Schnellauswahl
Swing Kitchen

Swing Kitchen: „80 Prozent unserer Gäste sind keine Veganer“

Irene und Karl Schillinger
Irene und Karl SchillingerArnold Pöschl
  • Drucken

Irene und Charly Schillinger servieren vegane Burger und treten so „ohne erhobenen Zeigefinger, sondern mit Fröhlichkeit“ für Tier- und Umweltschutz ein.

Wien. „Ich hab sie aus dem Knast geholt“, erzählt Charly Schillinger und schenkt seiner Frau, Irene, ein Lächeln. Das war vor knapp 25 Jahren. Sie war Tierschützerin, hatte gerade mit anderen Frauen eine Pelzmodeschau „besucht“ und war von der Polizei daraufhin mitgenommen worden. Er konnte schließlich die Polizisten davon überzeugen, dass sie die Frauen freilassen. Seither sind Irene und Charly ein Paar.

Charly wuchs im elterlichen Gasthaus in Großmugl in Niederösterreich auf. Ein Dorfwirtshaus, wie es im Buche steht. Eigene Hausschlachtung also. Als der Vater früh stirbt, sind da fünf Schweine im Stall, und Charly bringt es nicht übers Herz, sie zu töten. Die ganze Familie beschloss, kein Fleisch mehr zu essen. „Wir waren die ersten Vegetarier in Großmugl“, erzählt Schillinger. Das Wirtshaus ließ er bleiben, stattdessen zog es ihn als Fondsmanager in die Finanzwelt.

Im Wirtshaus Schillinger kochte Irene Schillinger nur zum Spaß. Natürlich vegan. Freunde wurden eingeladen. Und irgendwann waren die Koch-Sessions so beliebt, „dass da Leute kamen, die wir gar nicht kannten“, erinnert sich Charly Schillinger. 2006 investierten die beiden in die Modernisierung des Gasthauses und eröffneten ihr erstes veganes Wirtshaus. Das heißt: Groß beworben wurde das „V-Wort“ nicht, wie Irene Schillinger erzählt. Es gab Schnitzel, Wildragout und sogar Martini-Gansl. Aber eben auf veganer Basis. „Bei uns diskutierten Jäger, ob das Wildragout vom Reh oder Hirsch ist“, erzählt Schillinger und lacht. Schnell machte sich das Gasthaus in der rasch wachsenden veganen Szenen einen Namen. „Es kamen Gäste aus England und den USA, um unser Cordon bleu zu kosten“, sagt Schillinger. Das Gasthaus lief prächtig.

Doch die beiden wollten expandierten. Aber im Gasthaus muss man persönlich anwesend sein. Da gehen sich also maximal zwei Restaurants aus. Irgendwann reifte die Idee, eine vegane Restaurant-Kette zu gründen. Systemgastronomie. „Wir haben drei Jahre an dem Projekt getüftelt“, sagt Irene Schillinger. Dann standen Konzept und Name fest. Die erste Swing Kitchen sperrte 2015 in Wien Neubau auf.
Der Swing entstand in der Zwischenkriegszeit. Lockere Musik in einer sehr ernsten Zeit. Swing Kitchen sei eben lockere Küche zu einem ernsten Thema, nämlich Tier- und Umweltschutz. Die Schillingers servieren ihre Botschaft „ohne erhobenen Zeigefinger, sondern mit Fröhlichkeit“, erklärt die Chefin. Aber natürlich wird in den mittlerweile neun Restaurants in Wien, Graz, Berlin und Bern auch unterschwellig serviert, dass ein veganer Burger weniger Ressourcen verbraucht und nachhaltiger ist als Fleisch.

220 Mitarbeiter hat Swing Kitchen. Die Coronakrise ist auch für das Unternehmen nicht lustig, aber man überstand den Lockdown ohne Kündigungen und denkt bereits wieder an Expansion. Die Nachfrage nach veganer Küche boomt wie eh und je. Nicht nur bei Veganern. „80 Prozent unserer Gäste sind keine Veganer“, erzählen die Schillingers. (gh)