Falthandy

Galaxy Z Fold 2 vorgestellt: Samsungs Lernen aus Fehlern

Bei Samsung geht es zackig weiter im Bereich der faltbaren Smartphones. Abseits der IFA präsentiert der Hersteller bereits das dritte Modell. Der Nachfolger des Fold trumpft mit ein paar attraktiven Neuerungen auf.

Unter dem Motto "Wenn eine Ära endet und sich eine neue entfaltet", wollen die Südkoreaner das Smartphone, das uns seit über einem Jahrzehnt ständig begleitet, ablösen. Mit der Überzeugung, dass sich der Markt seit dem Fold "für immer verändert" habe, soll die zweite Generation auch endlich den Massenmarkt erreichen. Dabei gilt es, die Kunden zu überzeugen. Durch den hohen Preis und die Kinderkrankheiten in der ersten Version blieb der Ansturm aber aus.

Auch ein Jahr später wird das Galaxy Z Fold 2 nicht günstiger. 1999 Euro soll es kosten und ab dem 18. September in Österreich erhältlich sein. Während bei der ersten Präsentation sich alles noch um die Ausdauer drehte, die sich dann in der Praxis als Mär herausstellte, schweigt Samsung nun tunlichst zu diesem Thema. Keine Videoclips, die zeigen, wie oft sich das Gerät falten lässt, wie widerstandsfähig es ist. Doch was bietet das neue Foldable aus dem Hause Samsung?


Der große, schwere Bruder

Ein Blick reicht aus, um die Ähnlichkeit zum Galaxy Note 20 Ultra, das erst vor einigen Wochen vorgestellt wurde, zu erkennen. Hauptverantwortlich ist der turmähnliche Kameraufbau auf der Rückseite. Auch, dass es vorrangig in der neuen Samsung-Lieblingsfarbe Bronze präsentiert wird, lädt zum Vergleich ein. Doch unterscheidet es sich wesentlich vom Kollegen mit dem Stift.

Eine der größten optischen Verbesserungen ist bei der Frontseite zu finden. Der winzige Bildschirmausschnitt des Vorgängers ist passé. Ein 6,2 Zoll Display presst Samsung auf die Vorderseite, das mit einer Auflösung von 2260 x 816 Pixel zu glänzen weiß.

Samsung hat eine neue Lieblingsfarbe.(c) Samsung

Im ausgeklappten Zustand bietet das neue Falthandy ein 7,6 Zoll großes Display mit einer Auflösung von 2208 x 1768 Pixel. Der Rahmen wurde um 27 Prozent verkleinert. Somit ist das Display zwar größer, aber das Gehäuse insgesamt kleiner. Insgesamt 1,7 Millimeter hat Samsung in der Länge eingespart. Ein bisschen breiter wurde es im Vergleich zum Vorgänger (10,3mm). Das könnte für die Bedienbarkeit ein klarer Vorteil sein.

Schlank ist das Fold 2 nicht, mit einer Dicke von knapp 16,8 Millimeter an der dicksten Stelle im gefalteten Zustand. Entfaltet sind es nur noch knapp 6,8 bis 6 Millimeter.

Bei den Unterschieden zwischen den beiden Modellen sticht besonders positiv hervor, dass der Balken mit Sensoren und Frontkamera verschwunden ist. Lediglich eine kleine kreisrunde Aussparung ist übrig geblieben. Nur noch ein kleines Loch statt wie zuvor ein Balken, zieren den oberen Rand des Bildschirms.

Das Z Fold 2 ist ein kleines Schwergewicht. Mit knapp 282 Gramm ist es knapp ein Drittel schwerer als das aktuelle Galaxy Note 20 Ultra. Es wiegt auch mehr als sein Vorgänger (20 Gramm).


