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Humanitäres Engagement

„Materielle Güter rücken in den Hintergrund“

Bettina Glatz-Kremsner, Vorstandsvorsitzende der Österreichischen Lotterien.(c) Christof Wagner
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Ereignisse wie die Coronakrise führen zu einer Neubewertung vieler Bereiche, sagt Bettina Glatz-Kremsner, Vorstandsvorsitzende der Österreichischen Lotterien, die bei der Austria 20 erneut mit an Bord sind.

Wien. Trotz Coronakrise hatten die Österreichischen Lotterien „das Glück, den Geschäftsbetrieb weitestgehend aufrechterhalten zu können, und waren wirtschaftlich nicht so stark betroffen wie andere Branchen und Unternehmen“, sagt Bettina Glatz-Kremsner, Vorstandsvorsitzende der Österreichischen Lotterien, die bei der Austria 20 bereits zum 17. Mal als Sponsor für die Kategorie Humanitäres Engagement mit an Bord sind. „Daher waren wir auch in der Lage, unsere sozialen und humanitären Engagements fortzuführen. Es war zwar gelegentlich nötig, aufgrund der besonderen Situation Kooperationen und deren Inhalt anzupassen, aber wir ließen keine Partner im Stich. Und diesen Kurs werden wir natürlich auch in Zukunft beibehalten.“

Das Engagement im humanitären und sozialen Bereich hat für die Österreichischen Lotterien seit jeher einen besonderen Stellenwert – genauso wie eine gesamtgesellschaftliche Verantwortung. So haben die Lotterien im Zuge der Coronakrise die Kampagne #wirtragenmaske ins Leben gerufen. Zahlreiche Prominente wie etwa Franco Foda, Sabine Haag und Adi Hirschal standen dafür als Testimonials zur Verfügung. „Wir haben zudem unseren Annahmestellen geholfen, die Sicherheitsvorkehrungen einzuhalten, indem wir sie mit Mund-Nasen-Schutz-Masken und Desinfektionsmittel ausgestattet haben“, so Glatz-Kremsner. „Und wir haben Trafikanten, die Vertriebspartner sind, dabei unterstützt, ihren Kindern gratis ein Sommercamp zu ermöglichen.“

Von der Krise verschont blieben aber auch die Lotterien nicht. „Grundsätzlich ist es ja so, dass die Menschen je nach wirtschaftlicher Situation spielen. Haben sie gerade mehr zur Verfügung, spielen sie mehr, haben sie weniger, spielen sie weniger“, sagt Glatz-Kremsner. „Dass sich die Einbußen während der Coronakrise aber in Grenzen hielten, lag vor allem am Umstand, dass wir durchwegs mehr als 90 Prozent unseres Annahmestellennetzes – wenn zum Teil auch mit reduzierten Öffnungszeiten – zur Verfügung hatten.“ Und diese Annahmestellen, allen voran die rund 2500 Trafiken, haben ihr Möglichstes getan, um ihrer Aufgabe als Nahversorger gerecht zu werden. Aber die anfänglichen Ausgangsbeschränkungen führten zu einer deutlich reduzierten Frequenz in den Annahmestellen, was spürbare Auswirkungen in – je nach Produkt – unterschiedlichem Ausmaß zur Folge hatte.

Zu den Folgen der Krise gehört für Glatz-Kremsner auch das Überdenken der Definition von Glück. „Der Mensch ist ein Gewohnheitstier, und vieles, was nicht selbstverständlich ist, wird als selbstverständlich empfunden. Einschneidende Erlebnisse wie die Coronakrise führen dann zu einem Überdenken und zu einer Neubewertung vieler Bereiche“, sagt sie. „Gesundheit bekommt, um bei der aktuellen Situation zu bleiben, einen neuen Stellenwert, materielle Güter rücken ein bisschen in den Hintergrund, und so wird wohl auch der Begriff des Glücks vielfach neu definiert.“

Und obwohl bei den Folgen der Krise zunächst an negative Entwicklungen etwa für den Tourismus gedacht werde, könne auch mit positiven Auswirkungen gerechnet werden: „Man wird nach der Krise in der Medizin und in der Forschung große Fortschritte gemacht haben. Vielleicht ergeben sich auch nachhaltig positive Effekte für die Umwelt und für das Klima, und es wird die Arbeitswelt auf neue, flexiblere Beine gestellt, Stichwort Home-Office.“

Jedenfalls hätten die vergangenen Monate eine Situation hervorgerufen, „wie sie die Casinos Austria und Österreichische-Lotterien-Unternehmensgruppe und damit auch ich in meiner 30-jährigen Berufslaufbahn noch nicht erlebt haben“, sagt Glatz Kremsner. „Aber wir haben diese Phase der – vor allem bei den Casinos – geschäftslosen Zeit nicht zuletzt durch ein hervorragendes Krisenmanagement und durch die Unterstützung bestens geschulter Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Krisenstab gemeistert und sind jetzt dabei, das Extrem mit allen Anstrengungen wieder umzukehren.“

Die Krise habe natürlich alle sehr gefordert und auch dazu geführt, dass private und berufliche Lebensbereiche teilweise noch stärker ineinander übergehen. Tele-Arbeit, Home-Office, Kurzarbeit und nicht nur das Proben eines Krisenfalls, sondern der bittere Ernstfall seien auch für sie und ihren Vorstandskollegen, Martin Škopek, Neuland gewesen und hätten dazu geführt, dass viele Umdenkprozesse gestartet wurden. „Es war sicherlich für uns alle eines der arbeitsintensivsten Szenarien überhaupt. Aber was es durchaus schmerzhaft bewiesen hat, ist, dass wir ein starkes berufliches Zusammengehörigkeitsgefühl haben und so miteinander koordiniert und lösungsorientiert für das große Ganze gearbeitet haben.“