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Start-ups

Wie Digitalisierung hilft, die Krise zu bewältigen

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Wien findet als Standort für Start-ups auch international gute Resonanz.(c) Getty Images (Pekic)
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Das Silicon Valley ist noch immer die Nummer eins, wenn es um Start-ups geht, doch Wien gehört zu den aufstrebenden Ökosystemen. Und der Standort überzeugt durch die Langlebigkeit der jungen Unternehmensgründungen.

Mit einem Schlag waren schnelle und verlässliche Lösungen gefragt. Als der Lockdown im März Wirklichkeit wurde, erlebten die technologiegetriebenen Start-ups mit ihrem Angebot eines: enorme Nachfrage, weil sie mit ihrem Digialisierungsangebot mithalfen, die Krise besser zu bewältigen.

Die Coronakrise hat den bereits vorhandenen Trend noch weiter verstärkt, alles zu digitalisieren, was digitalisierbar ist. Was es in der Praxis in vielen Fällen ermöglicht, die eigenen vier Wände nicht verlassen zu müssen. Das reicht von den täglichen Erledigungen des Alltags bis zur medizinischen Versorgung.

Angebot wird angenommen

Wie sehr Digitalangebote beispielsweise für Bankgeschäfte in Anspruch genommen werden, erhob kürzlich die Unternehmensberatung Capgemini. Seit dem Lockdown benützen mehr als 57 Prozent der Verbraucher Internetbanking gegenüber 49 Prozent vor dem Ausbruch. 55 Prozent von ihnen ziehen mobile Banking-Apps vor, gegenüber 47 Prozent vor der Krise. Was ein breites Betätigungsfeld für digitale Banken-Start-ups bedeutet. Eines der erfolgreichen Beispiele dafür ist N26, eine Onlinebank, die vom Wiener Valentin Stalf gegründet wurde.
Nicht nur die technologiegetriebenen Start-ups haben die Krise gut überstanden, sondern alle, die zu Beginn der Pandemie über eine solide Finanzierung verfügt haben. Es wurde im März, April und Mai sogar mehr Geld in Start-ups investiert als im gleichen Zeitraum 2019. Zwar wurden weniger Finanzierungsrunden umgesetzt, die waren allerdings größer. Profitiert haben davon bereits etablierte Start-ups. Neulinge taten sich schwerer, weil Investoren ihr Geld tendenziell für das eigene Portfolio horteten.

Ist das nun ein Grund, erst gar nicht in Österreich zu starten? Das kalifornische Silicon Valley ist zwar weiter die Nummer eins, wenn es um Start-ups geht. Der Start-up-Ökosystembericht rangiert jedes Jahr die 100 besten Start-up-Orte weltweit. Österreich ist nicht darunter. Die Top-Plätze teilen die USA und China unter sich auf. Doch Europa holt auf. Und so schaffte es Wien erfreulicherweise ins Mittelfeld der 100 aufstrebenden Ökosysteme. Österreich gibt 3,2 Prozent seines BIPs für Forschung aus. Laut der OECD investieren nur fünf Länder mehr – allen voran Israel.

Dennoch schlägt sich das kaum in der Wirtschaft nieder. Im Index für „Digital Entrepreneurship Systems“ der Europäischen Kommission rangiert Österreich nur auf Platz elf. Länder wie Dänemark, Schweden, die Niederlande, Finnland, Großbritannien, Deutschland, Luxemburg und Irland bieten bessere digitale und systematische Rahmenbedingungen für das Unternehmertum. Ein Grund liegt im schlechten Zugang zu Finanzierung. Denn so sehr sich öffentliche Hand und Förderagenturen bemühen (vor allem die Frühphasen-Förderung von öffentlicher Seite laufe sehr gut, attestieren Experten), eine wichtige Gruppe ist ausgeschlossen: institutionelle Investoren wie Pensionskassen und Versicherungen. Sie dürfen nicht in Risikokapital investieren. Wodurch dem Markt Milliarden fehlten.

Dennoch überraschen die heimischen Start-ups mit einer hohen Überlebensrate. Rund 80 Prozent der Jungunternehmen, die zwischen 2008 und 2010 gegründet wurden, sind heute noch aktiv. Nur zwölf Prozent gingen in Konkurs oder Insolvenz. Sechs Prozent wurden verkauft oder fusioniert. Das dürfte auch daran liegen, dass potenzielle Entrepreneure mittlerweile schon sehr früh lernen, ihre Idee auf die Umsetzbarkeit abzuklopfen. Leuchtturmprojekte sind Gründungswochen und Ideenwettbewerbe. Und: Einige Schulen bieten Entrepreneurship als Schulfach an. Für Jugendliche gibt es Covid-19 zum Trotz so viel Angebote wie noch nie, sagt Lindner.