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Eigentümerwechsel

Jobabbau und Verkaufsgespräche bei Grazer Wirecard-Tochter

APA/AFP/CHRISTOF STACHE
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Die Opposition in Deutschland ist einig über einen Wirecard-Untersuchungsausschuss. Für die Grazer Tochter Wirecard Central Eastern Europe wird ein neuer Eigentümer gesucht.

Bei der insolventen Grazer Wirecard-Tochter Wirecard Central Eastern Europe wurden Forderungen von rund 6 Millionen Euro angemeldet, davon 3,6 Millionen Euro anerkannt. Im eingeschränkten Insolvenzfortbetrieb könnten Überschüsse erzielt werden, "sodass in Abstimmung mit dem deutschen Insolvenzverwalter mit zahlreichen Interessenten Verkaufsverhandlungen geführt werden", teilte der AKV mit. 135 Jobs sind weg.

Von den 157 bei Insolvenzeröffnung beschäftigt gewesenen Dienstnehmern werden nur mehr 22 weiter beschäftigt, wie der Alpenländische Kreditorenverband (AKV) anlässlich der heutigen Prüfungstagsatzung in Graz mitteilte.

Bisher hätten einschließlich der Dienstnehmer 365 Gläubiger Forderungen angemeldet. Von den 3,57 Millionen Euro anerkannten Forderungen seien rund 3,4 Millionen Euro anerkannte unbedingte Insolvenzforderungen, der Rest anerkannte bedingte Forderungen. Zum Zeitpunkt der Insolvenzeröffnung hätten erhebliche Guthaben bestanden, sodass im Verfahren eine voraussichtlich nicht unbedeutende Quote ausgeschüttet werden könne. Dennoch würden weiterhin konzerninterne Verrechnungen, Gewinnausschüttungen und abgegebenen Patronatserklärungen nach der Verwertung in einer zweiten Phase des Insolvenzverfahrens eingehend geprüft werden.

Über das Vermögen der Wirecard Central Eastern Europe GmbH mit Sitz in Graz wurde am 3. Juli das Konkursverfahren eröffnet. Das Unternehmen ist eine 100-prozentige Tochter der deutschen Wirecard Sales International Holding GmbH, die ebenso insolvent ist wie die beiden Hauptkunden aus dem Konzern, nämlich die Wirecard Technologies GmbH und die Wirecard AG. Da die in Deutschland insolventen Konzerngesellschaften kaum mehr Leistungen im Bereich der IT-Software-Entwicklung benötigen, seien auch bei der österreichischen Gesellschaft einzelne Unternehmensteile geschlossen worden.

Fintech ID Now übernimmt Leipziger Tochter

Der Insolvenzverwalter des pleitegegangenen Wirecard-Konzerns hat für eine deutsche Tochterfirma einen neuen Eigentümer gefunden. Das Münchener Start-up ID Now übernimmt die Wirecard Communication Services GmbH in Leipzig, wie ID Now am Dienstag mitteilte.

Der Standort sowie der Großteil der 150 Arbeitsplätze solle erhalten bleiben. Die beiden Unternehmen arbeiteten bereits seit mehr als fünf Jahren zusammen. Zum Kaufpreis wollte sich ID Now nicht äußern.

Wirecard Communication Services erbringt Dienstleistungen für den Mutterkonzern und externe Kunden wie Call-Center-Anbieter. Nach der Insolvenz von Wirecard musste auch die Tochter in Leipzig Insolvenz anmelden. ID Now bietet Identifikations-Dienste per Video an. Über Künstliche Intelligenz prüft die Firma etwa, ob auf Ausweisdokumenten alle Sicherheitsmerkmale vorhanden sind. Durch die Corona-Krise sei das Geschäft in den vergangenen Wochen stark gewachsen, erklärte das Fintech.

Opposition in Deutschland einig über U-Ausschuss

Zur politischen Aufarbeitung des Wirecard-Skandals will die Opposition im deutschen Bundestag einen Untersuchungsausschuss einsetzen. Nach AfD, FDP und Linke sind nun auch die Grünen dafür, wie der Grünen-Abgeordnete Danyal Bayaz am Dienstag nach einer Sondersitzung des Finanzausschusses in Berlin sagte.

FDP, Linke und Grüne haben zusammen die nötige Stimmenzahl für die Einsetzung eines Untersuchungsausschusses und wollen gemeinsam abstimmen.

Um einen Untersuchungsausschuss einzusetzen, muss ein Viertel der 709 Abgeordneten im Bundestag zustimmen - FDP, Grüne und Linke haben zusammen 216 Sitze. Auf die Stimmen der AfD wollen sich die anderen drei Fraktionen nicht stützen.

Untersuchungsausschüsse können Zeugen und Sachverständige laden und Akteneinsicht verlangen. Die Ermittlungen sind allerdings zeitaufwendig, und die Zeit für den Wirecard-Ausschuss, der wegen der Bundestagswahl im kommenden Herbst wohl allenfalls bis zur Sommerpause arbeiten könnte, ist kurz.

Im Juni hatte der inzwischen insolvente Zahlungsdienstleister Luftbuchungen von 1,9 Milliarden Euro eingeräumt. Die Münchner Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass Wirecard seit 2015 Scheingewinne auswies, und ermittelt wegen gewerbsmäßigen Bandenbetrugs. Der Schaden für die kreditgebenden Banken und Investoren könnte sich auf 3,2 Milliarden Euro summieren.

Zentrale Fragen bei der politischen Aufarbeitung sind, wann genau die Bundesregierung von Unregelmäßigkeiten wusste und ob sie zu wenig dagegen unternommen hat. Im Fokus stehen insbesondere die Finanzaufsicht BaFin, die dem Finanzministerium untersteht, sowie Rechnungsprüfungsgesellschaften, die Wirecard jahrelang prüften und in den Zuständigkeitsbereich des Wirtschaftsministeriums fallen.

(APA/Reuters/dpa)