Der Mediator

Dichand lebt! Er nennt sich jetzt Peter Gnam. Wer darüber besorgt war, dass die »Kronen Zeitung« nach dem Tod des Zaren verlottern würde, hat seine Hausmeister unterschätzt.

Neuigkeiten aus der
Welt der Nachrichten

Nach Wochen der freiwilligen Absenz habe ich endlich wieder die „Krone“ dienstlich in der Hand gehabt. Es war beruhigend. Jene Verblendeten, die bereits vor dem Begräbnis des großen Patriarchen (samt Himmelfahrtsgarantie durch die hohe Geistlichkeit) vorausgesagt haben, dass in der Muthgasse nun alles den Donaukanal runtergehe, werden Lügen gestraft. Die Schlagzeile vom Samstag hat großes Chef-Format. „Brüssel muss ohnmächtig zuschauen: EU-Land Bulgarien von Mafia regiert!“

Das ist zwar noch nicht ganz so alarmierend, wie wenn es hieße: „Leserbriefschreiber Faymann muss ohnmächtig zuschauen: EU von Mafia regiert!“, aber die Blattrichtung stimmt. Vor allem, wenn man sich die Exegese auf Seite 2 der „Krone“ durchliest. Peter Gnam demonstriert in seiner „Politik inoffiziell“, dass er das Zeug zum Cato hat, und sogar ohne dessen sprichwörtliches Zögern. Flüssig beweist er, „dass jene recht haben, die Bulgarien, aber auch Rumänien (Roma-Problem!) immer schon als nicht EU-tauglich bezeichnet haben“.

Das heißt aber beileibe nicht, dass die „Krone“ ausländerfeindlich wäre. Wer nicht EU-tauglich ist, muss nur wissen, wo sein Platz ist – zum Beispiel in den Kontaktanzeigen im Hinterteil des Blattes, das dort „Ausländerinnen“ ganz tolerant mit ihren Sexdiensten werben lässt. Mit Mafia hat das überhaupt nichts zu tun, wenn „Afrosexgirls“ und „Asiamäuschen“ mit „Naturhausbesuchen“ locken. Aber kehren wir zurück zur „Politik inoffiziell“. Dort operiert Herr Gnam mit rhetorischen Tricks, gegen die Brüssel völlig machtlos ist. Bei ihm versinkt Bulgarien in einem Sumpf, während „in Österreich die Haider- und Grasser-Jagdgemeinschaft weiter verbissen einem Beweis nachhechelt, mittels dem man dem einen Steine ins Grab nachwerfen und den anderen hinter Gitter bringen kann...“

Wer aber steckt hinter diesem Rufmord an einem Landeshauptmann, der Kärnten Sauberkeit, Reichtum und glückliche Banken beschert hat, während er selbst einen bescheidenen Lebensstil hart an der Armutsgrenze für Cabriofahrer gepflegt hat? Wer schnüffelt frech in Liechtenstein herum, einem Land, in dem unbescholtene Bürger höchstens einmal kurz auf einen Sprung zum Mittagessen vorbeischauen? Die bulgarische Mafia? Die Roma-Weltverschwörung? Seien wir nicht naiv. „Irgendwann reicht es auch dem geduldigsten Menschen.“ Jedermann, also Herr Gnam, weiß, dass derartige Unterstellungen nur „in einem berühmt berüchtigten Krawallblatt“ erfunden werden können. Wenn die „Krone“ nicht wäre, würde die Österreich-Mafia frech regieren, mit Karlsplatz-Manieren, denn Brüssel schaut diesem bunten Treiben wieder einmal ohnmächtig zu!

Was aber wäre eine Rückkehr aus dem Urlaub ohne „Österreich“? Das Fellner-Blatt bezieht seine News jetzt direkt aus dem Jenseits: „Loveparade ist Strafe Gottes“. Wer war der Informant? Haider? Gott? Dichand? Nein, nur Weihbischof Laun. Indirekt. Ein Rom-Problem!

norbert.mayer@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.08.2010)

Lesen Sie mehr zu diesen Themen:


Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt
Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.