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Verkehr

Ein schwarzes Halbjahr für die Luftfahrt

Die Presse/Clemens Fabry
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In den ersten sechs Monaten sind die Passagierzahlen am Flughafen Wien um 65 Prozent eingebrochen. Auch im Juli war man meilenweit vom Vorjahr entfernt. Das bringt dem Flughafen erstmals einen Quartalsverlust.

Dass das erste Halbjahr 2020 für die Luftfahrt bis dahin ungekannte Einschränkungen gebracht hat, ist hinlänglich bekannt. Wie drastisch die Situation in Summe wirklich war, wurde gestern, Dienstag, anlässlich der Halbjahreszahlen des Wiener Flughafens klar. Demnach brachen die Passagierzahlen in den ersten sechs Monaten um 65 Prozent ein. Wurden im Vorjahr von Jänner bis Juni noch fast 15 Millionen Passagiere am Flughafen abgefertigt, so waren es heuer nur knapp 5,1 Millionen. Und der Großteil davon entfiel auf die Zeit vor Ausbruch der Coronapandemie im Jänner und Februar.

Aber auch seit der Wiedereröffnung des Flugbetriebs ist die heimische Luftfahrt weit von ihrem früheren Niveau entfernt. So lagen die Passagierzahlen im Juli mit 576.370 Fluggästen um 81,8 Prozent unter dem Wert vom Juli 2019. In den ersten beiden Augustwochen ist die Zahl der Passagiere zwar leicht auf 25.000 pro Tag angestiegen (entspräche 750.000 im gesamten August). Die Zukunft hänge jedoch weiterhin sehr stark an der Entwicklung der Corona-Infektionen und der damit verbundenen Reisebestimmungen.

Für den Flughafen Wien bedeutet das den ersten Quartalsverlust der – zumindest jüngeren – Firmengeschichte. Stand Ende März noch ein Gewinn von 16,1 Millionen Euro zu Buche, beträgt der Verlust zum Halbjahr nun 18,2 Millionen Euro. Im Lockdown-Quartal von April bis Juni musste ein Verlust von 34,3 Millionen Euro hingenommen werden. Der Umsatz brach in der ersten Jahreshälfte um mehr als 50 Prozent auf 195,8 Millionen Euro ein. Der Airport drängt daher darauf, den Reiseverkehr zu erleichtern.

Gleichzeitig stellt man sich in der Flughafen-Führung auf eine längere Durststrecke ein. So schnürte das Unternehmen, an dem Wien und Niederösterreich je 20 Prozent halten, ein 220 Millionen Euro schweres Sparprogramm und kürzte die Investitionen um 100 Millionen Euro. Die rund 6000 Mitarbeiter sind in Kurzarbeit. Und auch bei längerfristigen Projekten wie der umstrittenen dritten Piste will der Vorstand die nächsten Jahre abwarten. Wie „Die Presse“ berichtete, will der Flughafen den Airlines und Betreibern von Shops finanziell entgegenkommen.

Kritik an Boni für AUA-Manager

Heftig von den Einschränkungen beim Flugverkehr betroffen waren naturgemäß auch die Fluglinien. Wie berichtet, musste etwa die zur Lufthansa gehörende AUA im Halbjahr einen operativen Verlust von knapp 300 Millionen Euro hinnehmen. Daher schnürten verschiedene Länder – darunter auch Österreich – Hilfspakete für die jeweiligen Fluglinien. Dass die AUA für 2019 dennoch 2,9 Millionen Euro Boni an 200 Führungskräfte auszahlte, sorgte am Dienstag für heftige Kritik von Gewerkschaft und Politik. „Diese Vorgangsweise ist für mich unverständlich. Auch wenn die aktuelle Thematik das Jahr 2019 betrifft, lässt diese Handlungsweise jede Sensibilität vermissen“, sagte Finanzminister Gernot Blümel.

„Mit öffentlichen Geldern unterstützte Unternehmen haben im Krisenjahr auf Managerboni zu verzichten. So haben wir das auch in den Richtlinien zu anderen Fördermaßnahmen verhandelt und ich bin froh, dass der Finanzminister diese Position auch persönlich mitträgt“, sagte Jakob Schwarz, Budgetsprecher der Grünen.

Die AUA verteidigte sich damit, dass die variablen Gehaltsbestandteile gegenüber 2018 um die Hälfte reduziert wurden. Heuer werde es aufgrund des erwarteten Verlustes gar keine Boni für das AUA-Management geben.


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