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Nur 14 Frauen im Vorstand österreichischer Börsenunternehmen

An der Spitze österreichischer Grußunternehmen stehen nach wie vor vor allem Männer.
An der Spitze österreichischer Grußunternehmen stehen nach wie vor vor allem Männer.(c) imago images/Westend61 (imago stock&people via www.imago-images.de)
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Jedes vierte Unternehmen erfüllt einem Bericht zufolge die Quote im Aufsichtsrat nicht. Die Corona-Pandemie brachte einen zusätzlichen Rückschritt in traditionelle Rollen.

Chefinnen bleiben in Österreichs Unternehmen weiterhin die Ausnahme. Von 191 Vorständen in börsennotierten Unternehmen sind aktuell nur 14 Frauen, geht aus dem EY Mixed Leadership Barometer Österreich des Beratungsunternehmens EY hervor. Obwohl die Zahl der Aufsichtsrätinnen steigt, erfüllt jedes vierte Unternehmen nicht die Quote von 30 Prozent.

Im Vergleich zum Jahresbeginn gab es mit Stichtag 1. August 2020
in den Vorstandsrängen sogar einen leichten prozentuellen Rückgang
der Frauen von 7,7 auf 7,3 Prozent - denn bei gleichbleibender Zahl
weiblicher Vorstände wurden neun zusätzliche Männer in die
Chefetagen aufgenommen. Nach wie vor ist in 45 von 58
österreichischen börsennotierten Unternehmen keine Frau im Vorstand
vertreten. Drei Frauen stehen als CEO ganz oben: Herta Stockbauer
bei der BKS Bank, Karin Trimmel beim Kräuterlikörhersteller
Gurktaler und Elisabeth Stadler bei der Vienna Insurance Group.
Sechs Frauen sind Finanzvorstände.

Am meisten Frauen in Konsumgüterbranche

Die meisten Vorstandsdirektorinnen sind in der Konsumgüterbranche
anzutreffen, wo ihr Anteil bei 19 Prozent liegt. An zweiter Stelle
folgt die IT- (12,5 Prozent) und an dritter Stelle die Finanzbranche
(7,7 Prozent). Keine einzige Vorständin gibt es in Österreich in
fünf Branchen: Automobil, Immobilien, Rohstoffe, Telekommunikation
und Transport.

So sieht der Anteil der Frauen in Vorständen und Aufsichtsräten in Wien aus.
So sieht der Anteil der Frauen in Vorständen und Aufsichtsräten in Wien aus.(c) APA

Hingegen steigt der Frauenanteil in den Aufsichtsgremien: Seit
Jahresbeginn ist in den Aufsichtsräten der österreichischen
WBI-Unternehmen (Wiener Börse Index) die Anzahl der Frauen von 26,2
auf 27,2 Prozent gestiegen. In den Aufsichtsgremien sind 145 Frauen
(27,2 Prozent) und 389 Männer (72,8 Prozent) vertreten. Der Anteil
weiblicher Aufsichtsratsmitglieder ist damit bereits das siebente
Halbjahr in Folge gestiegen. Die meisten Aufsichtsrätinnen gibt es
in der Energiebranche (35,5 Prozent), gefolgt von der Finanz- (33,1
Prozent), Transport- (29,6 Prozent) und Telekommunikationsbranche
(26,7 Prozent).

Seit Quotenregel von 18,8 auf 27,2 Prozent

Seitdem mit 1. Jänner 2018 die gesetzliche Genderquote von 30
Prozent in Kraft getreten ist, erhöhte sich der Frauenanteil in den
Kontrollgremien deutlich von 18,8 auf 27,2 Prozent. In 66 Prozent
der gelisteten österreichischen Unternehmen sind inzwischen
mindestens zwei Aufsichtsräte Frauen, bei 81 Prozent gibt es
zumindest ein weibliches Gremiumsmitglied. Doch auch hier gibt es
noch Aufholbedarf: Fast jedes vierte verpflichtete österreichische
Unternehmen erfüllt die Quote im Aufsichtsrat noch nicht.

Das eindeutige Geschlechter-Missverhältnis an der Spitze der
Unternehmen zeige, dass der Aufstieg für Frauen in die
Vorstandsetagen weiterhin sehr schwierig sei und die Unterstützung
von Politik, Unternehmen und auch vom persönlichen Umfeld teilweise
fehle, sagt Helen Pelzmann, Partnerin (EY Law) und Verantwortliche
für die Initiative "Women. Fast Forward" bei EY Österreich. "Wenn
die Zahl der Frauen weiter im Tempo der letzten Jahre von unter
einem Prozentpunkt steigt, wird es bis zum Jahr 2073 dauern, bis in
den Vorstandsgremien 50 Prozent Frauen und 50 Prozent Männer
sitzen."

Als Ursache sieht sie Scheu in den Unternehmen vor einem
Veränderungsprozess in den obersten Leitungsfunktionen. Damit würde
aber auch die hohe Symbolkraft weiblicher Führungskräfte verkannt,
so Pelzmann. "Keine Frauen in den Vorstandsetagen sind ein starkes
Indiz, dass es sehr wohl Aufstiegshindernisse gibt und Tradition
anstatt Wandel, Aufbruch und Fortschritt gelebt wird."

Corona: Frauen kümmerten sich mehr um Familie

Die Corona-Pandemie habe zu einer verstärkten Rückkehr
traditioneller und überholter Geschlechterstereotypen geführt. Um
Haushalt und Homeschooling haben sich vermehrt die Frauen in der
Familie gekümmert, auch weil sie öfter in Teilzeitstellen arbeiten.
"Hier sind die Unternehmen gefordert, durch ein flexibles
Arbeitsumfeld und die Möglichkeit, von Zuhause zu arbeiten, eine
gute Grundlage zu schaffen, um beiden Geschlechtern die
Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu erleichtern und dadurch die
Gleichstellung der Frauen voranzutreiben", erklärt Pelzmann.

In der EY-Studie wurde die Anzahl weiblicher Vorstände sowie
Aufsichtsratsmitglieder jener österreichischer Unternehmen
analysiert, die zum Stichtag 1. August 2020 im WBI notieren. Für den
Langzeitvergleich wurden die jeweiligen Zahlen dieser Unternehmen
rückwirkend bis zum 31. Juli 2015 analysiert. Die Analyse bezieht
sich daher immer auf die zum Stichtag aktuelle Zusammensetzung von
österreichischen Unternehmen im WBI. Man wolle die Situation in den
jetzt börsennotierten Unternehmen abbilden, heißt es auf
APA-Nachfrage von EY.

Die Zusammensetzung (Fokus seit Ende 2019 nur noch auf
österreichische Unternehmen im WBI) hat sich im Vergleich zum 31.
Juli 2019 (da waren es noch 15 weibliche Vorstände und 190
männliche, Anm.) geändert: Nicht mehr untersucht, weil nicht (mehr)
österreichisch, werden die Unternehmen Atrium, De Raj Group, RHI
Magnesita und Valneva. Nicht mehr im Index enthalten sind HTI und
Staatsdruckerei.

(apa/red.)