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Testessen im China Kitchen

Christine Pichler
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Aus dem Kitchen 27 wurde nach dem Lockdown China Kitchen. Jetzt ist es wirklich voll.

Zu Beginn eine ehrliche Einschätzung: Wir von der Systempresse schreiben nicht immer die volle Wahrheit. Wir kennen sie nämlich wie die meisten Menschen nicht. Restaurantkritiker sind manchmal noch schlimmer, sie verheimlichen die Wahrheit. Vorsätzlich. Denn was macht man, wenn man endlich sein Stammlokal gefunden hat? Seine perfekte Küche? Genau, man verrät es keinem, immerhin will man dort immer einen Platz bekommen, nicht Tage vorher reservieren und dann womöglich auch noch auf die Gerichte lang warten müssen, weil gerade das ganze Lokal bestellt hat. Genau, das nennt man Egoismus. Willkommen im Club. Andererseits entwickelt sich aus einer jahrelangen kulinarischen Geschäftsbeziehung so etwas wie Nähe, die dazu führt, dass man Lokalbetreibern an der Lieblingsadresse gute Umsätze wünscht. Dann wird es kompliziert.

So geschehen mit dem Kitchen 27, dem mit Sicherheit besten Sichuan-Küche-Restaurant der Stadt. Früher war das Kitchen nicht unhässlich, und dank massiver Lüftungsdefizite musste man nach dem Besuch zur Lungenwäsche. Aber es war voll. Dann kamen die ersten Meldungen aus Wuhan, und schlagartig blieben die Gäste aus. Plötzlich saß ich allein vor dem besten Gericht von Meister Fa Jun aus der sichuanesischen Fressmetropole Zigong, dem trocken geschmorten Wolfsbarsch im Ganzen, eigentlich dem vielleicht besten meines bisherigen Essenlebens: Der Fisch perfekt gegart, das scharfe Öl ummantelt alles noch tagelang geschmacklich.

Christine Pichler

Familie Jun wartete den Lockdown erst gar nicht ab, sperrte zu und baute alles um. Nun ist es ein brav funktional-hübsches Lokal mit angenehmen Stehtischen im vorderen Bereich. Mit Lüftung. Vom alten Namen (von der alten Adresse) fiel das „27“ und wurde zum China Kitchen. Jetzt ist es wirklich voll. Denn Fa Jun kocht wieder – den besten Mapo Tofu der Stadt, die in der Schale frittierten und nur so zu verzehrenden Sichuan-Salz-Garnelen mit Pfeffer oder mit großartigem Sud gekochte Venusmuscheln. Von den Innereien rede ich erst gar nicht, das ist wahre
Küchen-Rocket-Science. Es war nicht alles schlecht am Lockdown, aber dass das China Kitchen nicht lieferte, war hart. Die Kollegen Florian Holzer („Falter“) und Severin Corti („Standard“) besprachen das Kitchen sehr positiv. Was machen die ganzen Althipster bei meinem Stammchinesen? Und wir reservieren jetzt zurück.

China Kitchen, Linke Wienzeile 20, 1060 Wien

Tel.: +43/(0)1/581 24 86

Restaurant: Mo–Sa: 11.30–
23 Uhr, So: 12–23 Uhr.