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Tiertraining und -gesundheit

Vom Tier- zum Menschentrainer

Das Verhältnis zwischen Tier und Mensch ist auch Gegenstand vieler Bildungsangebote.
Das Verhältnis zwischen Tier und Mensch ist auch Gegenstand vieler Bildungsangebote.APA/AFP/FREDERICK FLORIN
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Die Beziehung zwischen Mensch und Tier ist oft sehr eng. Diverse Ausbildungen befassen sich mit dem Tierwohl – und dem Verhältnis zum Besitzer.

„Dass uns der Anblick der Tiere so sehr ergötzt, beruht hauptsächlich darauf, dass es uns freut, unser eigenes Wesen so sehr vereinfacht vor uns zu sehen“, wusste der Philosoph Arthur Schopenhauer. Und tatsächlich ist es der Drang, eine Rückbindung zur Natur zu bekommen, der das Verhältnis Mensch-Tier prägt: „Je mehr sich unsere Zeit technologisiert, umso größer wird die Sehnsucht nach Natur und Tieren“, meint Dieter Schaufler, Leiter der Mauritius Naturakademie, an der er systemische Tiertrainer ausbildet.

Dabei steht laut Schaufler weniger der Umgang mit den Tieren, sondern mit ihren Besitzern im Fokus: „Tiere zu trainieren, ist Schnee von gestern“, ist er überzeugt. Die Ausbildung ist aufgeteilt auf ein Online-Basismodul, acht Praxisworkshops, drei Supervisionstage und ergänzende Vorträge. Am Ende steht ein Abschlusstest, eine Diplomarbeit und nach Einreichung eines Projekts die mündliche Diplomprüfung. Die Absolventen haben dann gelernt, „das Tier als Teil des Systems, beispielsweise einer Familie, wahrzunehmen. Aus dieser Sicht beraten systemische Tiertrainer unter anderem Menschen, die sich über die richtige Wahl eines Haustiers oder Probleme mit demselben informieren möchten“, erläutert Schaufler.

Ausbildungen mit Blick auf Tiere bietet auch die Gesundheitsakademie Wien an. Hier kann man in die Betätigungsfelder von Tierenergetikern und Tierberaterin/trainern eintauchen oder Kinesiologie und Ernährungsberatung für Tiere erlernen. Auch Wissen über Tiermassage und Tellington TTouch, eine Art Körperarbeit mit Tieren, die deren Gesundheit verbessern und die Gemütslage ausgleichen soll, wird dort vermittelt.

Soziale Lückenfüller

„Ich denke, dass ein Tier so manche Lücke im sozialen Gefüge schließt. Die Vereinsamung der Menschen schreitet mit dem Grad der Industrialisierung immer weiter voran“, sagt Tierärztin Eva-Maria Grünwald. Ihrer Ansicht nach zeigen sie dem Menschen, was im Leben wirklich zählt, nämlich echte Zuwendung, Treue und Zeit füreinander, „alles Attribute, die im Trubel der Zeit und dem Streben nach mehr Erfolg immer mehr in den Hintergrund rücken.“ Grünwald bildet an der Vetakademie der österreichischen Tierärztekammer akademisch geprüfte Tierarzthelfer sowie tierärztliche Ordinationsassistenten aus.

„Die tierärztliche Ordinationsassistenz ist der Ausbildungsweg über die Lehre und der Tierarzthelfer ist eine Ausbildung, die berufsbegleitend im Erwachsenenalter gemacht werden kann“, erklärt sie. Die Aufgaben erfordern einen guten Umgang mit Tieren, den Besitzern und Teamfähigkeit, kaufmännisches und organisatorisches Talent ist ebenfalls von Vorteil. Die Ausbildung zum Tierarzthelfer dauert neun Monate, Weiterbildungen sind möglich. „Vor allem in Ernährungsfragen, auf dem Gebiet Laborkunde oder professioneller Fellpflege bieten sich viele Möglichkeiten. Auch alternative heilkundliche Ausbildungen werden von manchen Praxen unterstützt.“ Möglich ist eine Spezialisierung in Fachbereichen wie der OP- Assistenz oder im Bereich von Vögeln und Reptilien.

Der klassische Weg, sich beruflich mit Tieren zu beschäftigen, ist das Studium der Veterinärmedizin, das hierzulande nur in Wien möglich ist. Wer sich dafür entscheidet, ist keineswegs auf eine Tierarztpraxis festgelegt, sondern kann in der Forschung, aber auch in der Lebensmittel- und Pharmaindustrie tätig werden. Das Diplomstudium dauert zwölf Semester. Wie in der Humanmedizin kann man sich hier spezialisieren. Wem das Verhältnis Mensch-Tier am Herzen liegt, belegt den Masterstudiengang „Mensch-Tier-Beziehung“. Er dauert vier Semester und wird auf Englisch abgehalten.

Durch die Vermittlung von Fachwissen und Methoden natur- und geisteswissenschaftlicher Disziplinen sowie der Fähigkeit zur kritischen Reflexion und Argumentation will das Studium einen Beitrag dazu leisten, die vielschichtige Beziehung zwischen Menschen und Tieren zu verbessern.

Mensch-Tier-Beziehung hinterfragen

Die interdisziplinäre Bearbeitung von Fragen mit großer gesellschaftlicher und ethischer Relevanz ist ein Novum und eine Herausforderung für die Studierenden. Das Studium qualifiziert sowohl für eine akademische Laufbahn als auch für berufliche Karrieren in den gesellschaftlich relevanten Bereichen der Mensch-Tier-Beziehung. Das Faszinierende an diesem gesamten Berufsfeld „ist die Kombination aus der Arbeit mit Tieren selbst, einer anspruchsvollen medizinischen Tätigkeit, bei der man jeden Tag etwas Neues dazu lernen und sich stets in seinen Skills weiterentwickeln kann“, sagt Elisabeth Baszler, Fachtierärztin für Kleintiere an der Vet-Med-Uni.

LinKS

Auf diesen Websites finden sich Infos zu Ausbildungen rund um Tiergesundheit, Tierhaltung und Tierpflege (Auswahl):

www.mauritiushof.academy

www.gesundheitsakademie.at

www.tellington.at

www.tieraerzteverlag.at/vetak/veranstaltungen

www.vetmeduni.ac.at/de/studium

www.atn-ag.at