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Ermittlung

Ibiza-Video: Neues Transkript beleuchtet Straches Poker

Bestimmte Teile des behördlichen Transkripts des Videos enthalten punktuell auch Entlastendes für Heinz-Christian Strache.

Wien. Heinz-Christian Strache beteuert, die bisher veröffentlichten Passagen des Ibiza-Videos würden einen irreführenden Eindruck des Gesagten vermitteln. Von Korruption könne keine Rede sein. Der „Presse“ vorliegende Teile des Videotranskripts (dieses wurde von der Korruptionsstaatsanwaltschaft bzw. der Soko Ibiza angefertigt) zeichnen ein differenziertes – und auch derbes Bild.

Zum Thema „Wasserprivatisierung“ sagt Strache im Sommer 2017 in der Finca auf Ibiza: „. . . wir wollen das österreichische Wasser nicht privatisieren. Sondern wir wollen eine Struktur schaffen, wo wir das Wasser verkaufen als Trinkwasser.“

Der damalige FPÖ-Klubobmann Johann Gudenus stimmt ein: „Damit man die Schulden tilgen kann.“ Strache meint darauf im Beisein des weiblichen Lockvogels, also jener Frau, die sich als steinreiche Oligarchennichte ausgibt: „Wo der Staat eine Einnahme hat und derjenige, der das betreibt, genauso eine Einnahme hat.“ Und: „So und da kann man dann diskutieren. Das muss verkaufbar sein. Der Staat nimmt jährlich mit einem Produzenten, der das macht und verkauft und das Management macht, das und das ein. Und da ist halt der Staat mit so und so viel Prozent beteiligt. Ja? Das macht Sinn.“

Es gibt auch diesen Dialog: Gudenus erklärt, es gehe „um den Verkauf des Wassers und nicht des Eigentums“. Strache meint: „Schau, das ist vorstellbar. Aber eben immer nur unter der Bedingung, weil das ist genau das, wo die Österreicher besonders allergisch sind.“

An anderer Stelle ist von einer Geldspritze die Rede, welche die vermeintliche Oligarchin, sie nennt sich Alyona Makarowa, in Aussicht stellt. Mit dieser Summe, 270 Millionen Euro, will der ebenfalls in der Finca anwesende Sicherheitsmann Julian H. den beiden FPÖ-Politikern den Mund wässrig machen. Zur Erinnerung: H. hatte Makarowa engagiert. Das Haus war mit Minikameras gespickt. Was passierte, wurde in Bild und Ton aufgezeichnet.

H. stößt sich daran, dass Strache und Gudenus zuweilen auf die Bremse treten: „Ich versteh' eure Position, aber für sie (für Makarowa, Anm.) ist es schwer verständlich, dass sie sich quasi vorwagt in den legalen . . . In den Raum, ohne dass . . . Und sie bekommt zurück . . . innerhalb bla bla bla (. . .).“ H. weiter: „Schau, sie will hören: Ich bring 270 Millionen – innerhalb von so und so viel Zeitraum bekomme ich das zurück und ihr bekommt's das.“

Darauf Strache kühl: „Ja, aber das spielt's nicht.“ Gudenus verweist auf „legale Projekte“. Und H. meint: „Für sie ist es nicht verständlich, dass jemand, der in der Politik ist, nicht bereit ist, gewisse Ausnahmen zu treffen.“

Strache-Anwalt Johann Pauer gab zu bestimmten ausgewählten Passagen des Transkripts am Freitag eine Presseaussendung heraus. Es zeige sich, dass Strache das Ansinnen des Lockvogels „konsequent abgelehnt“ habe. Es sei somit „objektiviert“, dass sich Strache nicht zu rechtswidrigen Handlungen habe verleiten lassen. An einer Stelle habe der Ex-Politiker auch das gesagt: „No way, mach ich nicht, mach ich nicht, und bei mir nur gerade Geschichten, das musst du ihr vermitteln, ganz gerade Geschichten, aber sie kann sich darauf verlassen.“

Gegen den Ex-FPÖ-Chef läuft (unter anderem) wegen „Ibiza“ nach wie vor ein Ermittlungsverfahren. Etwa wegen des Verdachts der Bestechlichkeit und der Bestechung. Er weist alle Vorwürfe zurück.

Insgesamt dokumentieren diese Passagen (weite Teile des Transkripts wurden von den Behörden geschwärzt), dass viel durcheinandergeredet wurde, teilweise in vulgärem Ton. Gesprochen wurde eine Mischung aus Deutsch, Englisch und Russisch. Gudenus betätigte sich bekanntlich als Dolmetscher. Streckenweise sind die Aufnahmen unverständlich.

 

Eine „Oligarchin“ – gar nicht ladylike

Noch einmal zurück in die Finca. Die „Oligarchin“ gibt sich phasenweise gar nicht ladylike. So tut sie kund: „Ihr alle kommt aus Österreich. Ihr kommt von diesem Teil der Welt. Ich komme aus einem anderen. Ich habe ein anderes Verständnis. Ich möchte verstehen. Ich weiß . . . Man kann mich mit irgendwelchen Versprechungen nicht verarschen. Ehrlich gesagt, es geht mir schon am Arsch . . . (dann folgt eine unverständliche Passage, Anm.) – das kostet mich sehr viel Zeit.“

Das Ibiza-Video wird am 5. November im U-Ausschuss erörtert.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.08.2020)