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Corona-Kreisverkehr

PK START DER CORONA AMPEL: ANSCHOBER
PK START DER CORONA AMPEL: ANSCHOBERAPA/HANS PUNZ
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Oder: Warum auf „Ich bin bei Rot noch gefahren“ bald die Frage „Wohin?“ passt.

Also, man weiß ja gar nicht so recht, wo man beginnen soll. Zuerst einmal ist das alles (ach ja, um die Corona-Ampel geht es, aber um was denn sonst?), von der Kommunikation her mehr als patschert. Und wir reden da noch gar nicht vom politischen Ablauf (also wieder etwas der Öffentlichkeit präsentieren, das legistisch noch gar nicht umgesetzt ist, wie oft muss diese Regierung eigentlich noch auf die heiße Herdplatte greifen, bis da ein Lerneffekt einsetzt?). Und auch nicht, dass nicht einmal Bundes- und Landespolitiker einer Partei oder aus demselben Bundesland Willens sind, wenigstens um der Sache willen mit einer Sprache zu sprechen. Was das für Akzeptanz und damit die Befolgung der Regeln bedeutet, braucht man gar nicht näher zu erläutern.

Nein, es beginnt schon viel früher: Wie kommt man auf die Idee, für dieses sicherlich notwendige und wichtige Pandemie-Warnsystem ausgerechnet das Bild einer Ampel zu verwenden? An einer Ampel steht man (ist sie grün, bemerkt man sie nicht bewusst), meist wird sich im besten Fall gelangweilt oder gar gehupt oder geschimpft und die klassische Ampel ist ziemlich 80er-Jahre (sagt man das noch?), also alles andere als ein Symbol auf der Höhe der Zeit. Dazu nimmt man in einem Land, in dem alle geläufigen Ampeln entweder zwei oder drei Farben haben, eine mit vier Farben, was die Klarheit des Symbols zusätzlich verwässert. Und anders als bei einem vierblättrigen Kleeblatt bringt das dann nicht einmal Glück.

Als wäre das noch nicht genug, werden die beiden Farben gelb u-n-d orange gewählt, die je nach Bundesland bei der klassischen Ampel ja synonym verwendet werden. Ob jetzt gelb oder orange akuter, gefährlicher, schlimmer sein soll, erschließt sich also ohne Anleitung gar nicht. Und bei kurzem Nachdenken hätte man übrigens auch wissen können, dass Landespolitiker immer einen Kreisverkehr einer Ampel vorziehen.

Im allgemeinen Sprachgebrauch wird es zwangsläufig zu einiger Verwirrung kommen: Wien ist rot, könnte auch wenn die SPÖ die Wahlen im Herbst gewinnt, noch eine nicht-politische Bedeutung haben. Auf die Feststellung „Ich bin bei Rot noch gefahren“ passt bald auch die Frage: „Wohin?“ Und wer bei Gelb drüberfährt, kann sich darauf herausreden, dass ja vor Rot ohnehin noch Orange kommt.

florian.asamer@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.09.2020)