Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Schnellauswahl
Fahndung

Synagogen-Angriff: Verdächtiger ist 31-jähriger Syrer

Eine Solidaritätskundgebung nach dem Angriff auf den Präsidenten der jüdischen Gemeinde in Graz
Eine Solidaritätskundgebung nach dem Angriff auf den Präsidenten der jüdischen Gemeinde in GrazAPA/INGRID KORNBERGER
  • Drucken

Dem Mann werden sieben Delikte zur Last gelegt - darunter der Anschlag auf den Präsidenten der Jüdischen Gemeinde in Graz. Rund 200 Menschen nahmen an einer Solidaritätskundgebung für Elie Rosen teil.

Nach den Angriffen auf die jüdische Gemeinde in Graz hat die Polizei am Sonntagabend einen Verdächtigen festgenommen. Das verkündete Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) via Twitter.

Der Polizei zufolge handelt es sich bei dem Verdächtigen um einen 31-jährigen Mann, geboren in Syrien, hieß es Montagfrüh. In den Nachtstunden haben erste Befragungen stattgefunden. Details werden erst bei der Pressekonferenz des Innenministeriums Montagmittag in Wien bekannt gegeben.

Der Mann wird für sieben Delikte in Graz verantwortlich gemacht - darunter für den Anschlag auf den Präsidenten der Jüdischen Gemeinde in Graz, Elie Rosen. Außerdem geht es um Sachbeschädigungen durch Steinwürfe und Schmieraktionen, unter anderem auf die Synagoge Graz, in einem Fall soll er es auch auf ein Etablissement im Rotlichtmilieu abgesehen haben. Ersten Informationen zufolge zeigte sich der Mann geständig.

Der Mann, der seit sechs Jahren in Österreich leben soll, dürfte auf einem Fahrrad unterwegs gewesen sein, als er von Beamten anhand der Fahndungsfotos erkannt wurde, berichten „Kronen Zeitung“ und „Kleine Zeitung“. Die Radstreife der Polizei hatte den Mann auf seinem roten Fahrrad in der Annenstraße gesehen und wiedererkannt. Fahndungsfotos waren erst am Vormittag ausgegeben worden und zeigten auch das Gesicht des Angreifers. Erst dürfte der Verdächtige die Flucht ergriffen haben, doch schließlich gab er auf und ließ sich festnehmen. Er kommt nun vorerst in die Justizanstalt Graz-Jakomini.

200 Menschen bei Solidaritätskundgebung

Nach dem tätlichen Angriff auf den Präsidenten der jüdischen Gemeinde hatten am Sonntagabend knapp 200 Frauen und Männer an einer Solidaritätskundgebung in Graz teilgenommen. Die Menschen zogen vom Hauptbahnhof zur Synagoge und sangen: "Schulter an Schulter gegen Rassismus". Die Kundgebung wurde von den Jüdischen österreichischen HochschülerInnen (JöH) organisiert und auch zahlreiche Regional- und Lokalpolitiker nahmen daran teil: Soziallandesrätin Doris Kampus (SPÖ), Kulturstadtrat Günter Riegler (ÖVP), die KPÖ-Stadträte Elke Kahr und Robert Krotzer, Grünen-Stadträtin Judith Schwentner und ihr Klubobmann Karl Dreisiebner, SPÖ-Chef Michael Ehmann und Neos-Klubobmann Niko Swatek.

Die FPÖ forderte unterdessen die Bundesregierung auf, für Sicherheit jüdischer Einrichtungen zu sorgen. Klubobmann Herbert Kickl gratulierte in einer Aussendung der Polizei in Graz "zum raschen Fahndungserfolg", kritisierte gleichzeitig jedoch die "vorangegangene Nachlässigkeit der Sicherheitsbehörden beim Schutz jüdischer Einrichtungen". "Es ist für mich nicht erklärbar, warum nach den bereits erfolgten Sachbeschädigungen nicht umgehend der Schutz verstärkt und die Gewaltattacke auf Elie Rosen dadurch verhindert wurde", sagte er.

Auch die UNO verurteilte den antisemitischen Anschlag am Sonntag. Der antisemitische Angriff auf Rosen sowie der Vandalismus in der Grazer Synagoge seien "verabscheuungswürdige Verbrechen", so der Hohe Repräsentant für die Allianz der Zivilisationen der Vereinten Nationen (UNAOC), Miguel Moratinos, am Abend in einer Aussendung. Alle Formen von Gewalt gegen religiöse Stätten und Gottesdienstbesucher, unabhängig von ihrem Glauben und ihren Überzeugungen, seien nicht zu rechtfertigen, so Moratinos.

Heute, Montagfrüh, findet im Innenministerium ein Treffen von Innenminister Karl Nehammer, Europaministerin Karoline Edtstadler (beide ÖVP), dem Präsidenten der jüdischen Gemeinde Graz, Elie Rosen, und dem Präsidenten der Israelitischen Kultusgemeinde Wien, Oskar Deutsch, statt.

(APA/Red.)