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Corona-Phase-4

Herbst "wird ernst", im Jänner könnten Corona-Impfungen starten

Mit dem Herbst beginnt "Phase 4" bei der Bekämpfung der Corona-Pandemie, sagt Gesundheitsminister Anschober.
Mit dem Herbst beginnt "Phase 4" bei der Bekämpfung der Corona-Pandemie, sagt Gesundheitsminister Anschober.imago images/AAP
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„Das Virus ist wieder voll da“, mahnt Gesundheitsminister Anschober das Reduzieren sozialer Kontakte ein. Er verstehe, dass zuletzt „ein bissl a Grant entstanden“ ist, doch: „Jetzt wird's wieder ernst.“

Auf einen „schwierigen Herbst“ hat Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) die Österreicher am Freitag eingestimmt - und seine Appelle am Montagabend im ORF-„Sommergespräch“ weiter präzisiert. Die Pandemie werde erst enden, wenn es wirksame Medikamente gegen das Coronavirus gebe, meinte er. Bis dahin sollten die Bürger ihre „sozialen Kontakte reduzieren“, Abstand halten, Hände waschen, Masken tragen. Am Dienstag stimmte Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) mit ein: „Der 1. September ist ein symbolischer Tag, ein Tag der Zäsur“, meinte Anschober. Denn: Es beginne nun nicht nur der Herbst und damit die Verlagerung vieler Aktivitäten von draußen nach drinnen, sondern es beginne nun auch die „Phase vier bei der Bekämpfung der Pandemie in Österreich“.

Es sei „gefühlt eine halbe Ewigkeit“, dass Corona das Leben der Menschen beeinflusse, „in Wirklichkeit ist es gut ein halbes Jahr, fast meine ganze Amtszeit“, begann Anschober. Durch die vergangenen Monate sei die Republik „vergleichsweise sehr, sehr gut durch die Krise“ gekommen. „In wenig anderen Industrieländern sind bisher so wenige Menschen am Virus verstorben wie in Österreich.“ Um das zu schaffen, habe es zum einen ein rasches Handeln seitens der Regierung („Ja, wir hatten Probleme, Stichwort Ischgl“), vor allem aber auch das Mitmachen seitens der Bevölkerung („Für mich war das eine Sternstunde der Solidarität“) gebraucht.

„Das Virus ist wieder voll da“

Das alles sei nicht einfach gewesen, räumte Anschober ein. „Ein bissl a Grant“ sei entstanden, „eine Ungeduld, wann ist denn das endlich vorbei?“ Er könne das nachvollziehen: „Mir geht es genauso“, er sehne sich nach dem Alltag, meinte der Minister. Und zählte auf: In den vergangenen sechs Monaten habe man 91 Verordnungen erlassen, davon seien „drei in die Kritik gekommen“, spielte er etwa auf die Regelungen bezüglich der Ausgangsbeschränkungen an, die der Verfassungsgerichtshof letztlich aufgehoben hat. Weiters habe man es mit 144 Rechtsakten zu tun gehabt, mit etwa 11.000 Anfragen in der Rechtsabteilung des Ministeriums, rund 1,5 Millionen Anrufe wurden seitens der Hotline 1450 entgegengenommen.

Und trotzdem: „Das Virus ist wieder voll da“, betonte Anschober. Die Infektionszahlen steigen wieder - aufgrund von Reiserückkehrern, aufgrund von Festen, von familiären Treffen. Aber auch aufgrund der „Teststrategie“ der Regierung: Man teste nun nicht nur Personen mit Symptomen, sondern auch „ in sogenannten Risikogruppen“. Insgesamt bedeute das mehr als 1,2 Millionen Tests in Österreich, es sei also durchaus „logisch, dass die Zahlen steigen“.

Und sie werden bald weiter hinaufgehen, prognostizierte Anschober. Denn, das Ansteckungsrisiko werde in geschlossenen Räumen steigen, auch weil das Virus schlecht durchlüftete Räume „liebt“. Die „Phase vier“ könne somit auch als die „Phase des Risikos einer zweiten Welle“ angesehen werden.

Impfstart im Jänner/Februar?

Zu schwarz malen, wollte der Minister dann aber doch nicht: Er sei optimistisch, dass es bald wirksame Medikamente und einen Impfstoff gegen den Erreger Sars-CoV-2 geben werde. Allerdings: Noch müsse man sich in Geduld üben - und auf „die eigentlichen zentralen Gegenmittel“ zurück besinnen. Diese lauten: „Soziale Kontakte reduzieren, Abstand halten, Hygiene und Mund-Nasen-Schutz, wo man ihn braucht, wo es eng wird“, so Anschober. „Man spürt's ja eh, wo er notwendig ist.“ Und fügte an: „Wir sind in einem Boot, wir sind ein Team in diesem Land.“ 

Eine Stütze für dieses Team stelle die nahende Einführung der vierfärbigen Corona-Ampel dar: Man werde eine eigene Homepage einrichten, wo jeder nachsehen könne, wo man sich im grünen (kontrollierbare Situation), im gelben (stärkeres Risiko), im orangen (höheres Risiko) oder im roten Bereich (hohes Risiko) befinde. Entsprechende Maßnahmen, was in welcher Situation zu tun sei, werde Türkis-Grün am Freitag bekanntgeben. Fest stehe aber schon jetzt: Bei Rot werde „kein Lockdown“ empfohlen werden. Auch werde es „keine großen Schulschließungen mehr geben“.

Eines, so Anschober, müsse aber auch klar gesagt werden: Die Frage, wie es um Weihnachten bestellt sei, ob es Christkindlmärkte oder große Bälle geben werde, das „kann ich heute nicht beantworten“. Auch könne er kein Datum dafür abgeben, wie lange die „Phase vier“ andauern werde. „Ich bin wirklich kein Hellseher“, räumte er ein. Aber: „Meine Prognose lautet: Im Jänner, Februar werden wir in eine neue Phase kommen, wenn bestimmte Voraussetzungen eintreffen.“ Letztere lauten: Falls Zusagen der Impfstoffproduzenten eintreffen und die Substanzen genehmigt werden, „dann könnten wir bereits im Jänner mit ersten Impfungen gegen Corona in Österreich starten“.

Konkret: Sollte alle Vereinbarungen halten, könnten zum Jahreswechsel 600.000 Impfdosen für 300.000 Menschen beschafft werden: „Es sieht derzeit ganz gut aus.“ Sollte es tatsächlich so kommen, werde wohl mit der Impfung von Gesundheitspersonal und Pflegepersonen begonnen werden. Und bald mit allen weiteren, die sich impfen lassen möchten. Wie viele das sein werden? Auch das könne er nicht mit letzter Sicherheit sagen, so der Gesundheitsminister. Österreich sei ein „Land der Impfskeptiker“, er schätze aber, dass sich etwa 50 Prozent impfen lassen werden. 

Bis es soweit sei, dauere es freilich noch. Das heiße aber nicht, dass man nun nichts tun könne: „Jetzt wird's wieder ernst“, so Anschober. „Wir brauchen jetzt alle. Schau auf dich, schau auf mich - wird der Grundtenor sein müssen in den nächsten Monaten. Das Einzige, das entscheidend ist, ist unsere Gesundheit: für uns persönlich, aber auch für unsere Gesellschaft.“