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Experten: Ungeschützt vor dem Finanz-Crash 2015

A man holds a sign reading American Jobless Wanted on the street ahead of the G20 summit in Toronto
(c) Reuters (Mark Blinch)
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Experten rechnen bis spätestens 2015 mit der nächsten Finanzkrise. Das wäre Jahre, bevor viele Maßnahmen der Finanzreformen greifen. "Das macht ein wenig Angst", sagt ein ehemaliger Goldman Sachs-Banker.

"Alle fünf bis sieben Jahre" erfahre das Finanzsystem eine Krise, teilte JP-Morgan-Chef Jamie Dimon der "Financial Crisis Inquiry Commission" im Jänner 2010 mit. Der nächste Crash käme demnach spätestens im Jahr 2015 - und damit Jahre bevor die geplanten Finanzreformen gegriffen haben, wie die Finanz-Nachrichtenagentur "Bloomberg" berichtet.

Zwar hat US-Finanzminister Timothy Geithner eine rasche Umsetzung der neuen Regeln angekündigt: "Dieser Prozess wird einige Zeit dauern, aber wir sind entschlossen, so schnell wie möglich zu handeln, um Klarheit und Sicherheit zu schaffen". Tatsächlich brauchen viele Reform-Maßnahmen - die der US-Kongress und Regulierungsbehörden weltweit beschlossen haben, um gegen eine künftige Krise gewappnet zu sein - aber noch Jahre, um umgesetzt zu werden. So wird das Regelwerk Basel III den Banken teilweise bis 2018 Zeit geben, dieses zu realisieren. Auch Teile der soeben beschlossenen US-Finanzreform werden erst mit jahrelanger Verzögerung wirksam.

"Das macht ein wenig Angst"

Gleichzeitig hat sich am Geschäftsgebaren der Geldinstitute seit Beginn der Finanzkrise 2008 nicht viel verändert. Die Großbanken machen mit kurzfristigen Geschäften wieder Milliardengewinne, wie die Halbjahreszahlen der meisten Institute zeigen. "Die Banken haben aus der Krise nicht viel gelernt", sagte auch der deutsche Bankexperte Wolfgang Gerke im "Die Presse"-Interview im Mai.

"Wenn wir von unseren Erfahrungswerten der Bereitschaft von Regierungen, Regeln wirksam und rasch umzusetzen, ausgehen, sind wir heute so gut wie ungeschützt vor jeglichem Finanzrisiko für zumindest die nächsten acht bis zehn Jahre. Das macht ein wenig Angst", sagt der ehemalige Goldman Sachs-Banker Roy Smith, der heute als Finanzprofessor an der New Yorker Stern University unterrichtet.

Allein die US-Finanzreform benötigt laut "Bloomberg" 67 Studien und 243 neue Regeln, die erst geschaffen werden müssen. Auch die sogenannte Volcker-Regel, die den hochprofitablen, aber risikoreichen Eigenhandel der Banken einschränken soll, erfordert erst einmal eine Studie, bevor Regeln erlassen werden können. Geldhäuser mit staatlich versicherten Spareinlagen dürfen künftig nur sehr begrenzt in Hedgefonds oder Private-Equity-Firmen investieren.

"Welt verändert sich bis 2018 viele Male"

Mit Basel III wiederum wollen die internationalen Bankenaufseher verhindern, dass die Institute bei einer nächsten Krise wieder auf staatliche Hilfen angewiesen sind. Deshalb sollen die Institute ihr Geschäft mit mehr Eigenkapital unterlegen müssen, wie "Die Presse" am 27. Juli unter dem Titel "Basel III: Aufseher entschärfen Banken-Regulierung" berichtete. Die neuen Gesetze sollen bis Jahresende ausgearbeitet und voraussichtlich Ende 2012 umgesetzt werden. Dabei soll es aber lange Übergangsfristen geben. So soll die in den USA gebräuchliche, aber in Europa umstrittene Verschuldungsquote erst 2018 verbindlich eingeführt werden soll.

Die Reform bis 2018 zu verzögern sei damit gleichzusetzen, nichts zu tun, warnt Simon Johnson, früherer Chef-Ökonom des Internationalen Währungsfonds. "Denn die Welt wird sich viele Male zwischen heute und 2018 verändern", sagt er "Bloomberg" zufolge.

(phu)