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Helmut Gragger: Der Bobobäcker mit der sozialen Ader

Geschäftstüchtig: Helmut Gragger.
Geschäftstüchtig: Helmut Gragger.Clemens Fabry
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„Unternehmen mit Verantwortung“: Helmut Gragger zählt zu den Pionieren bei der Renaissance von Brot und Semmeln. Er will in Österreich das beste und in Afrika leistbares Brot backen.

Wien. Helmut Gragger streicht gern den Nerd in sich hervor. Weil er leidenschaftlich mit dem Holzofen bäckt. Und zwar nicht nur Brot – das ist mittlerweile weit verbreitet. Sondern alles, vom Salzstangerl über die Topfengolatsche bis zum Nussbeugel. „Das gibt es sonst nirgends“, sagt Gragger. Alles bio und mit der Hand gemacht, versteht sich. Gragger kommt aus Oberösterreich, wollte eigentlich Tischler werden und lernte mangels Lehrstelle Bäcker. Nach der rauen aber lehrreichen Ausbildung heuerte er bei Nestlé an, reiste viel und sparte sich 100.000 Schilling, mit denen er seine erste Bäckerei eröffnete. Den Stammsitz in Ansfelden gibt es heute noch.

Plus fünf Filialen in Wien und zwei in Berlin. Mit 70 Mitarbeitern setzt er in Österreich um die 3,4 Millionen Euro im Jahr um. In Berlin sind es vier Millionen Euro mit 40 Mitarbeitern. In Wien versorgt Gragger die Bobos mit Brot und Biohandsemmeln, die sich im oberen Preissegment finden. Aber Helmut Graggers Job endet nicht beim guten Brot. Er hat eine Vision: Mit Brot die Welt verändern – mit Brot, das aus dem perfekten Ofen kommt. 2015 eröffnete er eine Backstube im Senegal. Es folgten Bäckereien in Uganda, im Kongo, in Thailand. Geplant ist auch eine in Nigeria. Und zwei auf dem Balkan: Heuer soll eine in Serbien, nächstes Jahr eine in Albanien eröffnen.

Die Öfen baut Gragger so, dass sie mit den Ressourcen vor Ort betrieben werden können. Im Senegal ist das der Solarofen. In Albanien und Serbien soll mit gepressten Sägespänen geheizt werden. „In Wien und Berlin wollen wir das beste Brot der Stadt machen. In Afrika geht es um die Grundversorgung“, sagt Gragger. Während in Österreich der Anteil der Energie an den Produktionskosten verschwindend sei, betrage er in Afrika und Südamerika 35 Prozent. Mit den lokal angepassten Öfen ließen sich die Energiekosten massiv drücken. Den Solarbackofen ließ sich Gragger sogar patentieren. „Social Business“ nennt er die Projekte in Übersee. „Gewinnorientierte Unternehmen mit einem sozialen Aspekt.“ Sozial sein allein ist dem Unternehmer nicht genug. „Es muss sich schon rechnen.“ Der Gewinn bleibt in den Ländern und wird etwa für Schulprojekte eingesetzt.

Holzöfen und Natursauerteig

Dabei erlebt er mitunter kuriose Geschichten. Wie im Senegal, wo der Manager – Gragger beschäftigt immer Menschen vor Ort – drei Monate lang die Bäckerei aufgebaut, dann das Geld genommen und sich nach Frankreich abgesetzt habe. In Afrika reizen ihn die Möglichkeiten, ein Unternehmen aufzubauen. Es gebe kaum Auflagen, der Einstieg ins Unternehmertum sei leicht. „Man macht einfach.“ Und der monetäre Erfolg sei „das Hundertfache von dem, was man in Österreich schafft“.
Mit Holzöfen, Natursauerteig und Biozutaten haben Gragger und seine Mitstreiter den Brotmarkt umgekrempelt. Finanziell profitiert hätten vom Brothype aber vor allem „die Großen“, sagt Gragger. Weil sie effizienter produzieren könnten. Aber Gragger fühlt sich wohl in seiner Nische. „Marketing war nie meine Stärke.“ (hie)