Multitasking in Reinkultur

Mit dem größeren Bildschirm habe sich die Split-View-Nutzung, bei der zwei Apps gleichzeitig genutzt werden, massiv erhöht, laut Samsungs eigenen Umfragen bei Fold-Nutzern in Korea und den USA. Zwar ist die Funktion bei Samsung-Geräten schon länger im Einsatz, aber aufgrund des limitierten Platzes nicht immer praktisch. Nur vier Prozent würden diese auf den herkömmlichen Geräten nutzen, im Gegensatz zu 34 Prozent der Fold-User, hält Samsung fest.

Die kreisrunde Aussparung ist kaum zu erkennen.(c) Samsung

Wie auch schon beim Galaxy Note 20 gibt es die Option auf eine Bildschirmwiederholrate von 120 Hz. Dual-Lautsprecher, die links und rechts angebracht sind, sollen "den besten Sound von allen Galaxy-Geräten" bieten.

Die Schwachstelle - der Klappmechanismus

Das verbaute Scharnier war die größte Schwachstelle in der ersten Generation. Es war auch der Grund, warum das Gerät zurückgeholt und überarbeitet werden musste. Die Öffnung bot Staub und Flankerl eine Einflugsscheise, was schlussendlich zu Schäden am Display geführt hat. Mit der überarbeiteten Mechanik und Mini-Kehrbesen soll künftig der Schmutz draußen bleiben.

Eine weitere Neuerung in Bezug auf das Scharnier ist der justierbare Winkel. Zwischen 75 und 115 Grad lässt sich das Display positionieren.

Das Z Fold 2 lässt sich nun in verschiedenen Winkeln arretieren.(c) Samsung

Software

Gemeinsam mit Google hat Samsung die "App Continuity" weiter verbessert. Nahtlos und ohne zu ruckeln sollen Anwendungen vom kleinen auf den großen Bildschirm wandern. Hier gibt es drei Neuerungen, die den Nutzer entscheiden lassen, wie der Inhalt vom Front-Bildschirm auf das Hauptdisplay wandert - abhängig davon, wie das Fold 2 positioniert ist. Ist es zum Beispiel nur halb aufgeklappt, passt sich die Darstellung automatisch an, dass oben zum Beispiel das Video angezeigt wird und unten die Steuerungselemente zur leichteren Bedienung.

Multi-Active Window

Bis zu drei Apps können gleichzeitig am Hauptbildschirm genutzt werden. Termine aus WhatsApp-Nachrichten im Kalender eintragen, während man sich gerade noch ein Video anschaut. Hier bietet Samsung mehr Skalierbarkeit, sodass sich die Layouts der Apps schneller anpassen lassen können. Dabei lässt aber Samsung offen, welche Apps kompatibel sein werden. Fixstarter dafür sind voraussichtlich die hauseigenen Apps, Googles und Microsofts Anwendungen, aufgrund der engen Kooperation über die letzten Jahre.

Fotografie - Wenn das Modell den Fotografen kontrolliert

Wer hatte nicht schon Personen vor der Linse, die jeden Schritt der Einstellungen, den Winkel und die Position genau kontrollieren wollten? Wer sich Diskussionen ersparen will, kann dem Motiv die Kontrolle in die Hand geben, oder sie zumindest mitschauen lassen über das Frontdisplay im Dual-Preview-Modus. Eine Funktion, die auch schon der Mitbewerber Huawei beim Mate X als durchaus sinnvoll erachtete. Selfies können zudem mit der hochauflösenden Hauptkamera gemacht werden.

Das Scharnier wurde überarbeitet.(c) Samsung

Technische Details: Die Triple-Kamera bietet eine Ultraweitwinkel-Kamera (12 Megapixel, 1,12 µm, F2,2), eine Weitwinkelkamera mit gleicher Auflösung, optischem Bildstabilisator (1,8µm und einer Blende von F1,8) und zu guter Letzt die Telekamera. Ebenfalls mit 12 Megapixel, einer Blende von F2.4 und 1µm.


