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Neues Museum

Am Grazer Schlossberg hört man den Elefanten tröten

Das Herzstück der Ausstellung: Ein raffiniertes Multimedia-Modell des Schlossbergs.Graz Museum / Franziska Schurig
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Das Graz Museum Schlossberg liefert Flaneuren die Geschichten hinter den Sehenswürdigkeiten am Grazer Stadtfelsen. Und spielt auf durchaus eigenwillige Weise auch mit den Legenden, die sich um diesen Ort ranken.

Es ist kein Babyelefant, aber doch ein kleinwüchsiges Exemplar dieses hier ganz und gar nicht heimischen Tiers, das den Forschern am Grazer Schlossberg Rätsel aufgibt. „Vor langer, langer Zeit“ wurde sein Schädel hier gefunden, erklärt ein Schild. Wurde er im Krieg gegen die Osmanen erbeutet? Brachten fahrende Schausteller ihn nach Graz? Musste er gar beim Bau der Festung mithelfen, die die Franzosen 1809 wieder schleifen ließen? Man weiß es nicht, in den historischen Quellen ist keine Rede von einem Elefanten am Schlossberg. Und doch ist da sein Schädelfragment, in der Vitrine der neuen Schlossberg-Dependance des Graz Museums kann man es bewundern. Und den Elefanten draußen sogar tröten hören.

Mit einem verspielten Blick auf die Wunder und Legenden des Grazer Stadtfelsens, mit ansprechend gestalteten Informationshäppchen zu dessen Geschichte und mit multimedialen Installationen lockt das Graz Museum Schlossberg, untergebracht in der Kanonenbastei (im ehemaligen Garnisonsmuseum), ab diesem Wochenende Einheimische und Touristen. Für all jene, die „im Freizeitmodus“ hier über den Dächern der Stadt flanieren, soll es gleichsam ein Besucherzentrum sein, sagt Museumsdirektor Otto Hochreiter. Er erstellte schon vor einigen Jahren das Konzept, das die Stadt nun für 2,8 Millionen Euro umgesetzt hat (eine Million davon kommt aus der Erbschaft einer Grazer Bürgerin).

Herzstück der Ausstellung ist ein raffiniertes Modell des Berges, das mithilfe der TU Graz entwickelt wurde: Auf der halbdurchsichtigen Polygonkonstruktion lässt sich mithilfe von Projektionen und Lichteffekten nachvollziehen, wie hier erst eine Burg, dann eine Festung errichtet wurde, wie im Ersten Weltkrieg die 260 Stufen des „Kriegssteigs“, die man heute noch zum Uhrturm erklimmen kann, in den Fels gehauen wurden und im Zweiten Weltkrieg dann riesige Stollen.

Der Hackher-Löwe in der Sandkiste

In der Kanonenhalle wanderten die Geschütze an den Rand, um einer Zeitmaschine Platz zu machen: Ein großer Bildschirm verwandelt die grandiose Aussicht über die Stadt, die man hier genießen kann, in eine historische, Ansichten mehrerer Epochen stehen zur Auswahl. Weiter geht es in den klassisch-musealen Teil, der, so Hochreiter, den Schlossberg-Flanierern ein „Déjà-vu-Erlebnis“ verschaffen soll. Hier gibt es quasi die Erklärungen zu den Dingen, die man beim Spazieren entdecken kann, vom Glockenturm, in dem dreimal täglich die „Liesl“ läutet, bis zum steinernen Hackher-Löwen, mit dem jener Major geehrt wird, der die Festung gegen Napoleons Heer verteidigte – erfolgreich und doch nicht: Als Napoleon in Wien siegte, musste sich auch Graz ergeben.

Die Fußspuren dieses Löwen können Kinder buchstäblich im „Wundergarten“ des Museums ausgraben: Die Sandkiste wurde schon vor der offiziellen Eröffnung zum Hit dieses ziemlich abstrakt gestalteten Spielplatzes, der sich um die Tiere und Fabelwesen mit Schlossbergbezug dreht. Hier tönt auch das Elefantengetröte aus einem Schalltrichter. Nicht alle Gestaltungsideen der Kuratoren lassen sich intuitiv erfassen; dass aus dem Wachhund, der am Schlossberg der Legende nach durch sein Bellen die Tochter von Kaiser Friedrich III. vor ihrem Verlobten rettete, drei rotierende Bürsten wie aus der Autowaschanlage wurden, mutet doch seltsam an. Und die „Höhle“ des steirischen Panthers schaut eher wie ein Gummivulkan aus. Auf dem lässt sich immerhin gut sitzen und auf Graz hinunterschauen.


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("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.09.2020)