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Innere Stadt: Fällt die schwarze Hochburg?

Alte Bekannte, neue Gesichter und Streit in den Parteien: Im ersten Bezirk wird es am 11. Oktober spannend. Zuletzt kam die zweitplatzierte SPÖ der ÖVP so nahe, wie nie zuvor.

Wer in Wien wohnt, bekommt ihn dann gar nicht so oft zu Gesicht - den berühmten "Steffl". Denn in den ersten Bezirk fährt man vor allem dann, wenn man in der Stadt urlaubt oder dort arbeitet. Trotzdem hat der Bezirk politische Symbolkraft, schließlich ist er das Zentrum Wiens.

Politische Ausgangslage

Seit 1946 stellt die ÖVP im ersten Bezirk durchgehend den Bezirksvorsteher - eine schwarz/türkise Hochburg im roten Wien also. Spätestens seit der letzten Wien-Wahl kommt sie aber immer mehr in Bedrängnis, vor allem durch die SPÖ. 2015 wurde es so knapp wie nie: Die ÖVP verlor über 12 Prozentpunkte, der Vorsprung zur SPÖ lag dadurch nur noch bei 1,5 Prozentpunkten.

Die ÖVP stellte damals nicht mehr Ursula Stenzel auf, sondern Markus Figl, der schließlich das Amt des Bezirksvorstehers besetzte. Zehn Jahre lang war Stenzel Bezirkschefin gewesen, noch vor der Wahl wechselte sie 2015 zur FPÖ - die bei der Wahl über acht Prozentpunkte dazugewann. Auch heuer schicken die Blauen die umstrittene Ex-ORF-Moderatorin ins Rennen, die damit ihren Nachfolger Figl herausfordert.

In der roten Bezirkspartei kam es vor der Wahl zu Spannungen: Die stellvertretende Bezirksvorsteherin Mireille Ngosso hatte bei der Bezirkskonferenz keine Mehrheit als Spitzenkandidatin bekommen. Die SPÖ kämpft nun mit der ehemaligen ÖH-Vorsitzenden Lucia Grabetz um den ersten Platz im Bezirk. Auch die Neos verloren eine Art Zugpferd: Gregor Raidl, Vizeklubchef im ersten Bezirk und Sohn von Ex-Notenbank-Präsident Claus Raidl, wechselte im Juni zur Wiener ÖVP. Für die Pinken geht nun Christoph Hilscher ins Rennen. Die Grünen treten mit ihrem Klubobmann im Bezirk, Alexander Hirschenhauser, an.

Verkehr

Besonders ein Thema dominiert den Wahlkampf im ersten Bezirk: Die "autofreie Innenstadt". Mit dem türkisen Bezirksvorsteher Figl hatte die grüne Vizebürgermeisterin und Verkehrsstadträtin Birgit Hebein ein Konzept entworfen, um den Bezirk - abgesehen von zahlreichen Ausnahmen wie Anrainern oder Taxis - "autofrei" zu machen. Der Plan zum Fahrverbot bekam viel Gegenwind. Der rote Bürgermeister Michael Ludwig erteilte eine Absage, Spitzenkandidatin Grabetz kritisierte das Fahrverbot als "Schnellschuss" vor der Wahl. Und Stenzel bezeichnete Figl gar als "Handlanger der Grünen". Dieser ruderte zurück und stellte sich gegen das Konzept: Er sei bei der geplanten Verordnung zu wenig eingebunden gewesen.

Ebenso hitzig ist das Thema Parken: Im September wurden die Anrainerparkplätze mit Zusatztafeln versehen, an Werktagen dürfen dort von acht bis 16 Uhr auch Betriebe und soziale Dienste parken. Die damalige grüne Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou hatte 2018 die Parkplätze für Handwerker und soziale Dienste geöffnet. Figl hat sein Veto aufgegeben - er wollte die Parkplätze nur für Bewohner reservieren.

Lebensqualität

Von ihnen gibt es im Bezirk immer weniger: Die Bewohnerzahlen sinken seit den letzten Jahren, zuletzt waren es laut Zahlen der Stadt um die 16.300. Ein Viertel von ihnen ist älter als 65 Jahre, junge Menschen können sich die Mieten kaum leisten. Ausgestorben ist der Bezirk aber nicht - durch die vielen Menschen die dort arbeiten oder urlauben. Um die 100.000 Erwerbstätige pendeln in die Innere Stadt zu ihrem Arbeitsplatz.

Die ÖVP fordert im Wahlkampf im Bezirk mehr "Platz zum Verweilen, frei von Konsumation, Touristenangeboten, Hütten und Werbeständern". Auch die SPÖ setzt auf "Grätzel stärken, nachbarschaftliche Solidarität fördern und den innerstädtischen Lebensraum erhalten." Und Stenzel fordert, dass die "Lärm-Folter und Ruhestörung" aufhören müsse.

Fun Fact

Was der erste Bezirk aber jedenfalls bieten kann sind historische Bauten, ein Stück Wiener Lebensgefühl und einige Kuriositäten: In der Inneren Stadt findet sich etwa die kleinste Gasse der Stadt. Nur 17,5 Meter ist die Irisgasse lang, nahe des Schwarzen Kameels. Und darunter verläuft fast über die gesamte Länge eine Toilettenanlage.

Bis zur Wien-Wahl am 11. Oktober beleuchtet „Die Presse" ausgewählte Wiener Bezirke mit ihren Eigenheiten.

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