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Hartes Vorgehen der „Masken“ gegen Opposition

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Nach Oppositionsführerin Maria Kolesnikowa ist auch der Rechtsanwalt und Lukaschenko-Gegner Maxim Znak in Haft genommen worden. Mit den Festnahmen versucht das Regime, die Demokratiebewegung zu brechen.

Minsk. Maxim Znak wusste, was auf ihn zukommt. „Ich tue so, als sei ich entspannt“, sagte der belarussische Rechtsanwalt und Oppositionelle noch am Montag der britischen BBC. „Das ist eine professionelle Angewohnheit – in Wahrheit bin ich aber sehr besorgt und habe Angst.“ Am Mittwoch suchten ihn dann offenbar Sicherheitskräfte des Lukaschenko-Regimes auf und nahmen ihn fest. Über sein Schicksal äußerte sich die Polizei zunächst nicht.

Der 39-Jährige, ein Mitglied des oppositionellen Koordinationsrats, hatte am Mittwoch eigentlich an einem Video-Anruf teilnehmen sollen. Dazu kam es nicht mehr. Er habe Besuch bekommen, teilte er einem Kollegen mit und legte auf. „Masken“, schrieb er noch per SMS an einige Mitstreiter, wie lokale Medien berichteten – wohl ein Hinweis auf die Gesichtsmasken der Sicherheitskräfte. Wenig später berichteten Augenzeugen, er sei von maskierten Männern in Zivil unweit seines Büros abgeführt worden. Damit dürfte einer der wenigen noch in Weißrussland verbliebenen Oppositionsführer verhaftet worden sein.

Vorwurf des Landesverrats

Die Festnahme kommt nur zwei Tage, nachdem die Oppositionsführerin Maria Kolesnikowa zunächst verschwand und dann von Sicherheitskräften zur Ausreise in die Ukraine gezwungen werden sollte. Weil sie sich widersetzte, indem sie ihren Reisepass zerriss, ist auch sie in Haft. Ihre Familie teilte mit, Kolesnikowa befinde sich in einem Untersuchungsgefängnis in Minsk. Die russische Nachrichtenagentur RIA berichtete, ihr werde Landesverrat vorgeworfen.

Der litauische Außenminister Linas Linkevicius twitterte unterdessen, dass auch die weißrussische Literaturnobelpreisträgerin Swetlana Alexijewitsch von Unbekannten belästigt werde. Vor ihrem Haus versammelten sich zahlreiche Menschen, weil befürchtet wurde, dass auch sie verhaftet wird. Europäische Diplomaten, darunter auch Österreichs Vertreterin, statteten ihr einen Besuch ab.
Mit dem scharfen Vorgehen gegen die Spitzen der Demokratiebewegung will das Regime von Staatschef Alexander Lukaschenko offensichtlich den Widerstand der Opposition brechen. Aus dem Exil heraus versuchte Swetlana Tichanowskaja, Rivalin Lukaschenkos bei der Präsidentenwahl vor vier Wochen, gegenzusteuern. Bei einer Rede in Warschau rief sie die Demonstranten in Minsk zu friedlichen Protesten auf und forderte die Freilassung Znaks. In einer Videobotschaft wandte sie sich auch an die Russen. „Unterstützen Sie das weißrussische Volk!“

Lukaschenko erhofft sich dagegen Hilfe von Russlands Führung. Am 14. September will er zu Präsident Wladimir Putin fliegen, um über eine Energiekooperation und regionale Konflikte in Europa zu sprechen, wie es hieß. (raa/ag.)

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