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Arbeitsmarkt

875.000 Personen arbeitslos oder in Kurzarbeit

Arbeitsministerin Christine Aschbacher und Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck präsentieren neue Arbeitsmarktdaten
Arbeitsministerin Christine Aschbacher und Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck präsentieren neue ArbeitsmarktdatenAPA/HELMUT FOHRINGER
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Die Coronakrise wirkt sich weiterhin stark auf den österreichischen Arbeitsmarkt aus. Der Tourismus am stärksten betroffen.

Im August waren in Österreich 422.910 Personen ohne Job, das sind um 92.219 Personen bzw. um 27,9 Prozent mehr als im August 2019. Davon waren 371.893 Personen (+33,2 Prozent zum Vorjahresmonat) beim AMS arbeitslos gemeldet und 51.017 Personen (-1,0 Prozent) in Schulung. In Kurzarbeit sind aktuell nach Angaben des Arbeitsministeriums 452.499 Menschen, die Zahl ist laut Ministerium seit Ende Juli in etwa konstant.

Die beim AMS gemeldeten sofort verfügbaren offenen Arbeitsstellen sind mit 66.005 um 19,4 Prozent bzw. um 15.901 weniger als im August 2019. Vergleicht man die angebotenen offenen Stellen mit den sofort verfügbaren Arbeitssuchenden (ohne Schulungen), zeigt sich eine Relation von 5,6, das heißt auf eine offene Stelle kommen rein rechnerisch 5,6 Arbeitssuchende.

Die Arbeitslosigkeit lag nach nationaler Definition im August bei 9,0 Prozent und damit um 2,2 Prozentpunkte höher als vor einem Jahr.

Bei den Bundesländern war die höchste relative Steigerung im Jahresvergleich in Tirol zu verzeichnen, wo es im August um 56,8 Prozent mehr Arbeitslose (inklusive Schulungsteilnehmer) gab. Die stärkste Steigerung in absoluten Zahlen verzeichnete Wien mit einem Plus von 37.391 Arbeitslosen. Bei Inländern stieg die Zahl der Arbeitslosen um 24 Prozent, bei Ausländern um 36 Prozent.

Die meisten Arbeitslosen und Schulungsteilnehmer, nämlich 242.534, sind im Haupterwerbsalter von 25 bis 49 Jahren. Arbeitslos und 50 Jahre oder älter sind 118.615 Personen, und unter 25 Jahren gibt es 61.761 Arbeitslose.

Nach Branchen differenziert leiden Beherbergung und Gastronomie mit einem Arbeitslosen-Anstieg von 55,7 Prozent am stärksten unter der Coronakrise, gefolgt von Verkehr und Lagerei mit einem Plus von 47,8 Prozent und Bau mit 35,3 Prozent. Die Warenproduktion verzeichnet um 30,2 Prozent mehr Arbeitslose, der Handel um 28,7 Prozent und der Bereich Arbeitskräfteüberlassung um 25,5 Prozent. Sogar im Gesundheits- und Sozialwesen gab es einen Anstieg der Arbeitslosen um 19,6 Prozent.

Das Arbeitsministerium betont die Fortschritte gegenüber dem Vormonat Juli: So konnten im Tourismus 6.000 Personen wieder in Jobs vermittelt werden. Gegenüber Ende Juli 2020 sank die Arbeitslosigkeit um 12.058 Personen und die AMS Schulungsteilnahmen stiegen um 5,0 Prozent.

Geschätzte 3,768.000 Personen, das sind rund 70.000 Personen bzw. 1,8 Prozent weniger als im August 2019, befanden sich Ende August 2020 in unselbstständigen Beschäftigungsverhältnissen.

Jeder Fünfte hat Angst um seinen Job

Etwa jeder fünfte Arbeitnehmer hat Angst um seinen Job. Jeweils ein Drittel hält seinen Job grundsätzlich für sicher bzw. hat zwar derzeit keine Anzeichen einer Kündigung, bleibt aber grundsätzlich unsicher nach dem Motto "man weiß ja nie". Nur jeder siebente (15 Prozent) hält den Job für absolut krisensicher, ergab eine Umfrage von Karriere.at unter 531 Befragten.

