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Schönbrunner Tiergarten hofft auf "Baby-Bonus"

Schoenbrunner Tiergarten hofft BabyBonus
Elefantenbaby(c) APA/DANIEL ZUPANC/TIERGARTEN SCH (DANIEL ZUPANC/TIERGARTEN SCH�NBR)
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Bis zuletzt zeigte sich einmal mehr ein Rückgang der Besucherzahlen. Die Geburt eines Elefantenbabys vergangenen Freitag weckt nun die Hoffnung auf einen Umschwung - ähnlich wie bei der Geburt des Pandabären Fu Long.

Noch braucht Thomas Kultscher sein langes Teleobjektiv, um den neusten Star des Schönbrunner Tiergartens einzufangen. Der Hobbyfotograf aus Baden steht inmitten einer Menschentraube vor dem Elefantengehege des ältesten Zoos der Welt und versucht, in dem Gedränge aus Kindern, Eltern und Ausflugsgruppen einen ruhigen Standplatz zu ergattern, um seine Kamera auszurichten.

Sein Motiv, das noch namenlose Elefantenbaby, das am vergangenen Freitag in Schönbrunn zur Welt gekommen ist, gibt sich aber noch recht schüchtern und versteckt sich zwischen den säulenartigen Beinen seiner Mutter, der 17-jährigen afrikanischen Elefantendame Numi. Die ersten Tage seines Lebens verbringt das 112 Kilo schwere, knapp einen Meter große Tier nur mit seiner Mutter im „Bullenbereich“ – einem durch eine eineinhalb Meter hohe Mauer und starke Betonsäulen vor dem Rest des Geheges abgetrennten Bereich, in dem die beiden Tiere nicht den Ablenkungen durch Besucher und dem Rest der Herde ausgesetzt sind.

Auf der leicht erhöhten Besuchertribüne am Rande des Geheges versuchen am Sonntagmittag trotzdem zahlreiche Gäste, einen Blick auf das Elefantenbaby zu erhaschen: Ein Anblick, der auch in der Tiergartenleitung für Erleichterung gesorgt haben dürfte: Dort versucht man nämlich, an den Besucherrekord des Jahres 2008 anzuschließen. 2,6 Millionen Menschen waren damals zu den Tieren nach Schönbrunn gekommen, nicht zuletzt dank der Geburt des großen Pandabären Fu Long.

 

2008: Rekord dank Panda, Sonne

Im vergangenen Jahr war der „Baby-Bonus“ aber schon wieder verflogen: „2009 hatten wir einen Rückgang von 400.000 Besuchern“, sagt Dagmar Schratter, Direktorin des Schönbrunner Zoos im Gespräch mit der „Presse“ – selbst damit habe der Tiergarten aber immer noch das drittbeste Jahr seiner Geschichte erlebt.

Der Rückgang liege einerseits daran, dass es im Gegensatz zu 2008 nicht so viele Jungtiere in den „Flagship-Arten“ gegeben hätte, die die Menschen in die Zoos locken würden: „Pandas, Eisbären, Tiger, Löwen: Das sind natürlich Besuchermagneten.“

Ein mindestens genauso wichtiger Faktor sei aber das Wetter: „Die Besucher gehen nicht in den Tiergarten, wenn es regnet oder wenn es sehr heiß ist.“ Das sei auch heuer stark zu spüren, im Vergleich zum Vorjahr zeichne sich bisher ein neuerlicher Besucherrückgang ab – und das nicht nur in Schönbrunn: Bei den Tiergärten in Europa zeichnet sich im Schnitt ein Minus von 15 Prozent ab – das ist einfach nur das Wetter“, versichert die Direktorin.

Schratter hofft allerdings, den Rückgang bis Jahresende noch aufholen zu können: „Sobald das Wetter passt, das haben wir in der vergangenen Woche gesehen, sind die Besucher wieder da.“ Ein Eindruck, der sich beim Lokalaugenschein am Sonntag bestätigt: Nicht nur die Nachrichten von der Geburt des jungen Elefanten treiben hunderte Besucher nach Schönbrunn, auch das ideale Ausflugswetter geben viele Besucher als Motiv für den Zoobesuch an.

Gute Besucherzahlen sind für den Zoobetrieb essenziell: Der Schönbrunner Tiergarten wird von einer ausgegliederten Bundesgesellschaft verwaltet – und den Großteil des jährlichen Budgets von rund 16 Millionen Euro machen Umsatzerlöse aus dem Verkauf von Eintrittskarten aus: 2008 lukrierte der Tiergarten daraus rund 12 Millionen Euro. Der Rest der Einnahmen stammt aus Spenden, Verlassenschaften, dem Verkauf von Tierpatenschaften und Förderungen: Für den laufenden Betrieb des Tiergartens steuert die Republik jährlich rund 1,7 Millionen Euro bei, zusätzliche Subventionen gibt es für Neu- und Umbauprojekte, wie aktuell die Neugestaltung des Eisbärengeheges.

AUF EINEN BLICK

2,2 Millionen Besucher haben den Tiergarten Schönbrunn 2009 besucht, gegenüber dem Rekordjahr 2008 entspricht das einem Minus von 400.000 Personen. Heuer zeichnet sich ein abermaliger Rückgang ab, die Direktion hofft auf eine Trendwende durch ein Elefantenjunges und stabileres Wetter.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.08.2010)