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Gastkommentar

Mit dem Balkan spielt man nicht

People are seen at Banje beach in Dubrovnik
REUTERS
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Die Schuldzuweisungsindustrie hat in diesem Sommer Hochkonjunktur, über den Tourismus wird der Hebel angesetzt.

Manche Viren haben die Eigenheit, mit Mutationen alle 100 Jahre wieder in Erscheinung zu treten. Eines davon könnte man das sommerliche Balkan-Virus nennen, das im österreichischen Außenministerium einen besonderen Nährboden gefunden hat. Es zeichnet sich dadurch aus, dass nach einmonatiger Überlegungsfrist eine dreitägige Deadline mit überzogenen Forderungen gesetzt wird, die ohne Bedacht auf die Folgewirkungen Entschlossenheit signalisieren sollen.

Die österreichische Regierung hat also wegen 300 in unbekannter Intensität Infizierten rund 40.000 Landsleute zur Rückreise aus einem Land aufgerufen, das sich – wie viele europäische Länder – um jeden Touristen bemüht. Rund jedes zweite Hotel in Kroatien ist sowieso geschlossen, weil es nach der ersten Coronawelle im Frühjahr nicht mehr aufgesperrt wurde. Die übrigen haben in Hygiene und Abstand investiert und die Auslastungsquote zugunsten der Gesundheit so sichtbar gesenkt, dass Deckungsbeiträge kaum erwirtschaftet werden können. Darunter sind auch Betriebe in österreichischem Besitz. Alle Investitionen in Sterilität und Distanz scheinen sich nicht ausgezahlt zu haben. Nun verlassen auch jene Touristen, die alle Vorsichtsmaßnahmen gewissenhaft gelebt haben, so keimfrei wie noch nie das Land. Das Personal wird entlassen, ein Teil der noch geöffneten Hotels dürfte bald schließen.