Technische Ausstattung

Der geteilte Akku wird mit einer Kapazität von 4500 mAh angegeben. Es unterstützt wie auch die anderen Topmodelle Samsungs die Wireless-Power-Share-Funktion, wodurch drahtlos die eigenen Kopfhörer, Smartwatch oder ein anderes aktuelles Samsung-Gerät geladen werden können. Voraussetzung dafür ist die Unterstützung von WPC Qi.
Standardmäßig wird das Fold mit 5G ausgeliefert.

Nach wie vor schließt es nicht zu 100 Prozent, aber das sei auch notwendig, erklärten die verantwortlichen Ingenieure während der Präsentation.(c) Samsung

Der Fingerprint-Sensor ist nicht im Display zu finden. Hier hat sich Samsung für einen Weg entschieden, den Sony lange Zeit für sich und seine Smartphones gepachtet hat: Seitlich, gleich unter dem Lautstärke-Regler. Als weitere Sicherungsmethode steht die Gesichtserkennung zur Verfügung. Diese ist aber aufgrund der andauernden Maskenpflicht im öffentlichen Raum eher zu vernachlässigen.

In Kombination mit dem Achtkern-Prozessor und 12 Gigabyte RAM verspricht das Falthandy auch mit allerlei Anforderungen zurecht zu kommen, ohne gleich in die Knie zu gehen. Bei einem solchen Preis ist das aber auch eine Voraussetzung. Speichervarianten spart sich Samsung bei diesem Modell und bietet 256 Gigabyte an, der auch nicht erweiterbar ist.

Farben, Special-Edition und Verkaufsstart


Das Flip und das Fold werden jetzt unter der Marke "Galaxy Z" zusammengefasst. Neben Bronze gibt es Schwarz. Wer einen Farbtupfer vermisst: Das Scharnier gibt es in einer bunten Vielfalt (Silber, Gold, Rot, Blau).

Eine Thom Browne Edition hat Samsung auch wieder im Köcher, dessen Design, das Laien im ersten Blick vielleicht mit Tommy Hilfiger verwechseln könnten, auch für den Starbildschirm zur Verfügung steht. Die Edition beinhaltet das Z Fold 2, die Galaxy Watch 3, die kürzlich vorgestellten Galaxy Buds Live und passende Accessoires. Diese Version wird nur in ausgewählten Märkten angeboten und kann ab Anfang September vorbestellt werden.

Das Galaxy Z Fold 2 ist ab 18. September für 1999 Euro in Österreich erhältlich.

Technische Spezifikationen

Display
Hauptdisplay: 19,27 cm / 7,6'' QXGA+ Dynamic AMOLEDDisplay (3,2:4) Infinity Flex Display (2.208 x 1.768), 373ppi
Frontdisplay: 15,81 cm / 6,2'' HD+ Super AMOLED Display (25:9), 2.260 x 816, 386ppi
Abmessungen
Gefaltet: 68,0 x 159,2 x 16,8 mm, ca. 279g
Geöffnet: 128,2 x 159,2 x 6,9 mm

Triple Kamera: 12 MP Ultraweitwinkel Kamera: F2.2, FOV : 123˚
12 MP Weitwinkel Kamera: Super Speed Dual Pixel AF, OIS, F1.8, FOV: 83˚
12 MP Telekamera: AF, F2.4, OIS, FOV: 45˚
Dual OIS, 0.5x und 2x optischer Zoom, bis zu 10facher digital Zoom, HDR10+ Aufnahmen, Verfolgungs-AF
Prozessor: 7nm 64-bit Octa-Core Processor (3.09 GHz + 2.40 GHz + 1.80 GHz)
Speicher: 12 GB RAM mit 256 GB internem Speicher
Akku: 4.500 mAh (typisch) Doppelakku
25 W Schnelladen1 und 15 W Induktives Laden unterstützt
Betriebssystem: Android 10.0
Konnektivität2: 5G, LTE, WLAN 802.11 a/b/g (2,4 GHz)
Wi-Fi 4, 5, 6 (2,4 GHz + 5 GHz), HE80, MIMO, 1024-QAM
SIM-Karte: eSIM, Nano (4FF)