Mehr Arbeitslose in Deutschland

Die Arbeitslosenzahl hat in Deutschland im August im für den Spätsommer üblichen Umfang zugenommen. Sie stieg zum Vormonat um 45.000 auf 2,955 Millionen, wie die Bundesagentur für Arbeit (BA) am Dienstag mitteilte. Damit gab es laut BA wie schon im Juli keinen zusätzlichen coronabedingten Anstieg.

"Dennoch sind die Auswirkungen der Pandemie auf den Arbeitsmarkt weiterhin sehr deutlich sichtbar", sagte BA-Chef Detlef Scheele. Unter Herausrechnung der jahreszeitlichen Schwankungen fiel die Arbeitslosenzahl im August allerdings um 9.000.

Kurzarbeit fungierte weiter als Stabilisator: Nach vorläufigen hochgerechneten Daten bezogen laut BA im Juni 5,36 Millionen Arbeitnehmer konjunkturelles Kurzarbeitergeld. Vor Beginn der Kurzarbeit müssen Betriebe Anzeige über den voraussichtlichen Arbeitsausfall erstatten. Nach aktuellen Daten wurde vom 1. bis einschließlich 26. August für 170.000 Personen konjunkturelle Kurzarbeit angezeigt. Damit geht die Zahl der Personen, für die Kurzarbeit angezeigt wird, nach dem massiven Anstieg in März und April weiter zurück.

Arbeitslosenquote in Eurozone gestiegen

In der Eurozone ist die Arbeitslosenquote im Juli den vierten Monat in Folge gestiegen und hat den höchsten Stand seit November 2018 erreicht. Die Quote habe um 0,2 Prozentpunkte auf 7,9 Prozent zugelegt, teilte das Statistikamt Eurostat am Dienstag in Luxemburg mit.

Analysten hatten wegen der Folgen der Coronakrise mit einem noch stärkeren Zuwachs der Arbeitslosigkeit gerechnet und eine Quote von 8,0 Prozent erwartet. Allerdings wurde die Quote für Juni etwas nach unten revidiert, von zuvor 7,8 Prozent auf 7,7 Prozent.

In den Monaten Februar und März hatte die Quote bei jeweils 7,2 Prozent einen Tiefstand erreicht und ist dann in der Coronakrise gestiegen. Zuvor hatte es einen kontinuierlichen Rückgang der Arbeitslosigkeit in der Eurozone gegeben. Seit dem Rekordhoch von mehr als 12 Prozent im Jahr 2013 hatte sich die Lage auf dem Arbeitsmarkt bis zur Coronakrise stetig verbessert.

Im Euroraum waren laut Eurostat im Juli 12,793 Millionen Menschen arbeitslos. Im Vergleich zum Vormonat stieg die Zahl der Arbeitslosen um 344.000. Nach wie vor bleibt die Jugendarbeitslosigkeit auf einem hohen Niveau. Im Euroraum stieg die Arbeitslosenquote von Personen im Alter von unter 25 Jahren im Juli auf 17,3 Prozent, nach 17,2 Prozent im Juni.

Die Maßnahmen zur Eindämmung der Coronapandemie haben zu einem starken Anstieg der Zahl der Anträge auf Arbeitslosenunterstützung geführt. Gleichzeitig suchte ein erheblicher Teil derjenigen, die sich bei Arbeitsämtern angemeldet hatten, nicht mehr aktiv nach einem Arbeitsplatz oder war nicht mehr verfügbar, weil sie beispielsweise ihre Kinder betreuen mussten. Dies führt zu Abweichungen bei der Zahl der registrierten Arbeitslosen und derjenigen, die gemäß der Definition der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) als arbeitslos eingestuft werden.

Die Arbeitsmarktdaten von Eurostat basieren auf Erhebungsmethoden der Internationalen Arbeitsorganisation und können nicht mit nationalen Daten der deutschen Bundesagentur für Arbeit verglichen werden.

 

(APA/Reuters/dpa)