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Nach Beirut-Explosion: Haftbefehl gegen Zollchef des Hafens

Bei der Explosion getötete Feuerwehrmänner wurden am Montag in Beirut zu Grabe getragen.
Bei der Explosion getötete Feuerwehrmänner wurden am Montag in Beirut zu Grabe getragen.imago images/Xinhua
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Mehr als 16 Personen sollen im Zuge der Ermittlungen bisher festgenommen worden sein. Als Folge der Explosionskatastrophe  sind inzwischen auch die Kapazitäten für Corona-Patienten in Beiruts Krankenhäusern nahezu erschöpft.

Nach der massiven Explosion in Beirut hat ein Richter einen Haftbefehl gegen den Zollchef des Hafens erlassen. Der Richter habe Badri Dahir viereinhalb Stunden befragt, ehe er seine Verhaftung anordnete, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur NNA am Montag. Mehr als 16 Personen seien im Zuge der Ermittlungen zu der Katastrophe bisher festgenommen worden, hieß es aus Justizkreisen.

Zollchef Dahir, sein Vorgänger Schafik Marhi sowie Hafendirektor Hassan Kuraitim waren bereits am 7. August festgenommen worden. Die verheerende Explosion am 4. August mit mindestens 180 Toten und rund 6.000 Verletzten soll durch große Mengen Ammoniumnitrat verursacht worden sein. Diese waren nach Regierungsangaben über Jahre ohne Sicherheitsvorkehrungen im Hafen gelagert worden. 300.000 Menschen wurden obdachlos, große Teile der Stadt stark beschädigt.

Gesundheitsminister fordert Corona-Lockdown

Nach der verheerenden Explosion im Hafen von Beirut sind die Kapazitäten in der libanesischen Hauptstadt für die Behandlung von Corona-Patienten nahezu erschöpft. "Staatliche und private Krankenhäuser insbesondere in der Hauptstadt haben sehr begrenzte Kapazitäten, sowohl was Intensivbetten als auch Beatmungsgeräte angeht", sagte der libanesische Gesundheitsminister Hamad Hassan am Montag.

"Wir stehen am Abgrund, wir haben nicht den Luxus, uns Zeit zu lassen", sagte er bei einer Pressekonferenz. Hassan warb daher für eine "harte Entscheidung" der Behörden für einen erneuten zweiwöchigen Lockdown im Libanon, um die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus einzudämmen.

Im Hafen von Beirut waren am 4. August 2.750 Tonnen Ammoniumnitrat explodiert, die ungesichert in einer Halle lagerten. Mehr als 170 Menschen kamen ums Leben, mehr als 6.500 weitere wurden verletzt. Die Stadt wurde in weiten Teilen verwüstet, etwa 300.000 Menschen wurden obdachlos.

Krankenhäuser zerstört, andere überlastet

Das Gesundheitssystem in Beirut ist nun zum einen wegen der zahlreichen Verletzten überlastet. Zum anderen zerstörte oder beschädigte die Explosion mehrere Krankenhäuser und andere medizinische Versorgungseinrichtungen. Außerdem mache das durch das folgenschwere Unglück verursachte Chaos es den Behörden schwer, die Einhaltung von Corona-Schutzmaßnahmen durchzusetzen, sagte Gesundheitsminister Hassan.

Schon in den Wochen vor der Explosion hatten die Zahlen der täglichen Corona-Neuansteckungen und -Todesfälle im Libanon zugenommen. Nach der Explosion erreichten sie dann neue Höchststände. Am Sonntag wurde ein Rekord von 439 Neuinfektionen binnen 24 Stunden verzeichnet. Seit dem ersten Ausbruch im Februar wurden im Libanon insgesamt 8.881 Ansteckungen und 103 Todesfälle registriert.

 

 
 

(APA/AFP)