruiterInnen oder werden über den Sommer schon mal ausgetimed.

Einen völligen Recruitingstopp gibt es allerdings während der Badesaison nicht und vor allem dringend benötigte Positionen werden auch in der Sauregurkenzeit weiterhin besetzt. Das gilt es für BewerberInnen einzuschätzen, bevor man sich selbst eine Generalamnestie vom Bewerbungsprozess ausstellt und ins „dolce fa niente“ abdampft.

Was es dabei jedoch zu berücksichtigen gilt ist folgendes und zwar gelingt es nur den wenigsten diese selbstgenehmigte Auszeit auch voll und ganz zu genießen. Meistens beschäftigt sich der Kopf auch währenddessen weiter mit der aktuellen Situation und anstatt ein außergewöhnliches Urlaubserlebnis nach dem anderen aneinanderzureihen und Kraft zu tanken steigert sich das schlechte Gewissen von Tag zu Tag.

Die BewerberInnen kommen aus dem schönsten Urlaub unenspannter zurück als vor der Abreise. Der Punkt ist nämlich unsere ungelösten Anliegen fahren in der Regel mit auf Urlaub und lassen sich nicht so einfach abstellen. Was hier im Wege steht ist sehr oft über die Jahre erlernte Gewohnheiten.

Wenn wir im Arbeitsleben stehen, dann stellt für viele der Urlaub, die lang ersehnte Erholung dar. Gerade kurz davor steigt das gefühlte Stresslevel nochmal an. Und selbst wenn sich der Kopf die ersten Tage noch mit Arbeitsthemen beschäftigt so gelingt es dann doch ganz gut irgendwann abzuschalten und zu genießen.

Ein Stück weit ja auch weil wir den Urlaub ja sozusagen verdient haben. Verstärkend wirkt in dieser Sache noch, dass wir uns den Urlaub ja auch genehmigen lassen mussten. Es wurde also quasi von dritter Seite abgesegnet, dass wir auf Urlaub fahren dürfen. Die Kombination daraus ist sehr machtvoll und wir Menschen sind ja schließlich auch Gewohnheitstiere.

Auszeit vom Bewerbungsprozess, aber wie?

Das bleibt natürlich vielen New/Outplacement KundInnen in der Wechselphase erhalten. Deshalb fragen viele tatsächlich nach, ob sie während ihres New/Outplacement Programmes auf Urlaub fahren dürfen. Ein weiterer Punkt ist die gesellschaftliche Wahrnehmung von Arbeitslosigkeit an sich.

Sie ist in unserer Gesellschaft noch heute ein Tabuthema und Menschen, die den Job verlieren werden noch immer kritisch beäugt. Das, obwohl die Zeit der Lifetime-Employments schon seit einiger Zeit vorüber ist. Die vorherrschende Meinung ist, wer keine Lohnarbeit ausübt, arbeitet nicht im eigentlichen Sinne.

Deshalb fällt es den meisten dann auch so schwer in dieser Zeit eine Pause einzulegen, ohne sich dabei selbst Vorwürfe zu machen, obwohl das Gegenteil der Fall ist. Die Jobsuche ist eine sehr anstrengende und zeitfüllende Angelegenheit und die BewerberInnen haben währenddessen sehr viel Neues zu lernen.

Bewerbungsarbeit ist für die meisten ja keine Routinetätigkeit, weshalb Erholungsphasen ganz selbstverständlich und notwendig sind. Außerdem kommt noch hinzu, dass die emotionale Beanspruchung in einer Jobwechselphase ebenfalls höher ist.

Aufgrund dessen ist es nicht verwunderlich, dass nach einigen Monaten Jobsuchzeit die Luft schon mal draußen ist und die BewerberInnen sich lustlos fühlen. Spätestens dann empfehle ich meinen New/Outplacement KundInnen einen Zwischenstop einzulegen.

Wichtig ist nur, dass der zeitliche Rahmen vorab ganz klar festgelegt wird, ähnlich wie im Arbeitsleben auch. Uneingeschränktes Faulenzen gelingt gerade in dieser Phase nicht. In der Regel fühlen sich mehrere Unterbrechnungen besser an als eine lange Pause.

Ein weiterer Trick ist es die eigenen Zielvorgaben vor dem Beginn der Ruhepause einzuarbeiten. Das lässt sich leicht bewerkstelligen wenn beispielsweise in den Wochen davor anstatt fünf eben sieben Bewerbungen zu verschicken oder mehr Kontakte als üblich pro Woche zu machen. Wenn das nicht mit Inseraten gelingt dann werden eben mal Initiativbewerbungen eingeschoben.

Dadurch verstärkt sich das Gefühl die Auszeit verdient zu haben. Weiters ist es hilfreich schon vor Urlaubsbeginn festzulegen, womit man nach der Auszeit fortfahren will. Dann gelingt der Einstieg in den Bewerbungsprozess wieder leichter. Aja und was die Genehmigung betrifft, darf darauf diesmal gerne mal verzichtet werdenJ!

 

Gutes Gelingen!

Michael Hanschitz

 

Michael Hanschitz ist seit nunmehr 15 Jahren als New/Outplacementberater, Autor und Karrierecoach tätig. Er ist Gründer des Beratungsunternehmens Outplacementberatung (www.outplacementberatung.co.at) und Autor des Buches Menschen fair behandeln. Mit seiner Arbeit unterstützt er Menschen und Organisationen in schwierigen Veränderungsprozessen. Beraten mit Herz und Verstand lautet seine Devise.

Michael Hanschitz
Michael Hanschitz(c) Marek Knopp

 

 

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