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Klimainitiative

Helga Pülzl: Rollentausch in der Klimadebatte

Helga Pülzl
Helga Pülzl von der Boku Wien.(C) Boku/ Caio Kauffmann
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Politikwissenschaftlerin Helga Pülzl will mit „Vienna Climate Games“ Jugendlichen beibringen, diverse klimapolitische Interessen zu verstehen.

Bürgerinnen und Bürger glauben meistens, ihre eigenen Interessen sind die allerwichtigsten. Dadurch können sie häufig nicht verstehen, warum Probleme in der Politik auf eine bestimmte Art gelöst werden und nicht anders“, konstatiert Helga Pülzl, Politikwissenschaftlerin an der Universität für Bodenkultur Wien (Boku). Um diesem Unverständnis entgegenzuwirken, hat sie mit ihrer Kollegin Sara Nash das Planspiel „Vienna Climate Games“ entwickelt. Dabei sollen Jugendliche von zwölf bis 18 Jahren in verschiedene Rollen mit unterschiedlichen klimapolitischen Interessen schlüpfen und gemeinsam über politische Maßnahmen verhandeln. So gibt es etwa die Rolle eines Boku-Professors auf der einen Seite, dem strenge Maßnahmen gegen die Klimakrise ein Anliegen sind, sowie jene einer Landbesitzerin auf der anderen Seite, für die die Einhaltung strikter Regeln einen hohen Aufwand darstellen würde. Einzelne Rollen durchlaufen sogar während des Spiels einen Perspektivenwechsel, wenn etwa ein wahlwerbender Politiker in den Landtag einzieht und dadurch neue Interessen entwickelt.

Für die junge Altersgruppe ist das Thema Klimapolitik dank der Umweltbewegung Fridays for Future hochaktuell. Erste Gedanken über dieses Forschungsprojekt entstanden allerdings schon vor den Auftritten von Greta Thunberg. Helga Pülzl und Sara Nash hatten die Idee gegen Ende 2018, kurz bevor Thunberg Bekanntheit erlangte. Die Finanzierung des Projekts wurde dann im September 2019 zugesagt.

Derzeit finden erste Workshops statt, bei denen Pülzl und ihr Team verschiedene „Schülertypen“ erarbeiten wollen. Dabei soll herausgefunden werden, wie die Schüler Wiens ticken. Im Anschluss werde eine repräsentative Schülerbefragung, basierend auf den zuvor erarbeiteten Positionen, folgen. Die Workshops im Herbst sollen das Fundament für das fertige Spiel bilden, das planmäßig zu Beginn des nächsten Jahres von den ersten Wiener Schulklassen gespielt werden soll. Der Schauplatz Wien (statt ganz Österreich) sei deshalb gewählt worden, weil es die Spielentwicklung vereinfache: „Eine Fallstudie, die sich auf ganz Österreich bezieht, würde allein schon bei der Schülerbefragung einen erheblichen Mehraufwand darstellen“, sagt Pülzl.

Erfahrung an der Kinderuni

Für die Politikwissenschaftlerin selbst ist dieses Projekt Neuland, da sie bisher keinerlei direkte Forschungserfahrung mit Jugendlichen gemacht hat. Ihre gewohnten Forschungsbereiche drehen sich um Themen wie Waldpolitik. Ein kleines bisschen Erfahrung konnte sie allerdings bei ihren Vorlesungen an der Kinderuniversität sammeln, woran sie große Freude hatte. Die geplante Altersgruppe für das Spiel ist nicht nur für die Wissenschaftlerin persönlich interessant, sondern stellt eine entscheidende Phase in der politischen Entwicklung dar: „Die grundsätzlichen Werte und Einstellungen eines Menschen festigen sich bereits im Alter von zwölf bis 13 Jahren.“