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Maria Happel: Ihr Markenzeichen, das herzliche Lachen

Überall willkommen: Maria Happel.
Überall willkommen: Maria Happel.(c) Die Presse/Clemens Fabry
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Kulturerbe. Burgschauspielerin Maria Happel kann fast alles, sogar Orgelspielen und das Reinhardt-Seminar leiten. „Ohne Theater kann ich gar nicht sein“, sagt sie.

„Das Schnitzel ist umbesetzt“ heißt Maria Happels Buch, in dem sie sich über Theaterkapriolen lustig macht. Die Burgschauspielerin ist keine von den zerbrechlichen Kunstvestalinnen, aber von denen gibt es heute ohnehin nicht mehr viele. Wer auftritt, muss robust sein und sollte angesichts eines vollen Terminkalenders nicht verzweifeln. Happel spielt an der Burg, sie dreht, etwa mit Martina Ebm, die Anwaltskomödie „Dennstein & Schwarz“. Seit Mai dieses Jahres leitet die Künstlerin aus dem Spessart das Reinhardt-Seminar. Verheiratet ist sie mit Kollege Dirk Nocker, die beiden haben zwei fast erwachsene Töchter.

Happel ist das jüngste von fünf Kindern eines Winzers. Bereits als Jugendliche spielte sie in der Kirche Orgel. Sie ist ausgebildete Mezzo-Sopranistin. Als Powermutter war sie 2017 in der Volksoper im Musical „Gypsy“ zu erleben. Happel studierte in Hamburg. Gern erzählt sie, dass ihre Familie manchmal zu Aufführungen nach Wien kommt und sich dann wundert, was auf einer Bühne so alles passiert. Trotz ihres musikalischen Elternhauses musste sie sich mit ihren Theaterplänen daheim durchsetzen. Claus Peymann holte Happel 1991 ans Burgtheater. „Die Happel“ ist eine Institution, auch wenn ihre quirlige Lebhaftigkeit gegen einen derartig gravitätisch klingenden Ehrentitel spricht. Die so jovial wirkende kleine Dame, die gern auf hohen Stöckelschuhen einherschreitet, hat Durchsetzungsvermögen und Charisma.

Eine ihrer ersten Rollen am Burgtheater war die Marie, Julies Freundin in Molnárs „Liliom“ in der Regie von Paulus Manker. Als Puck begeisterte Happel in Shakespeares „Sommernachtstraum“ und als Caliban im „Sturm“, sie spielte die Frau Marthe in Goethes „Faust“ und gab eine köstliche Angela-Merkel-Parodie als Fortuna in Nestroys „Lumpazivagabundus“. Weitere wichtige Rollen waren die „wahrhaft mütterliche“ Grusche in Brechts „Der kaukasische Kreidekreis“. Und Abigail, die des Bundes mit dem Teufel beschuldigt wird, in Arthur Millers „Hexenjagd“. Besonders liebte das Publikum auch ihre Mutter Courage. Am 11. März heuer war Happel mit Michael Maertens zum letzten Mal auf der Bühne zu sehen, in Ionescos „Die Stühle“, im Oktober ist ihre nächste Premiere, Anna Gmeyners „Automatenbüffet“, ein an Horváth erinnerndes Kammerspiel aus der Zwischenkriegszeit (Regie: Barbara Frey).

Erfolgreiche Regisseurin in Reichenau

Die Festspiele Reichenau verdanken Happel einige ihrer tollsten Inszenierungen, Doderers Roman „Die Strudlhofstiege“ oder Schnitzlers „Der Weg ins Freie“.

„Ich freue mich auf den ersten großen Moment der Berührung“, sagt Happel auf Nachtkritik.de zur Zeit nach Corona. Und im „Presse“-Interview betont sie: „Ohne Theater kann ich gar nicht sein!“ Im Reinhardt-Seminar sieht sie sich als „Staffelläuferin“: „Zurzeit renne ich, aber ich sehe schon die Studierenden vor mir, denen ich die Staffel einmal übergeben werde.“ Jedoch, so fügte Happel hinzu: „Ich renn' schon noch eine Weile!“ Dann lacht sie, ihr unwiderstehliches, herzliches Lachen. (bp)