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Immofinanz muss abwerten

Die Coronakrise wirft Schatten: Die Immofinanz-Aktie hat sich heuer fast halbiert.
Die Coronakrise wirft Schatten: Die Immofinanz-Aktie hat sich heuer fast halbiert.(c) REUTERS (© Heinz-Peter Bader / Reuters)
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Die Immofinanz musste Immobilien in der Bilanz neu bewerten und fuhr deswegen einen hohen Verlust im Halbjahr ein.

Wien. Wegen weiterer Abwertungen infolge der Coronakrise hat die auf Büro- und Einzelhandelsimmobilien spezialisierte Immofinanz AG im zweiten Quartal noch mehr Verlust als zum Jahresauftakt erlitten. Im Halbjahr war das Konzernergebnis mit 120 Mio. Euro negativ, nach 185 Mio. Euro Gewinn im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Bis März hatte sich der Nettoverlust erst auf 38 Mio. Euro (nach 30 Mio. Euro Gewinn) belaufen.

Die Neubewertungen des Immobilienvermögens beliefen sich Covid-19-bedingt heuer im ersten Halbjahr auf minus 159 Mio. Euro nach deutlich positiven 124 Mio. Euro ein Jahr davor. Diese Abwertung entspreche rund 3,1 Prozent des gesamten Immobilienportfolios, erklärte die Immofinanz am Mittwochabend in einer Aussendung.

 

Dividende wird gestrichen

Das Vermietungsgeschäft läuft jedoch gut: Die Mieterlöse wuchsen im Jahresabstand um zehn Prozent auf 146 Mio. Euro. Das Ergebnis der Geschäftstätigkeit (Ebit) drehte allerdings von plus 203 Mio. im Vorjahr auf nunmehr 84 Mio. Euro ins Minus.

Die wichtige Cash-Generierungsgröße FFO 1 (vor Steuern) verringerte sich dagegen nur um ein Zehntel auf 53 Mio. Euro.

Der Nettovermögenswert (EPRA NAV) je Aktie beläuft sich auf 30,93 Euro und liegt damit deutlich über dem jüngsten Kurs von knapp 14 Euro. Das bedeutet, dass die Immofinanz-Aktie an der Börse deutlich weniger kostet als das Vermögen pro Aktie (abzüglich Schulden), dass man die Immobilien also quasi mit Rabatt bekommt. Die hohe Differenz zeigt jedoch, dass die Anleger das Risiko von Gewerbeimmobilien derzeit als besonders hoch ansehen.

Die Dividende für 2019 lässt das Unternehmen ausfallen, das haben Vorstand und Aufsichtsrat den Aktionären empfohlen. Die ordentliche Hauptversammlung wird am 1. Oktober virtuell abgehalten.

Die Immofinanz-Aktie gab nach der Bekanntgabe des Halbjahresberichts nach. Seit dem Zwischenhoch im Februar hat sie sich nahezu halbiert. Mit einem Minus von 42 Prozent seit Jahresbeginn hat sie sich noch schwächer entwickelt als der ATX (minus 30 Prozent). Bloomberg-Daten zufolge raten sieben Analysten zum Kauf und drei zum Halten. Auch beim Kursziel sind sie noch immer sehr optimistisch. Im Schnitt sehen sie für die Aktie ein Kurspotenzial von 74 Prozent. (APA/b. l.)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.08.2020)