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Hotel und Tourismus

Krisenresistente Wertanlage

Experten gehen davon aus, dass der Markt für touristische und servicierte Apartments weiter wachsen wird.

Auch wenn der Sommer etwas besser gelaufen ist als von vielen erwartet, ist der heimischen Hotelbranche nicht zum Jubeln zumute. „Die Nachfrage ist auf die Hälfte geschrumpft, die Umsätze um rund 44 Prozent“, berichtet Michaela Reitterer, Präsidentin der Österreichischen Hoteliervereinigung. Und das Minus sei auch nicht mehr aufzuholen – „vor allem in den Städten.“ Dort sind die Nächtigungen und Umsätze um rund 86 Prozent eingebrochen, eine Besserung ist vorerst nicht in Sicht.

Freiraum im Trend

Doch es gab eine – wenn auch überschaubare – Zahl an Playern, der die Krise wenig anhaben konnte. Dazu gehören neben Top-Häusern an den Kärntner Seen und in den Wandergebieten auch Ferienwohnungen in Thermennähe. Sehr gefragt waren laut Martin Domenig, Managing Partner bei der Hotel- und Tourismusberatung Kohl & Partner, Luxus-Chalets. „Das ist sicherlich der Pandemie geschuldet“, sagt er. „Ferienwohnungen, und hier insbesondere Chalets, entsprechen aber auch dem Trend der Zeit – man denke nur an Schlagworte wie Cocooning, Regionalität oder ,Zurück zur Natur‘.“ Domenig geht daher davon aus, dass der Markt für touristische Apartments weiter wachsen wird.

Gerade in Zeiten von Corona bieten Apartmenthotels einige Vorteile gegenüber Hotels.

Patrick Adamle

In die gleiche Kerbe schlagen die Experten von MRP Hotels. Sie sehen touristische Apartments und Serviced Apartments als wesentlichen Wachstumsmarkt der Zukunft. „Gerade in Zeiten von Corona bieten Apartmenthotels einige Vorteile gegenüber Hotels“, meint Patrick Adamle, Partner bei MRP Hotels. Die Gäste könnten sich dort selbst versorgen und den Kontakt zu anderen Hausgästen reduzieren. Hinzu komme, dass servicierte Apartments weniger stark von zyklischen und saisonalen Schwankungen betroffen sind, da sie mit wenig Personalaufwand auch in der Nebensaison betrieben werden können und eine stabile Belegung ermöglichen. „Sie bieten daher mehr Planungssicherheit“, betont er.

Erschließung neuer Märkte

„Klar ist auch, dass der Wertschöpfungseffekt von touristischen Apartments oder Ferienwohnungen nicht unerheblich ist“, nennt Domenig einen weiteren Faktor. „Apartmentgäste sorgen im Durchschnitt für mehr regionale Wertschöpfung als Hotelgäste, die einen Großteil ihrer Leistungen im Haus beziehen“, konkretisiert Adamle. Gleichzeitig würden Apartments eine andere Art von Gästen ansprechen, was den betreffenden Regionen die Erschließung neuer Märkte ermögliche.

 

Buy-to-let-Modelle

Realisiert beziehungsweise finanziert werden einschlägige Projekte oft mit dem Buy-to-let-Modell. Die Funktionsweise in aller Kürze: Anleger kaufen eine oder mehrere Einheiten und bekommen dafür für einen vorab definierten Zeitraum – in der Regel 20 Jahre – eine jährliche Rendite. Selbst nützen dürfen die Eigentümer ihre Wohnungen für vier bis sechs Wochen pro Jahr. „Dabei gilt: Wer darauf besteht, dies in der Hauptsaison zu tun, beschneidet sein Renditepotenzial stark“, weiß Domenig.

Stichwort Rendite: „Vor Covid-19 lagen die Renditen von Hotelprojekten in Wien je nach Lage etwa bei vier bis 4,5 Prozent, jene von Resort-Objekten in der Regel um ein Prozent darüber“, berichtet Adamle. Bei touristischen Apartments seien sechs bis sieben Prozent möglich. Domenig hält drei bis vier Prozent für realistisch. Schaut man sich an, was derzeit mit sicheren Veranlagungsmöglichkeiten wie Staatsanleihen von Ländern mit hoher Bonität drinnen ist, so ist das aber immer noch ein ansehnlicher Verdienst.

Schließlich braucht es touristische Kompetenz, um eine entsprechende Rendite erwirtschaften zu können.

Martin Domenig

Neben der Lage und der Qualität eines Projekts ist für Experten ein weiterer Faktor maßgeblich verantwortlich für ein erfolgreiches Investment: ein Betreiber oder ein regionaler Hotelier, der die Bewirtschaftung übernimmt und sich um die Vermietung kümmert. Dabei sollte auf einen entsprechenden Track Record geachtet werden. „Schließlich braucht es touristische Kompetenz, um eine entsprechende Rendite erwirtschaften zu können“, bringt es Domenig auf den Punkt.

Potenzial für neue Projekte

Das aktuelle Angebot an Ferienwohnungen ist auf den ersten Blick groß. Da es sich bei vielen Objekten um Mittelmaß handelt, sehen Experten durchaus Potenzial für neue Projekte. Ein möglicher Hemmschuh: Gemeinden in touristischen Gunstlagen sind in den letzten Jahren deutlich zurückhaltender geworden, was Widmungen für neue Chalet-Projekte betrifft. Der Hintergrund: Österreichweit wurden viele Projekte nur vordergründig für eine touristische Nutzung realisiert und waren eigentlich versteckte Zweitwohnsitze.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.09.2020)