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Es war ein „historischer Augenblick“ für Otto Molden, als er seine Gäste zum ersten Mal in Alpbach begrüßen konnte.
Alpbach

Ein kleines Gebirgsdorf als Fenster zur Welt

Ein schön gelegenes, völlig unberührtes Dorf in den Kitzbüheler Alpen mit dem sprechenden Namen Alpbach machte Karriere als erster intellektueller Treffpunkt nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Daraus wurde 75 Jahre hindurch eine fixe Instanz im geistigen Leben Österreichs.

Was war das für eine ehrgeizige Idee! Der noch nicht einmal 30 Jahre alte Otto Molden wollte, kaum war der Zweite Weltkrieg überstanden, eine Art Geburtsort des neuen Europas gründen. Achtzig Österreicher, Franzosen, Schweizer, Amerikaner – sie waren Wissenschaftler, Künstler, Studenten und Offiziere der französischen und amerikanischen Besatzungstruppen in Österreich – lud er in ein entlegenes Bergdorf in Tirol ein. Und zwar für den 25. August 1945. Die Kapitulation der japanischen Regierung war gerade erst fünfzehn Tage alt, die der Deutschen Wehrmacht rund hundert Tage, in der Atmosphäre lagen noch die Aschenteilchen, die durch die Atombomben von Hiroshima und Nagasaki hochgeschleudert worden waren. Kein Tag sollte nun versäumt werden, um für ein politisch und geistig vereintes Europa zusammenzustehen.

Den Namen des Ortes hatten die Eingeladenen, die „ersten Alpbacher“, wie man sie später nannte, noch nie in ihrem Leben gehört. Aber für ein meditatives, schöpferisches, geistiges Herangehen an das große Projekt erschien Alpbach als besonders gut geeignet. So überquerten die Eingeladenen also bei Brixlegg, wo in den letzten Kriegstagen die Eisenbahnbrücke über den Inn gesprengt worden war, mit französischen Pionieren den Fluss. Sie konnten ihren Koffer auf den Pferdewagen der „Lies“, einer Tiroler Frächterin, die fast täglich von Brixlegg nach Alpbach fuhr, legen und die zwölf Kilometer hinauf zu Fuß daneben gehen. Die Besatzer, Amerikaner und Franzosen, kamen mit ihren Jeeps, hatte jemand Glück, konnte er auf einen Lastwagen aufspringen.