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Deutschen ist das iPhone zu gefährlich

Deutschen iPhone gefaehrlich
(c) AP (Kin Cheung)
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Die Regierung verbietet Mitarbeitern Smartphones aus Sicherheitsgründen. Das unbekümmerte Versenden von sensiblen Daten über die internetfähigen Handys sei zu gefährlich.

Wien (mac). Barack Obama hat eines, Österreichs Bundespräsident Heinz Fischer hat auch eines, Kanzler Werner Faymann hat sogar eines mit modischem Apfel-Logo. Nur die deutschen Regierungsmitarbeiter sollen darauf verzichten: auf ihre Smartphones von Blackberry und Apple.

Schon im November des Vorjahres mahnte das deutsche Innenministerium die übrigen Ressorts, auf die Nutzung der beliebten Geräte zu verzichten. Das unbekümmerte Versenden von sensiblen Daten über die internetfähigen Handys sei zu gefährlich, hieß es in dem Schreiben. Es ist nicht allein die Sorge vor der steigenden Zahl an Attacken von Cyberkriminellen auf mobile Endgeräte, die zu dieser Vorsichtsmaßnahme geführt hat. Etliche Regierungen stoßen sich auch daran, dass der kanadische Blackberry-Hersteller RIM seine Datenströme über Rechenzentren in Kanada und Großbritannien laufen lässt, deren Regierungen daher Zugriff auf die Daten haben könnten, so die Befürchtung. Saudiarabien wird aus diesem Grund heute, Freitag, einen Blackberry-Dienst sperren. Die Vereinigten Emirate und Indien kündigten ähnliche Schritte an.

 

EU-Kommission kauft 32.000iPhones

Auch die EU-Kommission hat sich kürzlich gegen den Kauf von 32.000Blackberrys für ihre Beamten entschieden und sattelt stattdessen auf das iPhone um.

Geht es nach dem deutschen Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) ist das keine gute Idee. Die Behörde deckte eben erst zwei grobe Sicherheitslücken beim iPhone auf. Dabei genügt es, im Internet auf den falschen Seiten unterwegs zu sein oder ein manipuliertes PDF-Dokument zu öffnen, um dem Angreifer ungewollt kompletten Zugriff auf das iPhone zu verschaffen. Auch wer sein Gerät mit einem Passwort schützt, hat in diesem Fall leider das Nachsehen. Ausgestattet mit Administrator-Rechten kann der Eindringling Passwörter ändern, E-Mails lesen, Gespräche mithören und den Standort des Nutzers bestimmen (Betroffen sind alle Geräte mit den Betriebssystem-Versionen 3.1.2 bis 4.0.1). Das Unternehmen teilte mit, die Sicherheitslücken bereits repariert zu haben. Mit dem nächsten Software-Update würden die Probleme bei den Kunden behoben. Wann es so weit sei, wurde jedoch nicht verraten.

 

Kein Verbot in Österreichs Ministerien

Laut einer Umfrage des Virenschutzanbieters Kaspersky ist die Beliebtheit der Smartphones in Deutschland dennoch ungebrochen. 38Prozent der Befragten gehen täglich mit dem Handy ins Internet. Jeder Zehnte speichert dort sensible Daten.

Deutsche Regierungsmitarbeiter müssen – zumindest beruflich – trotzdem weiterhin auf Blackberry und Co. verzichten. Einzig das Smartphone „Simko2“ der deutschen Telekom-Sparte T-Systems wird vom Innenministerium als sicher genug für den behördlichen Gebrauch eingestuft. Fünf Jahre lang hat T-Systems, aufbauend auf einem HTC-Modell, an der „abhörsicheren“ Blackberry-Alternative gearbeitet, die nicht nur die gesendeten Daten, sondern auch die Gerätesoftware verschlüsselt.

In Österreich wird all das nicht als Problem erkannt. Heimische Ministerien verwenden – mit Ausnahme des Innen- und Verteidigungsministeriums – alle gängigen Smartphones, hieß es auf Anfrage. Die Sicherheitsaspekte seien schon schon vor Jahren im Bundeskanzleramt untersucht worden. Smartphones werden seither als sicher eingestuft. Auch für die meisten heimischen Großbetrieben sind die Sicherheitslücken derzeit offenbar kein Thema. Die Mitarbeiter der Voest, der RZB und der OMV verwenden vorwiegend Blackberrys. Die Erste Bank verbietet hingegen Blackberrys und iPhones aus Sicherheitsgründen.

auf einen Blick

Deutschland verbietet Mitarbeitern der Regierung die Verwendung von Blackberrys und iPhones. Immer neue Sicherheitslücken bei den beliebten Smartphones würden den Gebrauch zu gefährlich machen.

Österreich ist entspannter. Die meisten Ministerien und Großbetriebe statten ihre Mitarbeiter hierzulande mit Smartphones aus.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.08.2010)