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Zukunftsvisionen

Das Schwein Gertrud, Elon Musk und "Fitbit für den Schädel"

Das Schwein Gertrud, das die zweite Version des Neurochips eingepflanzt bekam.(c) Neuralink
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Via Livestream präsentierte Elon Musk eine neue Mensch-Maschine-Schnittelle, die über Bluetooth mit dem Smartphone gekoppelt ist.

Ein Schwein namens Gertrud ist der Schritt in eine Zukunft, in der Gehörlose wieder hören können, Menschen mit Rückenmark-Verletzungen wieder laufen können, Depressionen und Sehstörungen der Geschichte angehören. Zumindest, wenn es nach Tesla-Gründer Elon Musk und seiner weiteren Firma Neuralink geht. Beweise und Belege lieferte er dafür keine. Stattdessen präsentierte er am Freitag er die zweite Version eines Chips, der eine elektronische Verbindung zum menschlichen Gehirn herstellen soll. Für die einen ist es der Beginn der Cyborgs, für die anderen typische PR-Inszenierung à la Elon Musk. Was ist dran an dem Neuro-Chip der Zukunft?

Der entwickelte Chip, der die Größe einer Münze hat (acht Millimeter dick, mit einem Durchmesser von 23 Millimeter), wird im Kopf eingesetzt. Dabei werden 1000 Elektroden, die insgesamt fünf Mikrometer dick sind, mit Gehirnzellen verbunden. Der Minicomputer soll per Bluetooth mit einer App auf den Smartphone kommunizieren. „Fitbit für den Schädel“, nannte es Musk bei der Präsentation. Äußerlich hinterlasse der Eingriff kaum Spuren, lediglich eine kleine Narbe würde unter den Haaren zurückbleiben. Den Eingriff übernimmt ein Roboter.

Neuralink hoffe, mit der Zeit die Kosten inklusive Operation auf einige Tausend Dollar zu senken. Gertrud wurde für die Präsentation herangezogen, denn derzeit werden Tests nicht an Menschen vorgenommen. Das soll sich aber noch 2020 ändern, dann will man erste Testpersonen auswählen.

Dieser Roboter soll künftig die Transplantationen übernehmen.(c) Neuralink

Jedes Mal, wenn Gertrud mit ihrem Rüssel etwas berührte, waren Ausschläge in Form elektrischer Signale auf dem Bildschirm zu sehen. Auch wenn das Schwein auf dem Laufband selbst keine allzu gute Figur machte, konnte per Software vorhergesagt werden, welches Gelenk wann aktiviert wird. Das präsentierte Summen und Knistern ist alles andere als neu. Gehirnforscher sind seit Jahren in der Lage elektrische Impulse von tierischen Gehirnen aufzuzeichnen. 

Für Musk ist es der Grundstein für das Ende menschlicher Leiden, das in Zukunft sogar in der Lage sein soll, verletztes Nervengewebe zu überbrücken.

Zu schön, um wahr zu sein?

Das Magazin der Massachusetts Institute of Technology (MIT) zerlegt in einem ausführlichen Bericht die Innovation des exzentrischen Firmengründers Elon Musk. „Das Hauptziel der gestreamten Demo war es, Aufregung zu erregen, Ingenieure für das Unternehmen zu rekrutieren (das bereits etwa 100 Mitarbeiter beschäftigt) und eine Art Fangemeinde aufzubauen“, heißt es darin. Jedoch sei keiner dieser Fortschritte in greifbarer Nähe, wohl auch deswegen habe es Musk „geschickt vermieden“ Zeitpläne und Verkaufsstarts zu nennen.

Dabei steht Musks Team nicht nur vor der Herausforderung, ein langlebiges Produkt zu entwickeln und alleine das könnte Jahre dauern. Auch die genaue Platzierung wird Forscher noch lange beschäftigen. Am Freitag standen für Musk nicht klinische Studien, Langzeitwirkungen und der Umgang mit veralteter Hardware im Gehirn von Probanden im Mittelpunkt, sondern vielmehr die Steigerung der Effektivität und das Schaffen einer kollektiven Gesellschaft.

In exponentiellen Schritten will er die Verdrahtung des Chips im Gehirn erhöhen. Er verfolgt auf jeden Fall große Ziele: "Auf Artenebene ist es wichtig herauszufinden, wie wir mit fortgeschrittener KI (Künstlicher Intelligenz; Anm.d.Red.) koexistieren und eine gewisse KI-Symbiose erreichen", sagte er, „so dass die Zukunft der Welt durch den kombinierten Willen der Menschen auf der Erde gesteuert wird. Das könnte das Wichtigste sein, was ein solches Gerät erreicht."

Wie Gehirnimplantate einen solchen kollektiven elektronischen Weltgeist hervorbringen würden, sagte Musk nicht.

>>> MIT Technology Review

>>> Plötzlich wieder gelähmt - MIT Technology Review