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Blockchain: wieder da

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Was haben wir uns nicht alles von der neuen Technologie erwartet. Dann versank sie im Tal der Enttäuschungen. Jetzt gibt es erste Praxisbeispiele für Unternehmen.

Sie sollte tolle Vorteile haben. Transparent sollte die Datenverarbeitung mit der Blockchain sein, kopier- und manipulationssicher. Jede Änderung sofort nachvollziehbar. Unabhängig von zentralen Instanzen und teuren Intermediären. Perfekt gegen Hacker geschützt.

Nach und nach kamen die Nachteile ans Licht. Sauteuer sei sie, die Blockchain. Ein Stromfresser sondergleichen. Im betrieblichen Kontext könne jeder vertrauliche Informationen nachlesen. Fehlerhafte Eingaben ließen sich nicht mehr korrigieren. Das Ausschalten zentraler Instanzen hätte nicht nur Vorteile, damit fehle es auch an Verantwortlichkeit. Die rechtliche Lage sei alles andere als transparent. Und, der Super-GAU, beherrsche ein Hacker mehr als die Hälfte des Netzwerkes, sei nichts mehr sicher.

So blitzartig der Hype begann, so schnell war er wieder zu Ende. Es wurde still um die Blockchain.

Öffentlich wenigstens. In aller Stille arbeiteten die First Mover weiter. Abseits von Bitcoins und Ethereum gibt es nun die ersten Praxisbeispiele von Enterprise-Blockchains.

  • TradeLens. Dank dieser Kooperation zwischen IBM mit der Reederei Maersk weiß die Plattform immer, wo in der Welt sich ein Container gerade befindet. Außerdem nimmt sie viel Papierkram ab: Packlisten, Zollpapiere, Ursprungszeugnisse, die bislang händisch und in Papierform abgefertigt wurden. Je mehr Reedereien TradeLens nützen, desto effektiver und kostengünstiger wird es. Aktuell sind es sechs Reedereien und eine Nachverfolgung kostet 25 Dollar.

  • FoodTrust. Die cloudbasierte Plattform von – schon wieder – IBM und LEH wie Walmart spürt verdorbene oder verunreinigte Lebensmittel auf und findet deren Lieferanten. Das trägt immerhin dazu bei, weniger Lebensmittel auf Verdacht vernichten zu müssen.

  • Everledger. Hier geht es um Diamanten. Die Plattform speichert deren unverwechselbaren Merkmale und kann damit Herkunft und Echtheit garantieren. Ähnliches ist für edle Weine geplant.

  • Energy Web Chain. Auch eAutos müssen „betankt“ werden – hier ohne zwischengeschaltete Banken.

  • GS1. Noch im Teststadium: eine Mobile App, die per Blockchain den Austausch von Warenpaletten zwischen Lieferanten und Empfänger koordiniert.

Wie so oft gilt: Vorne mit dabei sein ist Prestigesache, vor allem für finanzstarke Konzerne. Dennoch lassen sich heute noch die meisten betrieblichen Probleme billiger lösen.

Buchtipp

Stefan Wittenberg
Blockchain für Unternehmen
Anwendungsfälle und Geschäftsmodelle für die Praxis
Verlag Schäffer-Poeschel