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Proteste

Belarus: Sondereinheit nimmt Demonstranten und Journalisten fest

APA/AFP/SERGEI GAPON
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Eine Sonderpolizei löste in Minsk Proteste auf und nahm vor allem Männer fest. Weil sie über Protest in Minsk berichten wollten, wurden auch Journalisten festgenommen.

Die weißrussische Sonderpolizei OMON hat in Minsk Proteste gegen den umstrittenen Staatschef Alexander Lukaschenko aufgelöst und Dutzende Menschen festgenommen. Auch zahlreiche Journalisten kamen vorübergehend in Gewahrsam. Die Sicherheitskräfte mit schwarzen Gesichtsmasken kesselten am Donnerstagabend den Unabhängigkeitsplatz ein, wie ein dpa-Reporter von der Stelle berichtete.

Dort hatten sich Hunderte Menschen trotz eines Demonstrationsverbots friedlich versammelt. Sie riefen "Freiheit!" und "Uchodi!" ("Hau ab!"). Die Menschenrechtsorganisation Wesna in Minsk sprach am Abend von rund 100 Festnahmen.

Gewaltdrohung

Vor allem Männer wurden in Gewahrsam genommen und in Gefangenentransportern weggefahren. Die OMON war mit großen grünen Mannschaftswagen ohne Nummernschilder in Hundertschaften angerückt. In Lautsprecherdurchsagen wurde vor der nicht genehmigten Demonstration gewarnt – und offen mit Gewalt gedroht wegen der Teilnahme an der Kundgebung. Die Proteste richten sich gegen Lukaschenko, der das Land seit 26 Jahren mit harter Hand führt.

Während Männer abgeführt wurden, kamen die Frauen aus dem Kessel wieder frei: Sie zogen über die Straße Unabhängigkeitsprospekt und riefen "kaschdy den, kaschdy den!" – zu Deutsch: "Jeden Tag, jeden Tag". Die Wut der Menschen in Minsk war mit den Händen greifbar, nachdem am Vorabend in der katholischen Kirche auf dem Unabhängigkeitsplatz 40 Minuten lang Menschen von den OMON-Kräften festgehalten worden waren.

Aus Protest gegen die Willkür rief die Demokratiebewegung in Weißrussland Gläubige aller Religionsgemeinschaften zur Kundgebung am Donnerstag gegen den Polizeistaat auf. Hunderte Menschen waren dem Aufruf gefolgt. Sie sprachen laut Friedensgebete, als die Sicherheitskräfte einschritten. Seit der umstrittenen Präsidentenwahl vom 9. August gibt es Proteste und Streiks in den Staatsbetrieben gegen Lukaschenko, den seine Gegner als "letzten Diktator Europas" bezeichnen.

(APA)